Samstag, 09 Juni 2012 12:40

VS. Collection

Written by ChronoMoogle

Scoreboard VS Collection ChronoMoogleVs Collection.042 sKennt ihr solche Spiele, die als Gesamtpaket nicht gerade toll sind, sondern eher in kleineren Details ganz besonders „glänzen“ und erst deshalb ihren Platz in der Sammlung verdienen? So wie es zum Beispiel bei »Pokémon Stadium« mit den lustigen Minispielen, oder dem spaßigen Fliegenklatschen in »Mario Paint« der Fall ist. Zu genau dieser Art von Spielen könnte man »VS. Collection« zählen, nur dass ihr euch in diesem Fall völlig sicher sein könnt, dass kaum jemand dieses Spiel kennt. Das möchte ich sehr gerne ändern, deshalb habe ich mich zum Verfassen dieses Reviews entschlossen.

In unserer Forencommunity hat sich dieses Spiel mittlerweile auf den Treffen sowie in einigen Sammlungen durchsetzen können und erfreut sich seitdem allgemeiner Beliebtheit, was wohl vor allem daran liegen dürfte, dass es durch und durch als Multiplayer-Spiel ausgelegt wurde. Mit VS. Collection servierte uns der ansonsten tendenziell unscheinbare Partygame-Entwickler »Bottom Up« vier grundverschiedene Minispiele, die zum Teil wirklich absolut gelungen, zum anderen Teil hingegen einfach nur völliger Murks sind. Also dann, prüfen wir diese Vögel…ei.

Vs Collection.103 s…Ganz genau, Vögel!! Kleine, bunte (und höchstens auf den ersten Blick) niedliche Vögelchen, mittels derer die Spieler nun also alle 4 Minispiele in VS. Collection zwischen einander austragen. Beim ersten Minispiel handelt es sich um eine Art Schneeballschlacht im „Schachlook“. Ihr steuert eine komplette Kampftruppe an Vögeln, die einen König sowie diverse kleine Angriffspiepmätze beinhaltet, und die ihr per Knopfdruck in Richtung des gegnerischen Spielers schickt. Die Finesse: Je länger ihr euren Angriff dabei hinauszögert, desto größere Schneebälle erzeugen eure geflügelten Krieger in der Zwischenzeit, und desto schwieriger wird es folglich für euren Gegner, ihnen auszuweichen. Dies geschieht übrigens mittels der Pfeiltasten, jedoch nicht für jeden Vogel individuell, sondern in Gruppenformation. Wird ein Vöglein einmal getroffen, so scheidet es sofort aus, bis bloß noch der König alleine und schutzlos auf dem Feld steht. Der Spieler, der den gegnerischen König zuerst in die ewigen Schneegründe schickt, gewinnt das Spiel. Ein simples Prinzip, welches leider nur für 2 Spieler ausgelegt ist und sich vor allem auf unschöne Weise hektisch, eher unintuitiv und daher meiner Meinung nach unspaßig spielt. 2/5!

Vs Collection.060 sIm zweiten Anspielpunkt sieht es aber schon etwas besser aus. Hierbei handelt es sich um einen Klon von der (im Westen eher unbekannten) Puzzlereihe »Magical Drop«, die immerhin auch zwei Teile auf dem Super Nintendo hervorgebracht hat. Das denkbar simple Prinzip dieses Minispiels: Man zieht sich verschiedenfarbige Spielblöcke aus einer von oben nachrückenden Wand heraus, welche man dann so umplatziert, dass sie sich, kombiniert mit ihren gleichfarbigen Gegenstücken, auflösen. Vorausdenken beim Umstapeln lohnt sich übrigens, denn es lassen sich dabei regelrechte Kettenreaktionen auslösen, welche dann natürlich auch dementsprechend euren Highscore in höchste Höhen schießen lassen. Je nach gewähltem Schwierigkeitsgrad kann dieses Minispiel wahrhaft anspruchsvoll und spaßig werden, besonders wenn man sich mit bis zu drei menschlichen Spielern mit Extrasteinen „bekriegt“. Ein paar unterschiedliche Spielmodi für ein kleines bisschen mehr Variation im Spielprinzip wären zwar äußerst wünschenswert gewesen, aber für eine nette Multiplayer-Puzzlerunde zwischendurch ist es durchaus geeignet. Außerdem ist es als einziges der Spiele auch im Einzelspieler-Modus recht spielenswert. 3/5!

Vs Collection.139 sMinispiel Nummer 3 ist ein optisch recht ansprechender F-Zero-Klon (wenn man mal von der Tatsache absieht, dass F-Zero keinen Mehrspielermodus hat…). Leider ist der Umfang hier echt zu kurz geraten: gerade einmal vier verschiedene Rennstrecken, von denen auch bloß zwei wirklich komplex aufgebaut sind, stehen in diesem Modus zur Auswahl. Das Gameplay ist auch höchst schmucklos, eine Taste zum Rennen, eine Taste zum Abbremsen und anstelle eines Turbos gibt es nur einen jederzeit einsetzbaren Sprung, mittels dessen man an ein paar Stellen geschickt abkürzen kann. Hätte das Ganze zumindest einen Vierspielermodus, man könnte immerhin von einer Daseinsberechtigung als kurzer Anspielpunkt neben »Super Mario Kart« oder »F-Zero« sprechen, doch das Maximum liegt leider bei 2 Spielern und 2 Computergegnern… Um die Problematik jetzt endlich auf den Punkt zu bringen: Das Vogelrennen ist nach spätestens 10 Minuten einfach nur noch witzlos, weil der Wiederspielwert aller Strecken leider so gut wie am Nullpunkt anzusiedeln ist, und weil außerdem weder echte Features (wie z.B. Items) noch ein ernstnehmbarer Streckenvorrat vorhanden sind. Schade um das Potential dieses Minispiels. 2/5!

Vs Collection.218 s…Mit dem letzten der 4 Minispiele kommen wir dann aber schlussendlich zum eingangs versprochenen „glänzenden Detail“, welches VS. Collection seine Daseinsberechtigung gibt. Um es völlig idiotensicher auszudrücken: Bei Minispiel Nummer vier handelt es sich um eine Art „Super Smash Bros. Lite“. Bis zu vier Spieler hüpfen in immerhin 34 (!!!) verschiedenen Leveln durch die Gegend und versuchen dabei, sich gegenseitig mit Rammattacken oder fies gesetzten Sprüngen in den nächsten Abgrund zu stoßen. Je länger ein Vögelchen das Schnabelgeplänkel verglichen mit seinen Mitspielern überlebt, desto mehr Punkte werden dem Score des Spielers hinzugefügt. In späteren Leveln kommen dann noch ungemein lustige Gimmicks zum Spielprinzip hinzu, wie schlittrige Plattformen, umherwerfbare Steinbrocken und so… öhhm… schießende Viecher! Außerdem lässt sich vor dem Spielbeginn einstellen, nach wie vielen Sekunden ein „Sudden Death“-Feature den Abgang eurer Piepmatzen in Form des alles vernichtenden Meteoritenregens beschleunigen soll. Extrem kurzweilig, auf positive Art herrlich hektisch und deshalb im Multiplayer unschlagbar. Absolut genial und das Highlight dieser gesamten Minispielsammlung. 5/5!

Vs Collection.156 sDas visuelle Setting in VS. Collection ist, wie eventuell durch Screenshots und Gameplayerläuterungen bereits durchgesickert, ziemlich bunt, verrückt und vor allem charismatisch gestaltet. Die Vogeltruppe und ihre Spielwelt könnte man wohl in die Kategorie „Kirby-Charme“ einordnen. Eine Handlung ist bei den Wettkämpfen logischerweise nicht vorhanden, aber so ein Spiel wie VS. Collection hat ja sowieso keine Story nötig. Zum Schluss noch ein paar objektive Worte zur Technik: Die quitschig bunte Grafik dieses Spiels ist zwar ohne Zweifel ansehnlich, aber angesichts des späten Releasedatums (November 1996!) auch nicht gerade herausragend. Ab und zu kommt es zu Slowdowns, die jedoch nicht wirklich das Spielgeschehen stören. Im vierten Minispiel sind sie beispielsweise bei dem Meteoritenhagel sogar sinnvoll. Die Musik ist jeweils passend gewählt; melodische Klänge beim Puzzlen und hektische Mucke beim Raufen - das passt so!! Da es aber nicht besonders viele verschiedene Musikstücke gibt, können die Kompositionen von VS. Collection etwas schnell repetitiv werden. Technisch ist das Spiel also eher mittelmäßig, was bei einer Minigamesammlung wertungstechnisch aber nicht so sehr ins Gewicht fällt.

Fazit des Autors - ChronoMoogleDas Gesamtpaket des Spiels hat 12/20 Punkte, was somit auf die Spielspaßwertung 6/10 gekürzt wird. Doch versteht mich nicht falsch - da gerade die Prügelei im vierten Minispiel auf dem Super Nintendo einzigartig ist, kann ich eine unbedingte Empfehlung für VS. Collection aussprechen. Das Spiel ist allein dadurch ein Muss auf jeder Multiplayersession. Einzige Problematik: es ist nur in Japan herausgekommen und taucht nicht sehr oft in Importshops auf, weswegen man vermutlich etwas Geduld in die Beschaffung eines Moduls investieren muss. Aber keine Sorge, eine Sprachbarriere ist aufgrund der arcadigen Natur der Games praktisch nicht vorhanden.
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