Sonntag, 24 Juli 2011 17:37

Pilotwings

Written by Lastfirefighter

bewertungskasten_Pilotwings_ohne_sternPilotwings_Epng_thumbPilotwings ist und bleibt ein Kultspiel, das damals vor allem durch folgende Punkte die damalige Spielewelt durcheinanderwirbelte. Als erstes wäre hier die Grafik, denn der Mode-7 Effekt, der eine gewisse dritte Dimension ins Spiel brachte, gehörte damals zu den Innovationen die zeigten, was technisch auf dem SNES System möglich war. Weitere Spiele die den Mode-7 Effekt nutzten waren z. B. F-Zero und Super Mariokart. Dieser Mode-7 Effekt sorgte für Staunen, da er ein gewisses Fluggefühl simulierte und das überflogene Gelände plastisch darstellte.

Als zweites ist da der Stilbruch zu nennen, den dieses Spiel seinerzeit markiert hat. Denn bei diesem Spiel war vor allem eines gefragt: Geschicklichkeit und das präzise Handhaben der Steuerung. Action, die es in anderen Spielen zuhauf gibt, muss man bei Pilotwings zuerst einmal beiseite schieben. Erst in zwei späteren Missionen gab es die Möglichkeit, seiner destruktiven Ader zu fröhnen. Die „friedlichen“ Missionen machen aber den besonderen Reiz dieses Spiels aus, vor allem da dieses Spiel einen ähnlichen Suchtfaktor wie TETRIS besitzt. Oft ist die Action das vorherrschende Element in Spielen und die Innovationen der Anfangsjahre werden viel zu oft auf dem Altar des technisch Machbaren geopfert.

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Diese doch etwas ruhigeren Spiele sind dann oft die, welche noch nach Jahren Spielerherzen höher schlagen lassen und verklärte Blicke hinterlassen. Als Pilotwings 1993 in Europa auf den Markt kam, sollte dieses Spiel als eines der Zugpferde für den Verkauf des SNES dienen. Man schreibt sich in eine Flugschule ein, bei der man im jeweiligen Level-Intro die ersten Informationen von wechselnden Ausbildern bekommt. Auf dem Auswahlbildschirm hat nun der Spieler die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Fluggeräten zu wählen. Ziel ist, die entsprechende Fluglizenz zu erhalten. Mit jedem Vehikel kann man bis zu 100 Punkte erhalten, die am Ende des Levels summiert werden. Hat man nun insgesamt die geforderte Punktzahl erreicht, erhält man die Fluglizenz für diesen Level. Da das Spiel keine Speichermöglichkeit besitzt, erhält man nach Abschluss des Levels nicht nur seine Fluglizenz, sondern auch eine Codenummer, mit der man sich beim nächsten Spiel in dieses Level einloggen kann. Im Spiel selbst stehen folgende Fluggeräte zur Verfügung: Doppeldecker, Raketenrucksack, Drachenflieger, Fallschirm und Helikopter.

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Der Doppeldecker kann in vier Richtungen gesteuert werden, Loopings sind leider nicht möglich. Nach dem Start folgt man einer - durch Punkte oder Ringe markierten - Wegstrecke, auf die eine möglichst perfekte Landung zu folgen hat. In den ersten Leveln noch recht einfach, steigert sich der Schwierigkeitsgrad kontinuierlich. Seitenwinde, Wetterumschläge und der Wechsel zwischen Tag und Nacht fordern alles fliegerische Können des Piloten. Der Raketenrucksack versetzt den Spieler in die Lage, mittels Gasschub seine Höhe zu variieren, jedoch wird  jede Zwischenlandung mit Strafpunkten geahndet. Ebenso kann bei unfreiwilligem Bodenkontakt je nach Intensität des Aufpralls zu einem abrupten Ende kommen. Die Richtungsänderung erfolgt durch Drehung der Figur mit den Schubdüsen. Nach dem Start hat der Spieler sodann mehrere senkrechte Ballketten zu berühren oder durch Ringe zu fliegen, um am Ende in einer bestimmten Landezone das Level abzuschließen. Auch hier steigt der Schwierigkeitsgrad an, denn Seitenwinde sind nur schwer einzuschätzen. Achtet aber auf euren Sprit, da zu häufige Korrekturen der Flugbahn einen extremen Verbrauch provozieren.

Pilotwings_U_.017png_thumbEinen (zumindest am Anfang) entspannten Flug erlebt man, wenn man den Drachenflieger wählt. Hierbei fliegt man gemütlich zu den aus Punkten bestehenden Kreisen um diese zu durchfliegen. Doch Vorsicht, der Drachenflieger benötigt Thermik um sein stetes Herabsinken auf Erdniveau zu verhindern. Dies wird im Spiel durch aufsteigende weiße Kugeln dargestellt und bei Berührung dieser Aufwinde steigt der Spieler hinauf, jedoch um dann seiner Gleitgeschwindigkeit beraubt nur umso schneller abzusinken. Und hier liegt die besondere Schwierigkeit: Der Spagat zwischen einem ruhigen Flug und dem Bemühen die nächsten Aufwinde zu erreichen. Dies ist NICHT entspannend! Aber selbst wenn alle Ringe durchflogen sind, die Zeit gut ist und die Landezone in Sicht ist, kommt die Herausforderung der Landung. Hier heißt es dann Ruhe bewahren, den Anflug gut zu timen und im richtigen Moment den Drachen in Landeposition zu bringen. Denn zu schnell zu sein bedeutet oft, über das Ziel hinauszuschießen, zu langsam bedeutet hingegen, vor dem Ziel zu landen und ohne entsprechende Landeposition überschlagt ihr euch mitsamt eurem Fluggerät.

Pilotwings_U_.012png_thumbDer Sprung mit einem Fallschirm bedeutet, sich der Schwerkraft auszuliefern und zu akzeptieren, dass nicht alles planbar ist. An einer Leiter hängend wird man von einem Helikopter auf Absprunghöhe gebracht (diesen Teil kann man mittels eines Tastendrucks glücklicherweise abkürzen), dort ausgeklinkt und dann beginnt der freie Fall. Wie bei einem richtigen Sprung kann man durch Neigen der Figur die Fallgeschwindigkeit beeinflussen. Während dieses Falls kann man den Boden nicht sehen, da dieser durch eine Wolkendecke verhüllt ist. Dies ist einerseits vorteilhaft, da dadurch die Ringe, die man im Sturz durchqueren sollte, besser zu sehen sind, andererseits erkennt man erst nach Lichtung der Wolken die Landezone. Ab einer vorgegeben Höhe ist es möglich den Fallschirm zu öffnen und dann die Landezone anzusteuern. Dies geschieht nur mittels leichten Lenkbewegungen des Schirms und die Sinkgeschwindigkeit sollte man immer im Auge behalten, denn eine harte Landung bringt im besten Falle Punktabzug. Das Fallschirmspringen ist wegen der Steuerung und der besonderen Landeproblematik (z.b. auf beweglichen Landezonen) die größte Herausforderung.

Pilotwings_U_.014png_thumbNun komme ich zu den beiden Leveln, die als einzige die Möglichkeit bieten, zumindest teilweise destruktiv tätig zu werden. In diesen Missionen wird der Spieler angeworben um mittels eines Helikopters, mit dem wild um sich geschossen werden kann, Gefangene, Geiseln und / oder Verschleppte NPCs aus einem höchst ominösen feindlichen Lager auf der Insel Izanu zu retten. Diese Mission fliegt man in Level fünf bei Tage an und in Level neun bei Nacht. Hierbei sollte man zuerst alle feindlichen Stellungen mittels Bordwaffen ausschalten um dann zu landen und die Rettung abzuschließen. Ist der neunte Level geschafft, ist man motiviert seine Ergebnisse zu verbessern, vor allem um die animierte Reaktion seiner Ausbilder zu sehen, wenn man ein perfektes Ergebnis mit voller Punktzahl erreicht hat. Dort wird gegrinst, es werden Tränen gelacht und die Augen irre verdreht. Oder man versucht eine von drei Bonusmissionen zu erreichen, die sich Nintendo hat einfallen lassen. Diese Bonusmissionen erreicht man nur durch intensives Training oder durch viel Glück, weil die Freischaltvoraussetzungen besonders knifflige Manöver abverlangen.

Pilotwings_U_.007png_thumbAls ob es nicht schon schwierig genug wäre, eine gute Landung auf festem Terrain hinzubekommen, wird eine Landung auf dem Wasser zur echten Herausforderung. Hat man diese jedoch gemeistert, kann man in einer coolen Bonusmission in ein niedliches Pinguinkostüm gehüllt von einem immens hohen Sprungturm in ein Wasserbecken springen. Je nach Eintreffen erhält man zusätzliche Bonuspunkte. Ein weiteres verstecktes Feature, den „Bird Man“, kann man hingegen spielen, wenn man es schafft, in einer Raketenrucksack-Mission auf einer beweglichen Plattform zu landen. In einem Kostüm mit Flügeln hüpft man in dieser Bonusmission von Plattform zu Plattform, die jeweils fünf Punkte zählen. Am Ende des Parcours kann man ebenfalls in ein Becken mit Punktangaben springen. Wer ohne Zeitdruck und ohne Aufgabe als Drachenflieger nur mal so fröhlich durch den schweben will, muss ebenfalls "nur" bei einem Drachenflieger-Level auf einer beweglichen Plattform landen. Schon kann er im Bonus-Level „Bird Fly“ ohne vorbestimmte Aufgabe umher fliegen und die Aussicht genießen. Es gibt für Highscore- und Secretjänger also einiges zu entdecken.

Fazit des Autors - LastfirefighterMeine persönliche Wertung dieses Spiels ist eine sehr gute 9 (MUST HAVE), denn dieses Spiel darf in keiner Sammlung fehlen. Die Grafik verdient eine 8 (allein wegen des Mode-7 Effekts), der Sound eine 8, da die Musik sehr gut zu diesem Spiel passt.Es gab selten Spiele, die mich mit „so wenig“ solange an meinen SNES gefesselt hatten. Dieses Spiel konnte man auch mal zwischendurch spielen und diese Zeit gab es immer mal wieder in den letzten Jahren. Der Suchtfaktor wird eigentlich nur noch von TETRIS übertroffen, denn jeder neue Versuch sollte das Punkte Ergebnis am Ende verbessern. Und verflucht noch mal, ich will diesen Ausbilder noch mal weinen sehen, weil ich es doch geschafft habe 100 Punkte zu erreichen. Und ich will verdammt sein, wenn ich beim Fallschirmsprung zwar alle Ringe erreiche aber dann im letzten Moment über die Landezone hinweg gleite. RAAAAHHHH!! Level 8: im Doppeldecker bei extremen Seitenwind alle Markierungen erwischt und dann wird man durch den Wind bei der Landung außerhalb der Landebahn gedrückt? RAAAHHHH!! Wenn man versucht mit diesem Raketenrucksack eine perfekte Landung auf dieser beweglichen Plattform hinzulegen, minutenlang auf der Stelle im Minimalabstand über dem Wasser schwebt und dann doch wegen Treibstoffmangels ins Wasser fällt? RAAAAAHHHHH!! Landung mit einem Drachenflieger? DOPPEL RAAAHHHH!! Oder wenn man bei der Helikoptermission kurz vor der Landung von einer einsamen Flakstellung vom Himmel geholt wird, nur weil der Hubschrauber so sauträge reagiert? TRIPPLE RAAAHHHH!! Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass dieses Spiel auch wahnsinnig aggressiv machen kann? Aber egal: ICH LIEBE ES !!

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