Montag, 01 August 2011 02:22

Boogerman

Written by Rune

bewertungskasten_boogerman_ohne_sternruneBoogerman.004png_thumbProfessor Stinkbaum plant, allen Müll der Welt in eine Paralleldimension namens "Xcrement" zu verfrachten. Freilich läuft nix so wie es laufen sollte, woran der trottelige Putzmann des Professors nicht ganz unschuldig ist. Um alles wieder gerade zu biegen, schlümpft dieser in seinen grünen Anzug und macht sich als "Superheld" Boogerman auf die stinkenden Socken. Andere Helden benutzen Telefonzellen als Umkleidekabinen, Boogerman hingegen geht zu diesem Zweck am liebsten aufs Klo. Das Heldentum von heute hat eben viele Gesichter...

Aber auch sonst verhält sich der schräge Typ in den knapp zwanzig Levels dieses Jump'n'Runs nicht wirklich nicht wie ein Gentleman. Nicht, dass dazu Anlass bestünde; Boogerman muss nämlich durch die widerlichsten Kloaken kriechen die ein SNES-Spiel je gesehen hat! Das Spiel beginnt in den müffelnden, giftgrünen Sümpfen, wo sich der Spieler langsam mit den (ziemlich ekligen) Moves der Hauptfigur, einigen ersten Feinden sowie den wichtigsten Gameplay-Elementen des Spiels vertraut machen kann.

Boogerman.033png_thumbDabei fällt ziemlich schnell auf: Abgesehen von den ungewöhnlichen Angriffsmethoden ist Boogerman eigentlich ein relativ gewöhnliches Jump'n'Run, mit den klassischen Sprungpassagen von Plattform zu Plattform und Ausweichmanövern, wie man das eben von diesem Genre erwartet. Ein Trampolin ermöglicht höhere Sprünge, an glitschigen Schleimseilen klettert Boogerman mühsam nach oben beziehungsweise rutscht herunter, und an kürzeren Stricken hangelt er wie ein Affe von einem Ort zum anderen. Donkey Kong Country lässt ein bisschen grüßen. Als Rücksetzpunkte dienen jeweils ungefähr in der Mitte der Levels platzierte, hölzerne Klohäuschen, die regelrecht aus dem Boden schießen wenn man ihr Dach berührt. An manchen Stellen kann sich der "Superheld" selbst in einer Kloschüssel herunterspülen und gelangt durch die Rohre in die Kanalisation. In diesen unterirdischen Bereichen lauern unter Kanaldeckeln zum Beispiel freche Monster, aber man kann auch einige Extra-Pümpel und sonstigen Kram einsacken. Der Ausgang befördert die Spielfigur zu einer (nicht weit vom Ausgangspunkt entfernten) Stelle im normalen Level zurück. Da war eindeutig Mario das Vorbild.

Boogerman.082png_thumbDas Spiel besteht aus sechs thematisch unterschiedlichen Welten mit jeweils zwei bis vier kleineren Unterabschnitten, für die freundlicherweise Passwörter existieren. Ein wahrer Superhelden kommt natürlich nicht ohne die passenden Superschurken aus und diese wurden ähnlich skurril umgesetzt wie Boogerman selbst. So fordert man am Ende einer Welt den hässlichen "Hickboy" heraus, der ein lebendes Huhn als Eierkanone zweckentfremdet, oder bekämpft später die mutierte Riesenameise "Deodor Ant" im schlabberigen Trainingsanzug. Dabei setzt sich Boogerman stets mit entsetzlich unhygienischen Moves zur Wehr. Er spuckt, wirft seinen Nasenschleim oder rülpst und furzt den Gegnern die körpereigenen Biogase entgegen. So zieht er durch immer merkwürdiger werdende Welten (Dickdärme, Nasenlöcher etc.), bis er in Welt sechs schließlich in den hässlichen Palast des fiesen "Booger Meisters" gelangt. Bevor man dem Oberbösewicht entgegentritt und ihn (im wahrsten Wortsinne) das Klo herunterspült, will jedoch zunächst der bisweilen happige Schwierigkeitsgrad geknackt werden: Viele der Bossgegner sind extrem knifflig und nur mit viel Übung zu besiegen.

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Besonders ästhetisch ist die Grafik ja schon von Natur aus nicht, aber selbst für Leute, deren Humor hier getroffen wurde, sind die seltsame Farbwahl und die doch eher mittelmäßigen Hintergründe ein kleiner Spielspaßdämpfer. Schicker sind da schon die witzigen Animationen des Helden, genau wie die Bewegungen seiner comicartigen Feinde. Wenn Boogerman an einem Seil hinunterrutscht, quellen ihm zum Beispiel vor lauter Angst die Augen aus dem Kopf und beim Luftholen (zwecks Rülpsen) hält er sich den dicken Bauch. Details zum Schmunzeln, wenn auch nicht besonders aufwendig. Die Hintergrundmusik ist ebenfalls ziemlich durchschnittlich, lässt so aber die gelungenen Soundeffekte besser zur Geltung kommen. So bietet dieses Jump'n'Run zum Beispiel lauter kleine Sprachsamples: Gefundene Items werden beispielsweise mit einem zufriedenen "Yeah" quittiert, bei Abstürzen ertönt ein erschrecktes "Whoa" und die Endgegner beschimpfen den Helden um ihn wütend zu machen ("You stink, Boogerman!"). Auch der Rest der Soundeffekte weiß durchaus zu überzeugen, wobei sich viele der Geräusche, passend zur Thematik des Spiels, nicht besonders appetitlich anhören.

Fazit des Autors - RuneBoogerman ist stellenweise recht witzig, aber viele der ekligen Scherze strapazieren wahrscheinlich nur die Lachmuskeln. Viel Charme kann man von einem Kerl, der mit seinem Naseninhalt wirft, sicherlich nicht erwarten. Für mich ist das Ganze deshalb insgesamt zu albern und was dazu kommt, sind Defizite im Gameplay. Boogerman ist (bis auf die Endgegner, diese sind bockschwer) ein relativ leichtes Spiel und die Levels sind sehr linear aufgebaut. Es gibt praktisch keine interessanten Geheimnisse zu entdecken und das Popelwerfen wird irgendwann ziemlich langweilig. Für zwischendurch ist das Spiel nicht zuletzt dank der ordentlichen Steuerung vielleicht eine ganz nette Fingerübung, aber auf Dauer vermag Boogerman nicht zu fesseln. Nachdem der Reiz der ungewöhnlichen Attacken verflogen ist, kann man sich deshalb getrost den zahlreich vorhandenen, besseren Alternativen aus der SNES-Zeit zuwenden.

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