Samstag, 19 November 2011 05:36

Theme Park

Written by Biff

bewertungskasten_theme_park_ohne_sternbiff.psdThPrk01png_thumbAuf dem Super Nintendo gibt es bekanntlich nicht sehr viele Aufbau-Simulationen, handelt es sich hierbei doch eher um ein klassiches PC-Genre. Die einzig nennenswerten Spiele dieser Machart, die auch auf dem SNES veröffentlicht wurden, wären SimCity, Populous und Theme Park, deren PC-Versionen allesamt kult sind. Daher wurden sie natürlich fleißig portiert, was auch manchmal gelingt: Das SNES-SimCity ist z.B. extrem gut. Die SNES-Version von Populous ist schon nicht mehr ganz so toll, aber die Portierung von Theme Park hätte man sich besser gleich gespart. 

Erfunden wurde Theme Park von Peter Molyneux, dem Gründer der Spieleschmieden Bullfrog (u.a. "Populous" und "Dungeon Keeper") und Lionhead Studios ("Black & White", "Fable"). Der Erfolg von Theme Park war 1994 jedenfalls so durchschlagend, dass in den Folgejahren allerlei Tycoons - wie das Subgenre gemeinhin genannt wird - aus dem Boden gestampft wurden. Insbesondere die Roller Coaster Tycoon-Reihe ist jedem Videospieler ein Begriff. Man darf Theme Park also durchaus nachsagen, ein regelrechter Vorreiter gewesen zu sein.

ThPrk02png_thumbWie bei allen Versionen des PC-Klassikers (es gibt sehr viele, auf allen möglichen Konsolen) ist auch die SNES-Fassung sehr nah am Original. Auf einer Weltkarte gilt es zunächst, ein Stück Land für den Vergnügungspark auszuwählen. Am Anfang hat man gerade mal genügend Geld für ein einziges Szenario, nämlich England. Später kann man auch Parks in Afrika, Amerika, Japan und sogar in der Antarktis eröffnen. Dazu muss allerdings erst einmal massig Geld gescheffelt werden. Ziel des Spielers ist es also, einen Freizeitpark zu erschaffen und so weit auszubauen, dass sich ein Käufer für selbigen findet. Dann kann man vom Erlös den nächsten Landstrich kaufen und das ganze Spiel beginnt von vorne. Das Problem dabei: Die Art und Anzahl der Fahrgeschäfte, Fressbuden oder Dekorationen, die man als Spieler erforschen und bauen darf, hängt davon ab, wie weit man im Spiel fortgeschritten ist. Am Anfang hat man quasi nur ein paar Karussells und einen Eisstand zur Verfügung und man muss erstmal mühsam weitere Szenarien erspielen, bevor man z.B. an den Bau von Achterbahnen denken kann. Wer das nicht möchte, kann jedoch mittels eines Passworts alle Attraktionen freischalten.

ThPrk03png_thumbNun aber zum eigentlichen Spielgeschehen. Man beginnt stets auf einer leeren Karte. Anfänger könnten hier schon gleich zu Beginn verzweifeln, denn ein Tutorial gibt es nicht und das Interface ist etwas verwirrend (hier hilft ein Blick in die Spielanleitung). Hat man den Dreh raus, pflastert man das Gelände mit Attraktionen zu. Insgesamt gibt es dreißig Fahrgeschäfte, sechzehn Läden bzw. Fressbuden sowie neun Dekorationsgegenstände, darunter Bäume, Teiche und Zäune. Nach relativ kurzer Zeit geht das leicht von der Hand; komplizierter wird es aber, sobald man eine Wasser- oder Achterbahn bauen möchte. Hier muss nämlich auch die Strecke manuell erstellt werden. Anschließend verbindet man noch alles mit Wegen und Anstehschlangen. Mittlerweile dürften sich auch die ersten Parkbesucher eingefunden haben. Jetzt zeigt sich, ob eurer Parkplanung Erfolg beschert ist: Finden die Besucher den Weg zu allen Attraktionen oder habt ihr zu weitläufig gebaut? Gibt es genügend Konsummöglichkeiten auf dem Gelände und sind diese strategisch intelligent platziert? Wenn ihr es richtig angestellt habt, so sollte schon bald eine Menge Geld in die Kassenhäuschen fließen.

ThPrk07png_thumbAllerdings geht es bei Theme Park in der Hauptsache nicht so sehr um's Bauen. Viel wichtiger ist es, das Gebaute auch zu unterhalten, und zwar in wirtschaftlich sinnvoller Weise. Besucher werfen ihren Abfall auf die Straße oder erbrechen nach einer all zu rasanten Fahrt auch schon mal. Um alles sauber zu halten, müssen daher Reinigungskräfte angestellt werden. Fahrgeschäfte verschleißen mit der Zeit und explodieren sogar, wenn sich kein Mechaniker der Sache annimmt. Und verstimmte Besucher verlassen den Park, wenn sie nicht ständig von irgendeinem Entertainer bespasst werden. Damit das liebe Personal aber nicht zu streiken beginnt, müssen ihre Löhne regelmäßig neu verhandelt werden, genauso wie die Eintritts- und Verkaufspreise, damit eure Waren Absatz finden und eure Bilanz schwarze Zahlen schreiben kann. Obwohl es einen Parkberater gibt, der euch regelmäßig Tipps zur Parkoptimierung auf den Bildschirm einblendet, kann man sich in Theme Park leicht verwirtschaften und je mehr euer Park wächst, desto aufwendiger wird es, ihn profitabel zu halten. Am Jahresende wird "abgerechnet" und ihr erhaltet eine detaillierte Auflistung aller Einnahmen und Ausgaben.

ThPrk04png_thumbKommen wir nun zu dem Punkt, weshalb ich die SNES-Version, und übrigens auch fast alle anderen Konsolenfassungen, für nicht so gelungen halte. Theme Park ist einfach nicht für die Bedienung mit einem Joypad ausgelegt. Gesteuert wird das Spiel mit einem Mauszeiger, aber die SNES-Maus wird von Theme Park leider nicht unterstützt. Das Bauen selbst ist nicht so schwierig. Da wühlt man sich eben durch ein kleines Menü und platziert das jeweilige Objekt einfach irgendwo. Auch das "ziehen" von Wegen ist unproblematisch. All dies funktioniert mit dem Controller genauso gut wie bei SimCity. Aber was Theme Park von SimCity unterscheidet, ist, dass wirklich ALLES, was im Park so vor sich geht, manuell kontrolliert werden muss. Ihr müsst permanent die Preise anpassen, den Zustand eurer Attraktionen überprüfen, das Personal befehligen und sogar entscheiden, wie viel Salz auf die Pommes kommt. Weil aber die Bedienung mit dem Steuerkreuz wesentlich umständlicher ist als mit einer Maus, können selbst routinierte Spieler die Launen der Besucher bald schon nicht mehr zügig genug bedienen. Dies macht das SNES-Theme Park frustrierend hektisch, man spielt wie verkrampft.

ThPrk06png_thumbDie Grafik von Theme Park halte ich insgesamt für durchschnittlich. Das Spiel ist sehr bunt und alles hat einen gewissen, knuffigen Touch; optisch scheint Theme Park also eher jüngere Spieler ansprechen zu wollen. Den Flair der PC-Version hat man hier jedenfalls sehr gut umgesetzt. Es gibt mehr Details als in SimCity, jedoch weniger als in SimCity 2000. Dafür sind die Sprites deutlich größer. Eines ist allerdings ärgerlich (wenngleich man das den Entwicklern, in Anbetracht der technischen Möglichkeiten des SNES, kaum vorwerfen kann): Es fehlt jener Parkbesucher-Modus, für den das PC-Original so sehr gelobt wurde. Hier konnte man aus der 1st-Person-Perspektive durch seinen Park laufen und sogar alle Attraktionen fahren, was einen Großteil des Spielspaßes Theme Parks ausmachte. Bei der Akustik hingegen dürfte man objektiv eigentlich nicht meckern, schließlich hat fast jedes einzelne Fahrgeschäft seine eigene Soundkulisse. Hat man eine Attraktion im Blickfeld, hört man also ein ihr zueigenes Musikstück. Ich für meinen Teil fühle mich dennoch mit der Zeit vom ewigen Jahrmarkt-Gedudel genervt. Gut, dass man die Musik jederzeit an- und ausstellen kann.

Fazit des Autors - BiffAuf dem PC habe ich Theme Park sehr gemocht. Die SNES-Version hat mich aber leider nicht überzeugen können, dafür ist die Bedienung mit dem Steuerkreuz zu umständlich. Vielleicht hätte man da etwas mehr am Interface schrauben, oder ein paar Abläufe automatisieren sollen. So wie es ist, kommt die originelle Grundidee von Theme Park aber nicht genügend zur Geltung, weshalb ich eine Spielempfehlung leider nicht aussprechen kann.