Freitag, 31 Dezember 2010 12:33

Stunt Race FX

Written by part_one

bewertungskasten_srfxStunt_Race_FX.010png_thumbDie Ära des SNES erweckte oftmals den Eindruck, das es neben den genialen Mario Kart und F-Zero keinen ernstzunehmenden Konkurrenten auf den Rennspielthron gäbe. Aber der Schein trügt: eine Rennspielperle schien sich dem Rampenlicht und somit der Euphorie der Massen zu entziehen ... bescheidener Ruhm ist nicht gleichzusetzen mit bescheidener Qualität – besonders wenn ein Game unter Miyamotos Regie entsteht.

Zwei Eigenheiten fallen sofort auf: es handelt sich bei Stunt Race FX um den ersten Racer auf dem SNES, der nicht mit traditionellem Mode 7-Effekt arbeitet, sondern den FX2-Chip spendiert bekam und somit auf Polygonen basiert. Die Taktik, den Fahrzeugen vom nüchternen Polygonlook mehr Charisma zu verpassen, bildet den zweiten Punkt, denn der Knuddelcharme ist mit den Kulleraugen unübersehbar. Zwei Merkmale, die definitiv polarisieren und wahrscheinlich der Grund für den mäßigen Ruhm dieses Spiels waren.

Das Spiel besteht aus 12 Rennkursen, aufgeteilt in 3 Cups von einfach bis schwer. Diese kann man dann entweder gegen Computergegner fahren, oder alleine seine Bestzeiten toppen. Daneben wird noch der Stunt Trax-Modus angeboten, in Stunt_Race_FX.000png_thumbdem Ihr euch in vier Arenen durch diverse Schikanen kämpfen und dabei innerhalb des Zeitlimits 40 Sterne einsammeln müsst. Das beschäfitigt euch eine Weile und sorgt für Abwechslung im Rennalltag. Den letzten Modus hätte man sich lieber gespart: der miserable 2-Spieler-Modus. Das Rennen präsentiert sich beiden Spielern jeweils in einem winzigen Kästchen. Als wäre dies nicht genug, geht der FX2-Chip trotz dieser Bildminimierung in die Knie und liefert euch eine solch bescheidene Framerate, dass es euch schwer fällt, dem Renngeschehen zu folgen.

Anfangs stehen 3 Autos zur Verfügung; später kommt auch noch ein Motorrad dazu. Jedes dieser Fahrzeuge unterscheidet sich in Aussehen, Höchstgeschwindigkeit, Beschleunigung, Manövrierbarkeit usw. Der perfekte Umgang mit diesen Eigenschaften ist ein Lernprozess, der mehrere Stunden in Anspruch nimmt und ein absolutes Muss ist. Das führt dazu, dass man leicht enttäuscht sein kann beim ersten Anspielen. Wer diese Hürde meistert und sich intensiver mit dem Spiel beschäftigt, dem offenbart sich die wahre Genialität des Gameplays. Kein Highspeed – nur perfektes Manövrieren führt zum Erfolg.

Stunt_Race_FX.310png_thumbGrafisch eröffnet sich dem Spieler unverkennbar der größte Vorteil der so genannten Polygongrafik: statt auf einer heranzoomenden Pixelplatte zu surfen (Mode 7, deinen Platz in meinem Herzen macht dir keiner streitig), bewältigt ihr in Stunt Race FX die abenteuerlichsten Parcours, die euch durch Bergschluchten mit all Ihren Unebenheiten, unters Wasser, bis hinauf ins Wolkenmeer führen. Geschmeidig baut sich die Polygonwelt vor euch auf und vermittelt so ein realistisches Spielgefühl. 3D total! Der Landschaft wird ferner zusätzliches Leben eingehaucht, indem in der letzten Runde immer irgendetwas skuriles etwas passiert, wie z.B. dass Fox in der Wolkenstrecke durch den Bildschirm fliegt, Geröll vom Berg purzelt oder Nessie aus dem See guckt. Daneben ließ es sich Nintendo natürlich nicht nehmen, die übliche Eigenwerbung, etwa in Form von Billboards am Straßenrand zu implementieren. Auf diesen lacht einem beispielsweise der gute Klempner Mario entgegen. Alles wird so liebevoll und farbenprächtig präsentiert, dass man dem Charme dieses Games unweigerlich verfällt. Da fallen teils deutliche Pop-Ups kaum ins Gewicht.

Stunt_Race_FX.167png_thumbAuch soundtechnisch bleibt Nintendo seiner Prämisse treu: fröhliches aber niemals störendes Gedudel gliedert sich in das Gute-Laune-Gefühl, die all die restlichen Komponenten von Stunt Race FX tadellos vermitteln. Und jetzt kommt wieder mein notorischer Nintendo-Review-Satz: Nicht selten habe ich mich beim hochmotivierten Mitpfeifen der munteren Tunes ertappt. Die Soundeffekte sind ebenfalls erste Sahne und akzentuieren den fantastischen Gesamteindruck: Es kommt einfach alles wie aus einem Guss!

Vor dem Fazit möchte ich an dieser Stelle noch einen Vorbehalt einfügen: er heißt Zahn der Zeit. Er ist unbarmherzig. Den wahren Wert dieses Spiels (wie bei so manchen anderen SNES-Titeln) können nur Leute nachempfinden, welche sich das Spiel zum Release reinzogen und somit den Quantensprung im Rennspielgenre 1:1 miterleben konnten. Auch Retroromantiker tragen keine Next-Gen-Scheuklappen und sind gegenüber den Vergleichen mit der evolutionsgeschliffenen Polygonpracht von heute gefeit. Damit will ich sagen, dass Leute, die die Stunt Race-Erfahrung heute erst als Premiere machen wollen, dem Titel evtl. vor lauter Kopfschütteln keine Chance geben können, seine Genialität zu entfalten.

Fazit des Autors - part_oneFür mich das unterbewertetste Rennspiel überhaupt und definitiv das beste aller Zeiten - Seite an Seite mit Super Mario Kart. Seit ich es bei der Veröffentlichung zum ersten Mal eingeworfen hatte, komme ich von diesem krankhaften Wahn nach neuen Rekordzeiten nicht mehr runter: Aqua Tunnel ... letzte Runde ... die Meeresbrise erfrischt mich, als ich über die Brücke fege ... ich gehe auf Tauchstation und sehe einen riesigen Zitterrochen majestätisch an mir vorbeischwimmen ... die letzten Meter ... die Rekordzeit unten rechts stets im Blickfeld ... mein Puls rast … ich sehe die Ziellinie …jetzt bloß keinen Fehler! ... geschafft!! Mein neuer Rekord wird groß eingeblendet, ich lege das schweißnasse Pad zur Seite, entspanne mich und genieße das wohltuende Gefühl des Triumphs in meinem Bauch ... Dieses Spiel bedient einfach die gesamte Klaviatur des Nintendo-Charmes bis in die höchsten Oktaven mit großer Eleganz.

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