Montag, 25 Juli 2011 16:00

Front Mission

Written by Keikoku

bewertungskasten_FrontMission_ohne_sternFront_Mission.000png_thumb„Front Mission“ passt, obwohl sich Squaresoft dafür verantwortlich zeichnet, nicht in das Bild des typischen SNES-RPG’s. In gewisser Weiße ist es eine Abkehr vom obligatorischen Mittelalter-Setting. Stattdessen dreht sich das Spiel um den Einsatz von bemannten Kampfrobotern, sogenannten Mechs. Das Gameplay wird zwar größtenteils von RPG-Elementen dominiert, ist jedoch zusätzlich um rundenbasierte Taktik-Elemente angereichert. Da es nicht gerade von solchen Strategie-Rollenspielen wimmelt, ist das Spiel trotz der JP-Exklusivität interessant.

Im Gegensatz zu vielen normalen Rollenspielen gibt es keine frei zugängliche Welt, von der aus man die verschiedenen Dungeons bereisen kann, sondern die einzelnen Missionen müssen direkt angewählt werden. Hat man sich nun für das Beginnen der nächsten Mission entschieden, ist es wie gewohnt die Aufgabe des Spielers über die Wahl der Angriffsart oder den Einsatz eines Items zu entscheiden. Ebenso wichtig ist es allerdings überhaupt in diese Kampfhandlung involviert zu werden. Abwechselnd muss also der Spieler, dann der Gegner wie bei einem Gesellschaftspiel entscheiden, was er mit seinen Einheiten anstellen möchte.

Front_Mission.013png_thumbZuallererst muss man jeden Mecha auf dem Spielfeld bewegen, daraufhin kann man sich für eine Aktion wie beispielsweise das Verwenden eines Items oder, natürlich nur insofern man sich nah genug an einem Gegner befindet, einen Angriff entscheiden. Das Ganze verleiht dem Spiel eine gehörige Portion Taktik , und ohne taktische Überlegungen wird man bei den einzelnen Missionen schon seine Probleme haben. Die Ziele der Missionen variieren untereinander. Meist ist das Ziel jedoch das Besiegen aller Gegner. Diese sind meist in der Überzahl, allerdings auch schwächer als die eigenen Mechs. Das Prinzip der Kämpfe sorgt auch für etwas taktische Finesse. Jeder Pilot hat 3 Angriffswerte – Fight, Short und Long. Die ersten beiden Varianten können nur dann eingesetzt werden, wenn man sich direkt neben dem Gegner befindet. Dabei handelt es sich um einen Angriff mit der bloßen Faust oder einer Nahkampfwaffe (Fight) oder einem Angriff mit einer Schusswaffe (Short). Bei der dritten Methode handelt es sich um Schusswaffen mit großer Reichweite. Der wesentliche Unterschied ist, dass beim Nahkampf auch immer die Möglichkeit zum Gegenschlag besteht.

Front_Mission.036png_thumbDieses System eröffnet verschiedene Vorgehensweisen. Bei einem Nahkampfgegner ist es z.b. nicht die schlechteste Idee, mit einem guten Nahkämpfer eine Engstelle zu blockieren und mit dem Rest aus großer Distanz anzugreifen. Wiederum ist es bei  starken Fernkampfgegnern sinnvoll, die Distanz zu verkleinern und den Nahkampf zu suchen. Hat man es nun geschafft, seinem Gegner Schaden zuzufügen, so zeigt sich ein weiteres, sehr interessantes Element. Es gibt nicht bloß eine Lebensanzeige sondern 4 davon – Körper, linker Arm, rechter Arm und Beine. Ist der Körper vollkommen zerstört, so ist der jeweilige Mecha hinüber und explodiert. Deffekte Der restlichen 3 Teile führen nur zu Funktionsstörungen. Ist beispielsweise ein Arm bei 0 HP, so kann die damit ausgerüstete Waffe nicht eingesetzt werden. Das Zerstören der Beine senkt hingegen die Mobilität. Welchen Teil man tatsächlich trifft, ist zufällig und so hängt der Ausgang einer Mission nicht selten vom Glück ab. Lediglich durch Skills, die man manchmal bei einem Levelaufstieg erhält, kann beispielsweise Körperteile direkt anvisieren oder mit zwei Waffen gleichzeitig ballern.

Front_Mission.004png_thumbHat man nun eine Mission erfolgreich abgeschlossen, gelangt man ins Hauptquartier, von wo aus man die nächste Mission auswählen kann. Bevor man das jedoch tut, gibt es eine Menge anderer Dinge zu tun! Zuallererst empfiehlt sich ein Besuch der Bar. Hier wird ein Großteil der Handlung erzählt. Außerdem sind stets einige Informationen über die nächste Mission erhältlich, mit denen man aber auf Grund der Sprachhürde (alles auf Japanisch...) im Normalfall nichts anfangen kann. Sinnvoll ist ein solches Gespräch trotzdem, da sich so manchmal ein Gesprächspartner eurer Gruppe anschließt. Neben dem Kolosseum, in dem man um Erfahrung und Geld kämpfen kann, ist vor allem das Ausrüstung der Mechs erwähnenswert. Ohne zu lügen kann ich hier behaupten, dass man mit etwas Interesse für die Sache durchaus mehr Zeit mit dem Ausrüsten, als tatsächlich auf dem Schlachtfeld verbringen kann. Als erstes gilt es natürlich immer, die eigenen Einheiten auf dem neusten Stand zu bringen. Hierfür ist es möglich die Körperteile zu verändern. Neue Teile verbessern nicht nur die Werte, sondern verändern auch das Aussehen. Die einzige Restriktion ist das Maximalgewicht.

Front_Mission.140png_thumbSo viel zur Verteidigung. Auf die Angriffswerte kann man hauptsächlich durch das Ausrüsten der Waffen Einfluss nehmen. So kann man sowohl beide Hände als auch beide Schultern mit verschiedenen Waffen ausrüsten. Die Bewaffnung der Hände sind dabei die Standartwaffen, die man am besten nach den Werten des Piloten (Fight, Short, Long) ausrichten sollte. Zudem ist es empfehlenswert, verschiedene Waffen auszurüsten, da manche beispielsweise mehrere Körperteile gleichzeitig angreifen und sich somit gut eignen um einem geschwächten Mech dem Rest zu geben, ohne Angst haben zu müssen, einen falschen Körperteil zu treffen. Für die Schultern sind zum einen starke Raketenwerfer mit langer Reichweite und zum anderen zusätzliche Schutzschilde verfügbar. Die Raketen sind stärker als die Standartwaffen, haben jedoch nur begrenzt Munition. Die Schilde helfen um einen gegnerischen Angriff abzuschwächen, oder ganz abzuwehren. Auch das sorgt nochmals für taktischen Tiefgang. So ist es keine schlechte Idee einen guten Fernkämpfer mit 2 guten Raketen auszustatten, während man bei einem schlechten Fernkämpfer auf 2 Schilde setzten sollte.

Front_Mission.126png_thumbÜber die Grafik ist zu sagen, dass sie alles in allem durchaus beeindrucken kann. Den Hintergründen des Kampfbildschirms und dem Aussehen der Oberwelt während der Missionen wurde in der Entwicklung offenbar eine Menge Aufmerksamkeit geschenkt und das Ergebnis ist mit Sicherheit lobenswert, allerdings sind 1995 so einige Grafikbomben auf dem SNES erschienen (Rendering Ranger, Seiken Densetsu 3, Tales of Phantasia), so dass man die Grafik von Front Mission nicht unbedingt als etwas total besonderes bezeichnen kann. Die Animationen sind sehr vielseitig und liebevoll gemacht, allenfalls der Mangel an unterschiedlichen Designs kann der Grafik hier vorgeworfen werden. Über den Sound gibt es auch nicht besonders viel zu meckern, nur ist er nicht von der abwechslungsreichen Sorte. Dass Metal, welches auf Metal draufhaut (oder schießt) mehr oder weniger immer gleich klingt, ist ja im Prinzip klar. Ein paar Explosionen und das Scrollen der Textboxen sind da leider die einzigen Soundeffekte, die etwas anders klingen. Auch musikalisch herrscht wenig Vielfalt, beispielsweise wird vom Anfang bis zum Ende in jedem Kampf das gleiche Battletheme verwendet. Abgesehen davon soll die Musik hier aber nicht beanstandet werden!

Fazit des Autors - Keikoku„Front Mission“ ist ein Titel mit fast unendlichem Tiefgang. Besonders die Möglichkeit, die eigenen Einheiten nach Belieben auszurüsten, kann - sofern Interesse vorhanden ist - für Stunden vor den Bildschirm fesseln. Leider bringt aber genau das den negativen Aspekt, dass etwas die individuelle Note fehlt, mit sich. Hier wäre ein Mittelweg erstrebenswert gewesen. Das Gameplay selbst ist solide. Große Fehler finden sich nicht, jedoch auch wenig Highlights. Alles in allem macht das Spiel einen sehr guten Eindruck und kann jedem, der sich mit dem Spielprinzip anfreunden kann, empfohlen werden, denn es macht einfach Spaß, über die beste Taktik in der jeweiligen Situation zu grübeln.

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