Montag, 13 Juni 2011 19:04

SM Choukyoushi Hitomi Vol. 2

Written by Stormfather

bewertungskasten_SM_choukyou_hitomi_vol2_ohne_sternSM_Choukyousi_Hitomi_Vol_2_PD.000png_thumbIst die Spielerei nicht ein total grandioses Hobby? Wir Videopieler bekommen wirklich alles, was man sich nur irgendwie erträumen kann. Wir werden binnen einiger Stunden zu Helden der Weltgeschichte, können mit Autos umherrasen, für deren Beschaffung gewöhnliche Menschen ein Leben lang hart arbeiten müssen und gewinnen quasi mal eben im Vorbeigehen auch noch die Fußballweltmeisterschaft für unser Land. Hachja. Ist es nicht toll, Videospieler zu sein? Nein, ist es nicht. Es ist sogar überaus unbefriedigend, Videospieler zu sein.

Der gemeine Hardcorezocker (wir nennen ihn einfach mal NERD) hat nämlich ein ganz entscheidendes Problem. NERD verbringt seine Zeit vorwiegend vor Konsolen und Computern, ein soziales Miteinander, wie es der Durchschnittsmensch pflegt, kennt NERD nicht (zumindest nicht außerhalb diverser Social-Networks und Multiplayeronlinegames). Trotzdem dürstet es auch NERD gelegentlich nach nacktem Fleisch (was wohl die horrende Anzahl Pornowebseiten erklären würde). Heutzutage ist die Befriedigung dieses Triebs recht unkompliziert. Einfach kurz Webseiten wie http://www.hilfe-ich.com eingetippt und schon kann die Heilung beginnen.

SM_Choukyousi_Hitomi_Vol_2_PD.007png_thumbDoch was sollten die verzweifelten Hardcorezocker der vergangenen Tage tun? Internet gab es noch nicht, zumindest nicht in der heute uns bekannten Form. Heftchen kaufen? Keine schlechte Idee, allerdings hat ein Hardcorezocker dafür freilich keine Zeit. Und auch keine Lust... Und schon gar keinen Mut, denn dafür müsste man ja das Haus verlassen und ein Geschäft aufsuchen. Die sozialen Phobien, ihr wisst schon. Für Videos gilt all dies natürlich entsprechend. Dazu kommt, man hätte die Konsole abstöpseln müssen um einen VHS-Rekorder anzuschließen; für den Hardcorezocker natürlich ein absoluter Sündenfall. Was bleibt da noch, ausser einer regen Phantasie? Das SNES natürlich! Zumindest gilt das für Japan, denn dort brach für den geneigten Nutzer frivoler Waren ab dem Jahre 1993 eine Zeit unsagbarer Erquickung an. Seibu Kikaku und die Firma EJ Corp. erkannten das Problem und schufen Spiele, welche wohl niemand auf dem SNES vermutet hätte und über deren Existenz wohl auch nur sehr wenige Leute bescheid wissen. Die Rede ist von der „SM Choukyoushi Hitomi“ oder „SM Teacher Hitomi“ Reihe. Sexspiele der ganz harten Sorte.

SM_Choukyousi_Hitomi_Vol_2_PD.013png_thumbIhr fragt euch zurecht, wie konnte Nintendo nur so etwas zulassen? Nun, gar nicht. Nintendo hatte nicht den Hauch einer Ahnung, dass in irgendeinem Keller in Japan Spiele für (im wahrsten Wortsinne) ganz HARTE Kerle gemacht wurden. Kikaku und EJ Corp. waren clever und besorgten sich einfach günstige Titel, wie beispielsweise „Zico Soccer“ von EA und bespielten das Modul mit ihrer Pornorom (naja...mit Bällen spielte man ja nach wie vor). Über die Sticker dieser Cartridges klebte man einfach den eigenen drüber, was zumindest im Falle von „SM Teacher Hitomi Vol. 2“ (um welches es in diesem Review konkret geht) ziemlich schäbig aussieht. Positiv ist immerhin zu erwähnen, dass es eine richtig echte OVP zu den Spielen gab... und eine (wiedermals) schäbige Anleitung. Wie bereits angedeutet, gab es mehrere Teile. Im einzelnen wären das „SM Teacher Hitomi“ Vol. 1-3, „SM Teacher Hitomi Vol. 2 Remix“, „SM Teacher Hitomi – Bangai Hen“ und „SM Teacher Hitomi – Bangai Hen 2 – Maki no Love Love Panic“. Sex...äh...sechs Titel umfasst die Reihe, die in den 90ern einige japanische Hardcorezocker in wildes Gestöhne versetzte.

SM_Choukyousi_Hitomi_Vol_2_PD.012png_thumbDoch zum Spiel. Wie erwähnt, ich nahm mir Teil 2 der Reihe vor und blieb weniger erregt als viel mehr verwirrt nach dem Abschalten des Spiels zurück. Das liegt zuallererst daran, dass es sich bei den Spielen um Textadventures handelt. Ohne fundierte Japanisch-Kenntnisse sind die Spiele unspielbar. Die „Story“ des ganzen habe ich mir nun einmal so eingebildet. Ihr habt vor euch ein, mit gutem Willen vllt., 16 Jahre altes Mädchen. Rote Haare, stramme Figur, üppige Ti....Brüste. Von Männern entführt (oder von ihrem Vater an diese verkauft, man weiß es nicht genau) befindet sich Madame 2/3 des Spiels in einer Art Keller. Dort klickt ihr euch nun durch ein Menü von unterschiedlichen Aktionen, die ihr das Mädel ausführen lassen könnt. Dabei wird so ziemlich jeder Fetisch bedient, auch Sektfreunde kommen auf ihre Kosten. Weiterhin habt ihr die Möglichkeit, in eine Schule zu gehen. Dort wird, wie soll es anders sein, gevö... kopuliert, dass sich die Balken biegen. Das tolle daran (als wäre der Akt nicht ohnehin schon toll genug), ihr verbessert dadurch eure Stats. Ja, Stats. Ohne ihre RPG-Features bekommen die Japaner eben keinen hoch.

SM_Choukyousi_Hitomi_Vol_2_PD.003png_thumbWie ich herausbekam, habt ihr für manche Aktionen nur eine gewisse Anzahl „Actionpoints“, könnt sie also nur begrenzt auswählen. Ihr habt insgesamt einen Monat (31 Tage), um eure Stats zu verbessern. Am zwanzigsten Tag findet eine Art Fest statt, bei welchem ihr bisher gelerntes umsetzen könnt. Das Spiel soll (und das kann ich nicht wirklich glauben) zwanzig verschiedene Endings bieten. Damit böte das Game mehr unterschiedliche Endings als Grafiken. Im Spiel selbst gibt es noch einen Shop oder sowas. Ich konnte nicht herausfinden, was es damit auf sich hat. Auch konnte ich nicht herausfinden, WAS da genau hinter dem Tresen steht. Lange Haare mit Schleife drin, aber Stoppelbart. Wie ich sagte, es wird jeder Fetisch bedient. Und das war es auch schon. Das Mädchen muss also trainieren, damit sie sich... verbessert, ähnlich wie bei Pokemon. Wenn man sich dann endlich einmal vor lauter Erregung wieder eingekriegt hat, erkennt man allerdings sehr schnell, dass das Spiel (und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die anderen Teile großartig besser sind) verdammt schlecht ist.

SM_Choukyousi_Hitomi_Vol_2_PD.001png_thumbDass SM Choukyoushi Hitomi Vol. 2 ein schlechtes Spiel ist, erkennt jeder auf den ersten Blick. Bloß, wirklich begründen lässt sich das schwer, wenn es quasi nichtmal ein richtiges Gameplay gibt. Bleiben also nur technische Gesichtspunkte übrig. Die Grafiken sind auf MS Paint-Niveau und natürlich nur Standbilder (habt ihr etwa Animationen erwartet...haha). Primäres Geschlechtsorgan des weiblichen Darstellers (nicht jedoch dessen „Hintertür“) ist, typisch japanisch, zensiert. Die Musik des Spiels beschränkt sich auf zwei Titel. Einen im Keller, einen in der Schule. Bis auf diese beiden und dem „Big Ben“ Pausenschlag in der Schule ist Sound auch nicht vorhanden. Dazu kommt, dass das Spiel (was wohl auch auf alle Teile zutreffen soll) äußerst verbuggt ist. Mal werden Grafiken nicht korrekt angezeigt, mal verschwinden Stats...es ist alles in allem sehr ernüchternd, wirklich. Man muss aber schon sagen, dass das Spiel, so lächerlich es sich auch hier darstellt, alles andere als harmlos ist. Was gezeigt wird, ist für Erwachsene, ganz klar. Aber spitz wird davon ganz bestimmt niemand...außer vllt. oben erwähnter NERD, der einfach und allein keine andere Wahl hat.

SM_Choukyousi_Hitomi_Vol_2_PD.006png_thumbWie ich kürzlich erfahren durfte, sind solche (und andere lizenzlose) Spiele in Japan sowas wie eine geduldete Grauzone, solange die Auflage so gering ist, dass man den Herstellern keinen kommerziellen Handel vorwerfen kann. Wäre SM Choukyoushi Hitomi Vol. 2 nicht zensiert, wäre es allerdings mit absoluter Sicherheit illegal gewesen. Nun werdet ihr euch natürlich fragen: Warum kauft der Stormfather sich bloß solch einen Mist? Ist er vielleicht einer dieser perversen Hentaifreaks? Nun, ja, aber das ist nicht der Hauptgrund. Die Spiele sind, so schlecht und schäbig sie auch sein mögen, eben auf Grund der geringen Auflage verdammt selten. Unter 100€ wechselt in einem bekannten Internetauktionshaus in der Regel nicht mal die nackte Cartridge den Besitzer, aber selbst auf Seiten wie Yahoo.co.jp taucht dieses Spiel so gut wie nie auf. Die "offiziellen" Angaben zur Stückzahl schwanken zwischen 2000 und 5000 Exemplaren. Wie viele davon noch existieren weiß wohl niemand. Aus Sammlersicht sind sie also durchaus interessant. Außerdem ist es einfach nur bekloppt, Sexspiele auf dem unschuldigen SNES zu haben. Jeder ernsthafte Sammler sollte zumindest eines dieser Games als absoluten Exoten in seine Sammlung aufnehmen.

Fazit des Autors - StormfatherSchlecht, schäbig, hässlich...und äußerst ungeil. Aber auf der anderen Seite auch freaky und aus Sammlersicht natürlich höchst interessant. Eine Spielempfehlung kann man einfach nicht aussprechen, weil, selbst wenn die Spiele halbwegs vernünftig wären, ein Spielen aufgrund der Sprachbarriere unmöglich ist. Ein schönes Stück für die Vitrine, mehr aber auch nicht.

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