Donnerstag, 19 Mai 2011 14:08

Shadowrun

Written by Joshi

bewertungskasten_shadowrun_ohne_sternShadowrun_Germany.440png_thumbManch einem sagt der Name "Shadowrun" vielleicht etwas, ist es doch ein bekanntes Pen & Paper Rollenspiel à la „Dungeons & Dragons“ oder „DSA“. Die SNES-Umsetzung ist allerdings recht unbekannt. Ob das tragisch ist, oder vielleicht sogar besser so? Weiterlesen lohnt sich! Das Spiel beginnt - mit einer Prise schwarzen Humors - in einem Leichenschauhaus, wo gerade ein Toter eingeliefert wurde: DU! Die beiden diensthabenden Forensiker sind allerdings nicht gerade von der fleißigsten Sorte und verzichten vorerst darauf, euch zu sezieren.

Was euer Glück ist, denn ihr seid noch lange nicht tot, was ihr den beiden ausführlich beweist! Überzeugt, einen wandelnden Toten im Haus zu haben, suchen die Herren im weißen Kittel sogleich das Weite und lassen euch in die weite Welt von Schadowrun hinaus stapfen. Im Grunde dreht sich alles darum, herauszufinden, wer den Protagonisten (über den man anfangs garnichts weiß, außer seinen Namen) töten wollte und warum. Alles spielt sich in einer futuristischen Cyberpunk-Welt im Jahre 2050 ab (derselbe Plot wie in der Pen & Paper Version), die einige Überraschungen zu bieten hat.

Shadowrun_Germany.056png_thumbNachdem ihr aus dem Leichenschauhaus heraus seid, (euer Charakter ist ein cooler Typ names "Jake" im schwarzen Mantel) werdet ihr auch schon von einem Mann angesprochen, der ganz verwundert darüber zu sein scheint, dass ihr noch am Leben seid. Er rät euch, wie viele andere auch, dazu, euch baldmöglichst eine Schusswaffe zu besorgen, und dieser Tipp ist Programm, denn in dieser Stadt herrscht das Recht des Stärkeren! Brutale Orks, magiekundige Punks und allerlei anderes abgespactes Gesindel lauert auf offener Straße, in dreckigen Seitengassen oder verruchten Bars. Der Tod grüßt an jeder Ecke, daher gibt es die so genannten "Shadowrunner", Söldner, die meistens für Großfirmen die Drecksarbeit machen und nur auf Auftrag (gegen entsprechende Bezahlung) arbeiten. Wenn ihr über genügend Geld verfügt, könnt ihr euch aus den Reihen dieser Shadowrunner temporär eine Gruppe von bis zu vier Mitstreitern rekrutieren. Für eine Weile folgen sie euch dann (computergesteuert) und unterstützen euch tatkräftig im Kampf. Das ist gelegentlich auch bitter nötig, denn ohne übermäßiges Grinden ist Shadowrun ein wirklich schweres Spiel.

Shadowrun_Germany.141png_thumbViel dringender als Waffen oder Shadowrunner benötigt Jake zunächst aber Informationen. In der Welt von Shadowrun herrschen mächtige Großkonzerne, die sich über ein Datennetz, die "Matrix", organisieren und so ihre Macht aufrecht erhalten. Na, ob da nicht noch irgendeine große Verschwörung dahintersteckt? Das gilt es nun herauszufinden! Hierfür müssen unzählige Gespräche geführt, Computer gehackt und Kontakte geknüpft werden. Auf diese Weise erlangte Informationen können dann in einem Dialogmenü als Schlüsselwörter angewählt werden, um den Plot voranzutreiben. Die Suche nach neuen Informationen ist so spannend, weil Shadowrun eine (für damalige Verhältnisse) extrem offene und freie Spielwelt besitzt. Fast jedes Gebäude lässt sich betreten, jede Tür und Schublade öffnen. Natürlich gibt es dadurch viel nebenbei zu entdecken, (Sidequests etc.) man kann also viele Stunden mit dem Spiel verbringen, ohne dass einem langweilig wird, was nicht zuletzt an den Rätseln und den vielen lustigen Ideen liegt (z.B. ein blutrünstiger Hund der verlangt, dass ihr ihm Gegenstände bringt die ihm gefallen).

Shadowrun_Germany.120png_thumbDas Gameplay ist auf den ersten Blick ein Mix aus Adventure und Action. Der Charakter wird direkt mit dem Steuerkreuz durch die detailreiche und lebendige Welt gesteuert, auf Knopfdruck erscheint ein Zeiger der die Funktionen wie bei einem Point & Click Adventure hat (was zunächst umständlich klingt, in Wirklichkeit aber ziemlich komfortabel und flüssig funktioniert). Man rennt z.B. auf eine Tür zu, durch Knopfdruck erscheint der Cursour und wenn man auf die Tür klickt, erscheinen die entsprechenden Auswahlmöglichkeiten (Öffnen, Abbrechen etc.). Dementsprechend verhält es sich auch bei Items, NPCs, Leichen (!!) und so weiter. Auf den zweiten Blick, im Hauptmenü genauer gesagt, kommen die Rollenspielelemente zum Vorschein. Hier lässt sich der Status des Charakters überprüfen, dessen Attribute (Stärke, Charisma usw.) und Skills (Waffentalente, Hacken, Verhandeln etc.) man mit "Karma" - quasi die Erfahrungspunkte in Shadowrun - erhöhen kann. Es lassen sich verschiedene Waffen ausrüsten, von denen man im Spiel so einige finden kann (um hier nur mal die Beretta zu nennen, die man als erstes entdeckt). Aber auch der Einsatz von Magie ist möglich.

Shadowrun_Germany.358png_thumbDementsprechend oft, meistens völlig überraschend durch feindlichen Beschuss ausgelöst, kommt es zu Konflikten. Wie für ein Action-RPG üblich, finden die Auseinandersetzungen direkt auf der Oberwelt statt. Auf Knopfdruck erscheint, wie gehabt, zunächst ein Fadenkreuz, welches man dann auf den Gegner scrollt und auf weiteren Knopfdruck wird geschossen, das Ganze natürlich in Echtzeit. Hat man dabei ein paar Shadowrunner im Schlepptau, so kämpfen diese automatisch unter Zuhilfenahme einer recht soliden KI. Nicht das innovativste Kampfsystem, aber simpel und gut zu handhaben, sogar ein wenig mitscrollen tut es bei sich bewegenden Gegnern, sodass es nicht zur Fadenkreuz-Scrollerei ausartet. Möchte man Zauber oder Items benutzen, so müssen zunächst die entsprechenden Menüs geöffnet werden, was etwas riskant sein kann, da der Kampf dadurch nicht pausiert wird. Häufig ist "Draufhalten" die beste Strategie, deshalb verkommen die Kämpfe ab und an zum simplen Button-Smashing. Aber das ist zu verkraften, denn schließlich kommt durch die Schusswechsel Abwechslung rein. Nur Rätseln und Reden wäre ja auch langweilig!

Shadowrun_Germany.261png_thumbNoch mehr Abwechslung kommt übrigens durch den so genannten "Cyberspace" ins Spiel. Allerorts findet Jake Computer, in die er - wenn der nötige Skill hoch genug ist - persönlich, das heißt körperlich, eindringen kann. Dort findet er sich dann in einer Art Minispiel wieder, bei dem es gilt, aus der Draufsicht durch ein Labyrinth zu manövrieren, dabei unsichtbaren Bomben (à la Minesweeper) auszuweichen und schlussendlich bestimmte Schaltkreise lahm zu legen, um das System zu hacken. Gelingt das, erhält er beispielsweise wertvolle Informationen oder Zugriff auf Konten (immer eine gute Einkommensquelle...). Und da wir schon beim Thema Technik sind: In Punkto Optik und Sound gibt es bei Shadowrun wirklich nichts zu meckern. Die Musik untermalt das Spiel in meinen Augen atmosphärisch sehr gut, sie passt halt irgendwie zum Cybergenre, düster und bedrückend. Die Grafik ist für das SNES okay und recht detailreich, auch wenn es nur wenige Effekte zu sehen gibt (die Zauber und Explosionen sind beispielsweise nicht sehr eindrucksvoll). Positiv ist zum Schluss vielleicht noch zu nennen, dass man sich in alle Richtungen fortbewegen kann und dass die Stadt ziemlich gut aussieht. Das Design ist einfach super!

Fazit des Autors - JoshiEin sehr ausgewogenes Action-RPG/Adventure, mit viel Witz, schrägem Humor, Action und Rätseln. Wem der Plot zusagt und reine Point&Click Adventures (und evtl. die 08/15 Story) zu langweilig sind, der wird seine Freude daran haben! Mir hat es sehr gut gefallen, es ist abwechslungsreich, hat Spannung und Überraschungen, einfach alles, was ein Spiel braucht! Auf jeden Fall keine verschwendete Zeit!

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