Freitag, 03 Dezember 2010 15:18

R-Type III: The Third Lightning

Written by Spaghetti

bewertungskasten_r_type_III_ohne_SternAls alter Gradius und Striker-Shooter-Veteran hatte ich zuerst mit dem vorliegenden Shoot’em Up meine Mühe. Nichtsdestotrotz muss die R-Type-Reihe als ebenbürtig mit den zwei erstgenannten Shoot’em Ups gelten. Leider missriet das erste R-Type auf dem SNES, Super R-Type, ziemlich; es wird schlechthin als negatives Beispiel einer Ruckel- und Flackerorgie genannt (gut, wenn man ehrlich ist, ist diesbezüglich Gradius III keinen Deut besser). Wenden wir uns nun aber R-Type III zu. Die Hintergrundgeschichte interessiert, wie üblich in diesem Genre, keinen - es geht um den Kampf gegen das Bydo-Imperium. Ich teste vorliegend die japanische Fassung. Das Game gibt es indessen auch als US- oder Pal-Version.

R-Type_III_-_The_Third_Lightning_Europe.000png_thumbNach dem Aufleuchten des Titelscreens habt Ihr die Auswahl zwischen Einspieler- oder Zweispielermodus oder dem Optionsmenü. Letzteres ist indessen kärglich ausgefallen: Ihr könnt nur die Tastenbelegung und den Sound Mode (Stereo oder Mono) ändern. Die Anzahl Leben oder den Schwierigkeitsgrad könnt Ihr nicht wie sonst üblich in Shoot’em Ups verändern; vor allem letzterer Punkt wird sich im Verlaufe dieses Reviews noch als negativ erweisen. Bevor die Action losgeht, müsst Ihr Euch für einen Satelliten entscheiden. Es stehen drei zur Auswahl (Round Force, Shadow Force und Cyclone Force), welche sich im wesentlichen durch ihre Schussfähigkeiten unterscheiden.

R-Type_III_-_The_Third_Lightning_Europe.055png_thumbDas Satellitenfeature charakterisiert die R-Type-Reihe. Den Satellit könnt Ihr entweder frei neben, vor oder hinter Euch schießen lassen oder an Euer Raumschiff andocken (vorne oder hinten). Mit der Force-Taste könnt Ihr auch jederzeit den Satelliten wieder vom Raumschiff abkoppeln. Darin ist ein taktisches Element zu sehen, da sich der Schuss zusammen mit dem angekoppelten Satellit als stärker erweisen kann, als wenn der Satellit selbständig fliegt und schießt. Ein weiteres taktisches Element stellt die Möglichkeit dar, dass man durch gedrückt halten der Einzelschusstaste (ein anderer Knopf des SNES-Joypads dient für den Autoschuss) den Beamschuss aufladen kann. Es gibt auch die Möglichkeit den Beamschuss zweimal aufzuladen zu einem noch stärkeren Beamschuss, der sich dann als sehr effektiv erweist. Leider seid Ihr während des Aufladens wehrlos gegenüber den Angreifern. Mit der Beammode-Taste könnt Ihr auch alternativ auf Hyper umschalten und die Energieleiste des Schuss füllen. Sobald diese vollständig ist, kommt ein gewaltiger Streuschuss gefolgt von weiteren sehr effektiven Schüssen. Das Ganze hält ungefähr 15 Sekunden an. Danach kommt die Warnung „Heat“ und Ihr müsst eine Weile warten, bis Ihr die Energieleiste des Hyperschusses wieder aufladen könnt. Beim Beamschuss ist kein „Heat“ möglich, da dies nur einen einzelnen Schuss darstellt und nicht eine Salve von Schüssen wie im Hyper-Modus. Zusätzlich gibt es noch Power-Ups, die Eure Gegner hinterlassen. Dadurch bekommt Ihr einen stärkeren Schuss (z.B. Laser oder Streuschuss) oder schaltet Eure Satelliten frei. Es gibt aber nicht die gleiche Waffenvielfalt wie bei der Gradius oder Parodius-Reihe. Vor allem Missiles habe ich schmerzhaft vermisst.

R-Type_III_-_The_Third_Lightning_Europe.010png_thumbDas erste Level beginnt zunächst gemütlich im Weltall, aber schon nach 20 Sekunden nimmt das Spiel Fahrt auf und eine Horde von Gegnern stellt sich Euch in den Weg. Ein wenig später seid Ihr dann zwischen Röhren eingeklemmt und müsst Euch den Weg freischießen. Hier zeigen sich auch Mode-7-Effekte, insbesondere, wenn sich das Bild plötzlich dreht. Der erste Endgegner ist eine zoomende, rotierende Kapsel, die sich mit großen Lavaschüssen wehrt. Dieser Gegner lässt sich mittels Beam- oder Hyperschüssen noch relativ leicht und schnell besiegen. Level zwei gestaltet sich bereits erheblich schwieriger als Level eins. Vor einem schönen Hintergrund einer Unterwasser-Säurehöhle müsst Ihr Euch den Weg suchen (im wahrsten Sinne des Wortes, so einfach findet sich der Weg nämlich nicht). Das Ganze gestaltet sich ziemlich schwierig, da von der Decke immer auch sichtbare und kleine gelbe Tropfen herunterfallen, die Euch nicht berühren dürfen. Im dritten Level kommt Euch ein riesiges Laserinferno entgegen, auch hier ist wieder geschicktes Ausweichen gefragt. Zudem kämpft Ihr gegen grosse Gegnermassierungen. Der Endgegner des 3. Level ist eine aus Metall bestehende Krake. In die späteren Levels kommen dann nur noch Profis, in diesen Spielabschnitten bekommt Ihr es mit morphenden Wände, Raumkapseln oderMetallpressen zu tun. Besonders heimtückisch sind die im späteren Verlauf des Games erscheinenden Kraftfelder, die Euch die Steuerung Eures Raumschiffes erschweren. Gegen Ende des fünften Levels kämpft Ihr dann gegen verschiedene Endgegner aus vorangegangenen R-Type-Episoden - diese erweisen sich als besonders schwierig. Zum finalen Showdown kommt es dann Ende des 6. Levels. Hier erwartet Euch das Bydo-Muttertier und nach dessen Niedergang habt Ihr die Welt wieder einmal gerettet.

Die Grafik zeichnet sich durch schöne Hintergründe, vor allem in Level zwei, und ein weitestgehend sauberes Scrolling aus. Leider ist auch R-Type III von Ruckeleinlagen nicht gänzlich verschont geblieben, aber es ist bei weitem nicht so schlimm wie in Super R-Type. Die Grafik erweist sich als sehr abwechslungsreich - so folgt jeder Level einem anderen Thema. Das gleiche gilt auch für die Musik, welche sich nie als störend erweist. Ich betrachtete sie sogar als sehr passend und schön. Die Soundeffekte beschränken sich auf das Übliche und sind technisch sauber umgesetzt.

R-Type_III_-_The_Third_Lightning_Europe.014png_thumbFinal bleibt noch zu klären: Liegt hier ein Spitzenshooter à la Parodius vor? Zu diesem Urteil kam die Videogames 4/1994 auf der Seite 102, als sie diesem Game eine Spielbewertung von sagenhaften 90% gab. Dieser Meinung kann ich nicht zustimmen. Für mich stimmt in diesem Game zwar der technische Aspekt und auch die Steuerung und die taktischen Elemente überzeugen. Trotzdem gefallen mir die Balance des Schwierigkeitsgrades und der Spielwitz eines Gradius oder Parodius erheblich besser als R-Type III. Sicherlich weist R-Type eine beeindruckende Anzahl unterschiedlichster Gegner auf, aber dies haben Gradius und Parodius auch. Das größte Manko bei R-Type III ist für mich zudem der Schwierigkeitsgrad. Es gibt zwar unendliche Continues (man hat jeweils fünf Leben) und Rücksetzpunkte (auch nach einem Continue startet man beim letzten Rücksetzpunkt), trotzdem ist das Game brutal schwer. Ich habe es leider nie bis zum Bydo-Muttertier geschafft. Wer nicht genau jeden Winkel kennt und weiß, wohin man fliegen muss (vor allem in Level zwei), der ist verloren. Nicht einmal die großen Scharen der Gegner erweisen sich als das Hindernis schlechthin, sondern die Ausweichaktionen und die Wegsuche in den einzelnen Levels. Anfänger seien also gewarnt, bereits der erste Level ist kein Zuckerschlecken, da man keine Verschnaufpause hat, weil ständig neue Gegner kommen und man darüberhinaus noch den richtigen Weg finden muss. Hätten die Entwickler einen einstellbaren Schwierigkeitsgrad eingebaut, würde dieses Manko weniger deutlich ausfallen und auch Anfänger könnten sich an dieses Game wagen. So bleibt aber die wahre Qualität dieses Shoot’em ups nur Hardcore-Profis vorenthalten.

Fazit des Autors - SpaghettiAls alter Striker und Gradius-Veteran musste ich mich zuerst einmal an die taktischen Elemente (Einsatz von Satelliten und Beam- sowie Hyperschüssen) von R-Type III gewöhnen. Allerdings lässt sich sagen, dass diese Elemente eine großartige Bereicherung für dieses Genre sind und sich die R-Type-Reihe dadurch charakterisiert. Trotzdem begeistert mich das Game nicht vollends, was vor allem am überharten Schwierigkeitsgrad liegt. Auch wer Parodius in der mittleren Schwierigkeitsstufe ohne Probleme durchspielt, wird hier bereits im ersten Level seine lieben Probleme haben. Irem muss man den Vorwurf machen, warum sie nicht einen anwählbaren Schwierigkeitsgrad eingebaut haben. Da nützen auch unendliche Continues und Rücksetzpunkte nichts. So bleiben vielen Anfänger die erstklassige Grafik und der Sound in den späteren Levels vorenthalten. Dies ist sehr schade. Unterm Strich bleibt ein technisch erstklassiges Shoot’em Up, das sich durch seine taktischen Elemente und seine Gegnervielfalt auszeichnet. Leider ist das Spiel nur für Profis ein wahrer Spielgenuss, für alle anderen bleibt es ein Erlebnis mit bitterem Beigeschmack.

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