Freitag, 26 November 2010 08:50

Street Fighter Alpha 2

Written by Christian

bewertungskasten_street_fighter_alpha_2_ohne_SternStreet_Fighter_Alpha_2_Europe.140png_thumbEs war 1996, als Capcom das letzte Street Fighter für die mittlerweile schon ergraute SNES-Konsole veröffentlichte. Sonys Playstation hatte bereits die Herrschaft über deutsche Zockerbuden gewonnen und war gerade dabei, Segas Saturn abzuhängen. Das SNES lag in seinen letzten Zügen und schnappte angesichts der 32 Bit-Konkurrenz schon seit 1995 nach Luft. Zum Abschied packte Capcom nochmal in die Trickkiste und brachte ein Street Fighter heraus, was bis dato eigentlich nur auf Sonys Playstation erschienen war. Street Fighter Alpha 2 kitzelte wirklich das technische Optimum aus dem SNES heraus. Das 32 Meg-Modul wartete mit einem Zusatzchip auf und stellte den damaligen Genre-Spitzenreiter Super Street Fighter 2 sowohl grafisch als auch spielerisch in den Schatten.

Doch der Reihe nach. Bei einem Videospiel sucht der Interessierte als erstes natürlich nach der Story. Die hielt Capcom für so redundant, dass in der Anleitung kein einziges Wort darüber verloren wird. Die Verpackungsrückseite verrät immerhin, dass Street Fighter Alpha 2 zeitlich vor den ersten SNES-Veröffentlichungen angesiedelt ist. Sei's drum, wer braucht bei einem Prügler schon eine Hintergrundgeschichte?

Street_Fighter_Alpha_2_Europe.097png_thumbAlso Modul reingehämmert, Spiel gestartet, kurz in den Optionen Schwierigkeitsgrad und Joypadbelegung konfiguriert und dann ab in den Arcade-Modus! Hier fallen uns dann schon eine Menge neuer Charaktere ins Auge, die in Super Street Fighter 2 noch gar nicht mit von der Partie waren: aus "Final Fight" sind Rolento und Guy mit dabei, Charlie ersetzt Guile, Chun Li bekommt als weiblichen Part des Teilnehmerfelds Sakura und Rose zur Seite gestellt. Komplettiert wird das Line-Up durch alte Bekannte wie Zangief, Dhalsim, Bison oder auch Ryu und Ken. Nicht zu vergessen Akuma: Der Karateka besitzt die längste Moves-Liste aller Charaktere und vermag als Einziger den vernichtenden "Raging Demon" einzusetzen.

Street_Fighter_Alpha_2_Europe.129png_thumbAlso stürzen wir uns ins Kampfgetümmel! Bevor es allerdings wirklich zur Sache geht, demonstriert das Super Nintendo, wie sehr es von Street Fighter Alpha 2 in die Knie gezwungen wird: Kurz vor Beginn jeder Kampfrunde braucht die Konsole einige wenige Sekunden Ladezeit, um die ganzen Informationen zu verarbeiten, die das Monstermodul in die Leiterbahnen hämmert. Das ist nicht weiter störend, aber es fällt bei einem SNES-Modul schon auf. Ist dann erstmal alles in Bewegung, fällt einem sofort auf, dass hier die altbewährten Programmierkräfte am Werk waren. Die Kämpfer steuern sich makellos und flüssig, die Spezialangriffe gehen nach kurzer Eingewöhnung locker von der Hand.

Liest sich bis jetzt alles noch wie ein weiterer Teil der Reihe mit kleinem Figurenupdate, sei nun auf die spielerischen Weiterentwicklungen hingewiesen, die Capcom integriert hat. Mit jedem Treffer, den Ihr landet, erhöht sich am unteren Bildschirmrand eine spezielle Energieleiste. Diese ist in drei Abschnitte aufgeteilt. Sobald der erste Abschnitt aufgeladen ist, ist Euer Alter Ego in der Lage, spezielle Super Combos einzusetzen. Diese werden grafisch opulent in Szene gesetzt und können bei korrekter Plazierung am Gegner schon mal eine 10-12 Hit-Combo nach sich ziehen. Die meisten dieser Super Combos ziehen Euch einen Abschnitt Eurer Comboleiste ab, besondere Moves wie der angesprochene "Raging Demon" von Akuma fordern allerdings eine randvoll gefüllte Leiste, die dann auch komplett geleert wird. Ihr könnt auch mehrere Combostufen in einer Attacke verbrauchen, um deren Durchschlagskraft zu steigern.

Street_Fighter_Alpha_2_Europe.048png_thumbDurch diese zusätzlichen Moves gewinnt Street Fighter Alpha 2 gegenüber seinen Vorgängern an taktischer Tiefe, die durch die Alpha Counter-Attacke komplettiert wird. Dieser defensive Kniff erlaubt es, einen Gegner unmittelbar nach dem Abwehren seiner Attacke zu attackieren - quasi ein Konter. Allerdings wird auch hierfür eine Einheit der Comboleiste verbraucht. Aus brenzligen Situationen kann man sich damit jedoch schnell lösen.

Etabliert sich der Titel allein im Solomodus schon als Prügelreferenz auf dem SNES, so entfaltet er im Zweispielermodus seine ganze Genialität. Durch die neuen spielerischen Elemente kommt eine ganze Menge Würze ins Spiel, die man gegen einen menschlichen Kontrahenten herrlich anwenden kann. Die Capcom-typische, flüssige Steuerung macht Duelle zum Genuss; wie schön ist doch das Hochgefühl, den Bruder/Vater/Kumpel mit einem Alpha Counter oder einem Level 3-Super Combo ins Reich der Schmerzen zu schicken! Durch die große Anzahl an verschiedenen Kämpfern (insgesamt 18 Stück) kommt da auch so schnell keine Langeweile auf.

Fazit des Autors - ChristianStreet Fighter Alpha 2 ist die konsequente Weiterentwicklung von Super Street Fighter 2 und so ziemlich das beste Prügelspiel, was das SNES je erblickt hat. Zwar merkt man dem Titel in einigen Momenten an, dass er das Super Nintendo technisch überfordert (Ladepausen vor dem Kampf, ab und zu kleinere Slowdowns), doch dieses Manko wird durch zusätzliche taktische und spielerische Elemente wettgemacht. Technisch ist das Modul ebenfalls ganz vorne dabei: Die großen Sprites bewegen sich vor teilweise sehr schön gezeichneten Hintergründen, die Special Moves und Super Combos sind grafisch beeindruckend umgesetzt. Aus den Boxen dröhnen die altbekannten, klassischen Melodien - nichts besonderes, aber auch nicht unangenehm. Unterm Strich bleibt ein Prügelspiel alter Schule, das auch heute noch zu einer zünftigen Keilerei einlädt und ohne jeden Vorbehalt in die Sammlung aufgenommen werden kann.

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