Sonntag, 17 Oktober 2010 22:56

Front Mission: Gun Hazard

Written by ChronoMoogle

bewertungskasten_Gun_HazardFront_Mission_Gun_Hazard6png_thumbWer tatsächlich glaubt, Square hätte nur im RPG-Bereich für echte Perlen gesorgt, den wird dieses Review definitiv eines Besseren belehren. Zwar sind Titel wie Chrono Trigger und Final Fantasy bezeichnend für den Entwickler und Publisher, doch Square hat sich auch schon einige Male kurze Abstecher in andere Genres - zum Beispiel Shoot'em Ups oder Taktikgames - erlaubt. Diese Ausnahmetitel zeigten eindrucksvoll auf, dass Squares Entwickler auch in anderen Genres echte Klassiker hervorbringen können und sollten dringendst nicht in Vergessenheit geraten.

Gun Hazard ist einer dieser Titel und gehört an sich zu der Taktik-RPG Serie Front Missiont. Die normalen Hauptelemente der Serie wurden in diesem Spiel jedoch fast komplett entfernt oder ersetzt; dieses Spiel ist nämlich ein - Überraschung! - Action Platformer! Nur die Level- und Stageauswahl sowie die RPG- Elemente von Gun Hazard erinnert noch ein wenig an die Schlachtfelder und Menüs der Serienbrüder. Die Grafik und das Gameplay sind dem in Europa eher bekannten Titel "Cybernator" extrem ähnlich, man steuert in den eigendlichen Stages einen Mech und betrachtet das Kampfgeschehen von der Seite.

Da alles komplett auf japanisch ist, lässt sich zur Story nicht viel sagen, eher mutmaßen: man steuert eine Gruppe von Abenteurern - von Ingenieuren bis Bombenlegern alles dabei, die verschiedene Länder vor einer Mech-Armee und mehreren bösen Obermotzen beschützt. Hier und da stößt jemand dazu, Gute werden böse, Böse werden gut usw. – so wie es sich für ein RPG eben gehört. Das Spiel ist in Missionen unterteilt, die selten besonders lang, dafür meist gut designed und knackig gestaltet sind. Man hat praktisch nach jeder Mission das Gefühl, die letzte Mission war doch so unterhaltsam … die nächste mach ich dann auch noch gleich mit. Ehe man sich versieht, hat man an einem Tag in ein paar Stunden alle Missionen eines Levels durch. Das Spielprinzip ist also sehr fesselnd und die Zeit vergeht beim spielen von Gun Hazard oft wie im Flug.

Front_Mission_Gun_Hazard3png_thumbIm Spiel wird zwar viel geballert und gehüpft, aber alle Square-Fans, die jetzt vor zu viel Arcade zurückschrecken könnten, können beruhigt sein. Außerhalb der Missionen kann man sich durch alle möglichen Menüs klicken, den Mech umrüsten, Teamkameraden einstellen, neue Gegenstände kaufen oder in älteren Missionen einfach mal die Charas oder die etlichen ausrüstbaren Gegenstände aufleveln. Der Ottonormalspieler (ohne Japanischkenntnisse) kann aufgrund der Sprachbarriere zwar nicht die zahlreichen Storysequenzen verstehen, doch die Menüführung ist trotzdem schnell durchschaut. Die altbewährte Levelauswahl, ähnlich der von Super Mario World, ist in diesem Spiel sehr motivierend. Das Spiel folgt so zwar klaren Routen, ist aber nie linear! Kommt man mal nicht weiter, kann man sich einfach an einer anderen Levelabzweigung versuchen oder in ein anderes Land fliegen und dort weitermachen. Vielleicht klappt's ja mit einem höheren Level oder neuen Mech beim nächsten Mal besser. Gun Hazard lässt den Spieler einfach erfrischend viele Freiräume im Spielverlauf.

Das einzige, was mich etwas gestört hat, ist die KI der Computerkumpels, welche in der Regel den direkten Weg hinter einen her wählen. Fällt zwar nur an wenigen Stellen auf, trotzdem blöd. Ein 2- Spieler Modus wäre hier eventuell auch noch ein nettes Plus gewesen. Das tiefe Gameplay sorgt aber dafür, dass als Einzelspieler keine Monotomie aufkommt: Man hat in Gun Hazard die Wahl zwischen vier Standardwaffen und unzähligen Sekundärwaffen. Jede Spielfigur kann spezielle Mechs kontrollieren und je öfter ein Charakter z.B. eine Waffe oder einen Mech benutzt, desto besser wird er im Umgang mit ihm. So wird er mit dem Mech leistungsfähiger oder die Waffe wird stärker und schneller. Spannend dabei ist, dass die Ausrüstung eures Charakters Einfluss auf die direkt fühlbare Steuerung nimmt. So ist ein kleiner Mech mit einem guten Raketenrucksack deutlich wendiger zu steuern als z.B. ein großer Mech ohne eben diesen. Manchmal muss man sogar aus den riesigen Mechs aussteigen, um als ein nur wenige Pixel grosser Mensch durch kleine Gänge zu passen und Gebäude zu infiltrieren.

Front_Mission_Gun_Hazard4png_thumbIn Sachen Sound und Grafik legt Square hier auch mal wieder ein echtes Meisterwerk hin. Die stimmungsvollen Melodien und Soundeffekte brauchen sich nicht hinter Spielen wie Final Fantasy VI zu verstecken. Die Grafik ist vielseitig und bietet von der zerbombten Endzeitstadt bis hin zu sonnenüberfluteten Wiesenlandschaften so ziemlich alles, was das Spielsetting und die auf der Weltkarte vorhandenen Länder so hergeben. In dem Spiel wird auch viel mit Tag und Nacht sowie Wetter gespielt, z.B. blendet euch der Sonnenuntergang oder ein Schneesturm peitscht euch um die Ohren. Flüssige Animationen, coole Bosse und viele verschiedene Gegnerarten unterstreichen noch mal die Vielseitigkeit des Titels. Der insgesamt offene Spielverlauf und die Möglichkeit des Auflevelns und Sammeln vieler Ausrüstungsgegenstände fesselt den Spieler geradezu an den Bildschirm, während die Action einfach perfekt mit den genannten Features aus anderen Genres gewürzt wird. Die Steuerung ist flüssig, die Spieldauer beträgt um die 30 bis 40 Stunden und man merkt einfach: es ist ein durch und durch ein Spiel der Qualitätsschmiede Square … Spielerherz, was willst du mehr?

Fazit des Autors - ChronoMoogle Meiner Meinung nach ist Front Mission: Gun Hazard eines der besten, unbekannten Super Nintendo Spiele! Auch wenn der Grundkern des Gameplays recht dreist von Cybernator inspiriert ist, weisst das Spiel einfach genügend eigene Ideen und einen dermassen riesigen Umfang auf, dass man diesen Eintrag in die Super Nintendo-Spielebibliothek einfach nur lieben MUSS. Ein Genregemisch wie aus dem Bilderbuch: mit diesem Titel wird dem Spieler ein Action- Squaregame erster Güte geboten!
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