Mittwoch, 03 August 2011 07:16

Mega-lo-Mania

Written by Rune

bewertungskasten_megalomania_ohne_sternRuneMega-lo-Mania.007png_thumbIhr wolltet eigentlich schon immer mal die Welt beherrschen, seid im echten Leben aber leider nicht wahnsinnig genug dafür? Dann probiert es doch einfach mal  auf virtuellem Wege und schaut euch das Spiel Civilization an. Seid ihr hingegen wahnsinnig und haltet die bloße Weltherrschaft für Kleinkram, Kinkerlitzchen, Firlefanz, ja - dürstet es euch vielmehr nach der totalen, absoluten Herrschaft über DAS GESAMTE UNIVERSUM UND ALLES DARÜBER HINAUS, dann habe ich etwas ganz spezielles für euch: Die Allmachts-Simulation Mega-lo-Mania!

In Mega-lo-Mania geht es ums Aufbauen, ums Verteidigen und ums Zerstören. Klingt wie das Strategiespiel von neulich? Keinesfalls. Mega-lo-Mania ist das einzigartigste Strategiespiel der Welt. Ähh, des Universums natürlich. Das ist einerseits zwar sehr toll, andererseits aber auch tragisch, denn Mega-lo-Mania ist im Schatten von Civilization und SimCity untergegangen. Bitter, denn es steckt beide Spiele locker in die Tasche. Entwickelt wurde es von Sensible Software, die schon mit dem genialen Cannon Fodder Geschichte schrieben.

Mega-lo-Mania.008png_thumbNachdem ihr nun Mega-lo-Mania in euren Modulschacht gestopft, und, wie gesagt, beschlossen habt, das Universum zu unterwerfen, merkt ihr: Nichts ist für ein ambitioniertes Unterfangen wie den totalen Krieg gegen alles und jeden nützlicher als eine gewaltige, epische, unbesiegbare Armee! Eine solche gilt es nun auszuheben, und hier setzt sogleich das grundlegende Gameplay ein. Auf neun unterschiedlichen Planeten (die Level in Mega-lo-Mania) ist es Ziel, jeweils insgesamt drei Inseln zu beherrschen. Damit es dazu kommen kann, müsst ihr zunächst Resourcen fördern und diese organisieren, Denn eine Armee benötigt Soldaten. Und Waffen. Und eine Basis. Und das kostet Resourcen. Was für Resourcen es gibt (und was ihr mit ihnen anstellen könnt), hängt von der Epoche eures Volkes ab (quasi die Zivilisationsstufe). Zu Beginn startet ihr mit einem Volk das sich gerade mal am Anfang der Steinzeit befindet. Im weiteren Verlauf erforscht ihr dann neue Technologien (von der Steinschleuder bis zum Flugzeug) und kämpft ihr euch durch die jeweiligen Zeitalter, bis am Ende hochtechnologisierte Zukunftsarmeen gegeneinander antreten. Übrigens alles in Echtzeit!!

Mega-lo-Mania.001png_thumbJa, man könnte Mega-lo-Mania glatt den Urvater aller Echtzeit-Strategiespiele nennen. Wenn euch Age of Empires, Starcraft und Command & Conquer etwas sagen, dann habt ihr schonmal eine grobe Vorstellung davon, wie Mega-lo-Mania funktioniert. Ihr sitzt also auf eurem Planeten, seht drei Inseln, wählt eine davon aus und beginnt sogleich damit - mittels eines der Populous-Reihe nicht unähnlichen Interfaces - ein Imperium auf ihr zu errichten. Euer Problem: Ihr seid nicht allein! mindestens einer, nicht selten jedoch gleich mehrere Hobbyimperatoren haben die gleichen Pläne und versuchen nun, auf einer zwischen 2 und 16 Sektoren großen Karte die Vorherrschaft zu ergattern. Jeder dieser Sektoren stellt ein separates Spielfeld dar, auf dem ihr Resourcen abbauen, Gebäude errichten oder Armeen bekämpfen könnt. Ein bisschen wie Siedler von Catan, falls euch Brettspiele etwas sagen. Sind schließlich alle Sektoren von feindlichen Völkern gesäubert, habt ihr die Insel erobert und könnt zur nächsten voranschreiten, bis ihr den gesamten Planeten kontrolliert. Dann geht's zum nächsten Planeten, und zum nächsten, und irgendwann seid ihr der Herrscher des Weltalls! Muhaha.

Mega-lo-Mania.153png_thumbDer mit Abstand wichtigste Rohstoff eines aufstrebenden Kriegstreibers sind Menschen, die sich willig für ihren Herrn in die Schlacht stürzen. Zu Beginn verfügt ihr über 100 Einheiten des Rohstoffs Mensch, und weil Mensch eine recht nachhaltige Rohstoffform ist, reproduziert sich Mensch praktischerweise völlig von selbst. Nehmt aber zur Sicherheit nicht gleich alle 100 mit auf die erste Insel; verliert ihr sie, habt ihr für die nächste nämlich keine Ausgangspopulation mehr! Also schickt nur ein paar eurer Leute auf die Insel und lasst sie schnackseln. Das tun sie nicht gern unter freiem Himmel sondern bevorzugt in Häusern, diese baut ihr aus Stein und Holz wofür ihr wiederum Wälder rodet und Minen aushebt. Nein, Quatsch - nicht ihr, sondern natürlich Mensch. Denn das ist Pöbelarbeit. Nichts für Herrscher wie euch. Stattdessen bestimmt ihr einfach bequem vom Menü aus die Anzahl jener Menschen, die Holzhacken, Steine kloppen, Häuslein bauen oder... Schnackseln sollen. Den Rest besorgen die dann schon von allein. Also kein hektisches rumscrollen, markieren und links klicken (obwohl die SNES-Maus von Mega-lo-Mania bevorzugt unterstützt wird).

Mega-lo-Mania.116png_thumbOb nun mit Speeren, Kanonen oder Lasergewehren, irgendwann kommt es zur Schlacht. Diese steuert ihr, wie auch den Rest des Spiels, nur indirekt. Will sagen, ihr befehlt einer bestimmten Anzahl Soldaten den Angriff auf die gegnerische Basis. Kurzerhand in den feindlichen Sektor hineingebeamt, gehen die Jungs dann automatisch aufeinander los, wobei meistens die Zivilisationsstufe (und mit ihr die Art der Waffen) über den Ausgang der Schlacht entscheidet. Ebenso kann es vorkommen, dass die Gegner eure eigenen Sektoren infiltrieren, dann müsst ihr eure Basis verteidigen lassen. Letztendlich konzentriert sich das gesamte strategische Vorgehen also darauf, wie rasch und mit was für Mitteln ihr euch eine militärische Überlegenheit erwirtschaftet. Am Bildschirmrand wird angezeigt, wieviele Soldaten der beteiligten Fraktionen noch leben, wodurch man einschätzen kann, ob man als Sieger oder Verlierer das Schlachtfeld verlassen wird. Ist man auf der Verliererseite, gibt's die Möglichkeit sich auf diplomatischem Wege einen Verbündeten zu suchen. Dann kann man den Gegner zusammen bekämpfen, so ein Zweckbündnis funktioniert aber auch umgekehrt (zu eurem Nachteil).

Mega-lo-Mania.035png_thumbÄußerst nennenswert ist in diesem Zusammenhang die ungewöhnlich gut gelungene künstliche Intelligenz. Eure Gegner sind raffiniert, unterschätzt sie also nicht. Wird euer Volk zu mächtig, werden sie Allianzen gegen euch schmieden. Auf späteren Planeten neigen sie dazu, beinahe perfekte Wirtschaftssysteme aus dem Boden zu stampfen und überrennen euch dann meistens lange bevor ihr euch überhaupt ein Konzept zurecht gelegt habt. Das ist das besonders tolle an Mega-lo-Mania! Es ist noch eines dieser Spiele, das kontinuierlich immer schwerer werden. Solange, bis ihr am Ende nurnoch eine Chance habt, wenn ihr das Gameplay wirklich restlos meistert. Die letzte Mission auf dem namensgebenden Planeten Mega-lo-Mania, auf dem ihr die so genannte "Mutter aller Schlachten" kämpft, ist wirklich nahezu unmöglich schwer. Ja, so war sie halt, die gute alte Zeit. Heutzutage könnte ein solches Spiel auf dem Markt gar nicht mehr bestehen. Fairerweise werdet ihr nach dem Abschluss eines Planeten mit einem individuellen Passwort belohnt, das euren Spielstand anhand eines Algorythmus rekonstruieren kann. Eine Speicherbatterie gibt's nicht.

Mega-lo-Mania.061png_thumbTechnisch ist Mega-lo-Mania schlicht und ergreifend hervorragend. Für die damalige Zeit war die grafische Darstellung einfach grandios, vor allem aber hat sie einfach ihren eigenen Charme und versprüht viel Witz. Das Menü ist jederzeit eingeblendet, so dass man selbst dann die Übersicht nicht verliert, wenn man sich gerade durch das Interface klickt. Beeindruckend sind aber vor allem die vielen unterschiedlichen Designs. Für jedes Gebäude und jede Figur gibt es pro Zivilisationsstufe ein unterschiedliches Aussehen.  Man sieht dem Spiel also an jedem Pixel an, dass die Entwickler höllisch viel Zeit in die visuelle Präsentation investiert haben. Auch akustisch bietet Mega-lo-Mania einiges. Einzelne Melodien passen sehr gut zum Spielgeschehen und sind zu keiner Zeit nervig. Das erstaunlichste ist aber, dass dieses Spiel eine Sprachausgabe spendiert bekommen hat. Habt ihr etwas neues erforscht, verkündet euch eine Computerstimme beispielsweise mit dem Satz "We've advanced a technology level!". Eure Soldaten brüllen und stöhnen während der Schlachten; Angriffsschreie, Hilferufe und die Soundeffekte der Waffen sind nicht nur da, sondern rundumm gelungen.

Fazit des Autors - RuneMega-lo-Mania ist nicht nur ein wirklich grandioses Spiel, es ist eine absolute Ikone seines Genres. Es ist unheimlich simpel trotz enormer, strategischer Tiefe, es ist witzig, skuril und total süchtigmachend. Leider konnte sich das Spiel seiner Zeit gegen bekanntere Spiele wie Civilization und Sim City nicht durchsetzen. Für Strategieliebhaber ist Mega-lo-Mania ein unaussprechlicher Orgasmus, aber auch für alle anderen stellt dieses Spiel einen absoluten Geheimtipp dar! Unbedingt kaufen.

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