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Donnerstag, 28 Juli 2011 21:55

Gradius III

Written by ChronoMoogle

bewertungskasten_gradiusIII_ohne_sternchronomoogleGradius_III.000png_thumbHach ja... das Genre der Shoot'em Ups. Holy Grail aller hardcore Oldschooler, Mahnmal aller Anfänger und Zerstörer vieler Controller. "Leichte" Spiele wie Pop'N Twinbee oder Axelay sind die Ausnahme; dieses Genre benötigt mehr Übung als eine gottverdammte Kendotechnik, bevor man einen Titel wirklich beherrscht. Gradius III ist dafür das absolute Paradebeispiel auf dem SNES. Viel getadelt, viel gelobt. Die Meinungen zu diesen Spiel gehen weit auseinander. Mir liegt vor allem daran, seine Qualitäten aufzuzeigen. Also, was hat Gradius III dem Spieler zu bieten?

Die Story reiht sich direkt an die Vorgänger an, die dunklen Mächte des Alls haben erneut ein böses Etwas entsandt, den frisch geborenen Gott der Dunkelheit Bakuterian. Mit seinen Truppen und dunklen Kräften wurden bereits große Teile des Alls zerstört und der Gradius-Force wird erneut aufgetragen, den Frieden wiederherzustellen. Ziemlich zweckmäßig, uninteressant und Standard, aber was solls, im Shoot'em up-Genre kam es noch nie auf die Story an. Hauptsache, es gibt einen Grund etwas zu zerstören.

Gradius_III.001png_thumbZu Beginn des Spiels dürfen erstmal Schwierigkeitsstufe, Rapid Fire und eine Schiffsvariation gewählt werden. Letzteres ist wohl der interessanteste Aspekt am Spiel. Denn neben einigen vorgefertigten Klassen, lässt sich die Bewaffnung des Raumgleiters auch komplett frei auswählen. Insgesamt 256 Fertigkeitenkombinationen laden also zum Ausprobieren und Meistern ein. Wobei die Kombinationen natürlich nicht alle sinnvoll sind. Auf jeden Fall ist es möglich, zwei verschiedene Schüsse mit einer von jeweils vier möglichen Bewaffnungen oder Schussmustern auszustatten. Den sogenannten "Options" (unterstützende Begleitschiffe) kann man ein Flugmuster zuzuweisen, es lässt sich aus verschiedenen Schilden auswählen und zu guter Letzt kann auch noch eine Spezialfertigkeit wie etwa eine Smartbomb zugewiesen werden. Rapid Fire ist für alle, die sich ungern den Daumen verrenken, natürlich empfehlenswert. Die Schwierigkeitsauswahl ist zwar nett gemeint, aber selbst im leichtesten Modus noch jenseits von gut und böse. Wer gerne schon im ersten Level verrecken möchte, hämmert im Optionsbildschirm schnell A und schaltet so den Schwierigkeitsgrad "Arcade" frei.

Gradius_III.599png_thumbSo. nachdem wir die erfreulich weitreichenden Optionsformalitäten endlich hinter uns gelassen haben, startet nun also das eigentliche Spiel. Gradius III ist ein sogenannter Horizontalshooter, was bedeutet, dass unser ballernder Weltraumflieger von links nach rechts durch den Orbit rauscht. Was dem kundigen Shooterfan dabei sofort auffallen dürfte sind die einprägsamen Gradius-Gegnerformationen, die man zum Beispiel auch in Parodius immer wieder antreffen kann. Zerstört man alle Gegner einer konkreten Formation oder einer auffällig anderen Farbe, so hinterlassen diese beim Ableben in der Regel ein Power-Up. Durch diese rückt die Auswahl in der Gradius-typischen Power-Up-Leiste am Boden des Bildschirms um einen Punkt vor, auf Knopfdruck lässt sich dann das entsprechend markierte Power-Up je nach Gusto jederzeit aktivieren. Allerdings wird die Auswahl dabei automatisch wieder auf Null gesetzt und wer die wirklich starken Upgrades erhalten möchte, muss sich etwas in Geduld üben und Power-Ups aufsparen. Eine automatische Aktivierung dieser lässt sich ebenfalls einstellen, ist aber aus oben genannten Gründen taktisch gesehen eher selten ein Vorteil.

Gradius_III.709png_thumbNeben dem äußerst durchdachten Upgrade-System sind außerdem die insgesamt 10 Level recht abwechslungsreich konzipiert worden. Während euch in einem Level noch zerstreuende Seifenblasen das Leben schwer machen, greifen in einem anderen plötzlich unbesiegbare Pflanzenranken nach eurem Schiff. Ein anderes Mal fliegt ihr im Höchsttempo durch eine feindliche Raumstation oder schießt euch durch die brennenden Höhlensysteme eines brodelnden Vulkans. Die Level erfordern teilweise extreme Konzentration vom Spieler, um sich im Wirrwarr der Umgebung, Gegner und Schüsse zurechtzufinden. Aber das ist nicht unbedingt als Negativpunkt zu verstehen. Denn ohne einige Herausforderung wären Shooter schließlich einfach nur langweilig. Die Endgegner in Gradius III (jeweils einer in den Leveln 1-7 und 10, gleich mehrere in Level 8 und 9) wissen ebenfalls zu überzeugen und überraschen durch ihre bildschirmfüllenden Erscheinungsformen sowie mit einem jeweils gänzlich einzigartigen Angriffsmuster. Diese sollte man auch besser schnell erkennen denn schon ein einziger Treffer führt bei Gradius III zum Tod.

Gradius_III.359png_thumbDer Tod ist - das kann man mit Fug und Recht behaupten - eines der problematischsten Dinge im Spiel. Klar, zum einen wird man ein Leben los. Das mag verkraftbar sein, insbesondere, weil man stets an einem relativ fairen Rücksetzpunkt wiederbelebt wird. Alles also theoretisch gar nicht so fatal. Schlimm ist aber, dass durch den Tod auch sämtliche mühevoll ergatterten Power-Ups verloren gehen. Besonders in den späteren Leveln ist diese Tatsache dermaßen folgenschwer, dass man das Spiel im Prinzip gleich neu starten kann. Denn von diesem Verlust wird sich der Flieger selbst mit dem härtesten Durchbeißen sehr unwahrscheinlich wieder erholen. Die Leben schwinden plötzlich noch schneller dahin als man vergebungslos um Gnade flehen kann. Die Entwickler hätten in meinen Augen wirklich gut daran getan, das einmalige Ableben in Gradius III etwas milder zu bestrafen. So manchem Spieler wird dieses Problem zwar eventuell bereits aus der beliebten Gradius-Verulkung Parodius bekannt sein, jedoch ist dieses Spiel nicht einmal im Ansatz so fies wie sein Vorbild. Wer im Endgame von Gradius III seine Power-Ups verliert und trotzdem weiterzockt, der ist wahnsinnig!

Gradius_III.460png_thumbKnallharte Shooterkost für die absoluten Könner also. Ich habe euch gewarnt. Aber wer sich die Zeit nimmt, sich in Gradius III hineinzuarbeiten, wird mit einem exzellenten, umfangreichen Shoot'em Up belohnt. Fleissige Spieler können ausserdem 5 Bonuslevel entdecken, die sie mit reichlich Punkten entlohnen. Und glaubt mir, jedes Mal, wenn man weiter kommt, den alten Score knackt oder gar die Credits zu Gesicht bekommt, überkommen einen die Glücksgefühle. Technisch bringt der Titel unglaublich viel Bewegung auf den Bildschirm Wenngleich ohne atemberaubende Effekte gearbeitet wird, ist der Titel recht imposant zur Schau gestellt. Leider geht die Framerate von Gradius dabei auch gerne mal in die Knie. Zum Glück reden wir hier nicht von so schlimmen Einbrüchen wie zum Beispiel im Thunder Force-Ableger Thunder Spirits, aber man kann schon sagen, dass es schwer fallen dürfte, sie nicht zu bemerken. Ebenfalls bemerkt man in extrem seltenen Fällen sogar kleine Grafikfehler bei zu viel Bildschirmgewusel. Insgesamt kann ich also sagen, dass Gradius III eine eindrucksvolle Grafik bietet, den Super Nintendo aber ab und zu an seine Grenzen treibt.

Gradius_III.730png_thumbDa Gradius III einen großen Arcade-Bruder besitzt, komme ich wohl zweifelsohne nicht drum herum, das Spiel mit der Automatenversion zu vergleichen. Und überraschenderweise kommt der Port für den SNES erstaunlich gut dabei weg! Da ist zum einen die Tatsache, dass der offengesagt fast schon verbrecherisch unfaire Schwierigkeitsgrad der Arcade-Version für den SNES-Port zumindest leicht heruntergeschraubt wurde, so dass dieser quasi "nur noch" sehr schwer ist. Außerdem - und das wird manch einer kaum glauben können - litt das Original in den Spielhallen sogar unter noch schlimmeren technischen Schwierigkeiten als die Super Nintendo-Version. Zudem wurden die Gradius-untypischen Pseudo-3D-Levels durch insgesamt weitaus bessere, neue 2D-Anspielpunkte ersetzt. Man kann also letztendlich von einem Port sprechen, der das Original sogar übertroffen hat. Sogar die Grafik ist extrem nahe am Arcade-Vorbild. Die Musik des Titels ist nebenbei absolute Oberklasse und dermaßen mitreißend und ohrwurmtauglich, dass sich einige Melodien auf längere Zeit in die Gehörgänge brennen. Das beste wird sein, ihr geht gleich mal bei Youtube reinhören!!

Fazit des Autors - ChronoMoogleGradius III gilt nicht umsonst bei vielen 16-Bit-Shooterfans als eine der absoluten Koryphäen seines Genres. Neben unglaublich großen Umfang und harter aber fairer Action schlägt noch viel mehr Liebe zum Oldschoolgaming im Herz dieses Titels. Natürlich, es hat seine kleinen Makel. Das Upgradesystem verzeiht keine Fehler und die technische Seite ist nicht komplett ausbalanciert. Trotzdem. Wenn ihr einen der besten Konsolenshooter seiner Ära sucht, sucht nicht mehr weiter. Dieses Spiel ist ein Klassiker und bekommt nur auf Grund seiner schweren Zugänglichkeit ein "Sehr gut" von mir. Eigentlich hat es durchaus den Titel "SNES-Klassiker" innerhalb seines Genres verdient. Frustresistente Shoot'em Up-Fans können sich anstelle der Wertung also gerne eine etwas höhere Punktzahl denken, denn der Wiederspielwert ist auf Grund der vielen Schwierigkeitsgrade und möglichen Fertigkeitsvariationen immens.

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