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Dienstag, 08 November 2011 13:17

Treasure Hunter G

Written by ChronoMoogle

bewertungskasten_treasure_hunter_g_ohne_sternBommelchenTreasure_Hunter_G_J.055png_thumbTreasure Hunter G ist ein eindrucksvoller und zugleich auch sehr trauriger Zeitzeuge zwischen Square und Nintendo. Es sollte nämlich der allerletzte Titel der 90er-Jahre sein, der von dem berühmten Rollenspielentwickler und -Publisher auf einer Nintendo Konsole veröffentlicht wird. Squares Sprung auf die Playstation dürfte den meisten Nintendo Fans von damals noch schwer in den Knochen liegen. Dennoch, mit diesem, von Sting (u.a. bekannt durch Yggdra Union und Riviera) entwickelten Spiel hinterließen sie letztlich ein Spiel, das seine Bürde mit Stolz trägt.

Und ja, leider ist er mal wieder exklusiv in Japan zurückgeblieben. Dank relativ kleiner Sprachbarriere und ausführlicher Komplettlösungen im Netz sollte es jedoch kein Problem darstellen, es trotzdem ohne Japanischkenntnisse auf der Originalhardware durchzuspielen. Alle, die dieser Methode eher abgeneigt sind, können ausserdem auf eine recht gelungene Fanübersetzung zurückgreifen, die in den Weiten des Netzes nicht schwer zu finden sein dürfte. Aber nicht weitererzählen. Genug Allgemeininfos, kommen wir zur Handlung.

Treasure_Hunter_G_J.047png_thumbGrob gesagt dreht sich die Story um die zwei Brüder Red und Blue, die nach ihrem Vater suchen und nebenbei den Dark Lord von der Beschwörung eines apokalyptischen Dinosauriers abhalten müssen. Dabei erkunden sie vier verschiedene Kontinente, finden viele Schätze und lernen eine Menge - teils recht schräge - Charaktere kennen. Darunter die zwei weiteren Partycharaktere Ponga der Affe und das Mädchen Rain, welche euch das ganze Spiel über begleiten. Aber zurück zur Handlung: Einen geliebten Menschen helfen und danach die Welt retten? So ist es, Treasure Hunter G erfüllt in dieser Hinsicht wirklich einfach nur das RPG-Klischee. Doch es ist viel weniger die Story, die einen bei diesen Spiel aufsaugen wird, sondern viel eher die tolle Spielwelt. Voller Details, kleinen Scherzen und liebenswürdiger Charaktere weiß das Spiel im Punkt Athmosphäre wirklich zu überzeugen. In wie vielen RPGs beschweren sich zum Beispiel die Dorfbewohner, wenn man ihr Erspartes mitgehen lassen möchte? In Treasure Hunter G tun sie es. Kleine Subquests ergänzen nebenbei die Hauptgeschichte hervorragend und verleihen den Spiel zusätzliche Tiefe.

Treasure_Hunter_G_J.125png_thumbAm Anfang von Treasure Hunter G wird der Spieler sanft an das untypische Kampfsystem herangeführt, welches RPG und Taktikelemente vereint. Jede Aktion innerhalb eines Kampfes verbraucht Punkte eures Aktionsbalkens. Angriffe, Zauber, Bewegungen, Verwendung von Items... tja, eben so ziemlich alles, mit dem man in den Kampf eingreift. Je nach Verfärbung der Felder kosten euch diese Aktionen mehr oder weniger eures Balkens. Ist er leer, so kommt der nächste Charakter oder Gegner an der Reihe. Das Spiel erinnert trotz des Taktikaufbaus im Kampfsystem leicht an ein Action-RPG. So wird der handelnde Charakter direkt vom Steuerkreuz und Schultertasten bewegt und führt auf Tastendruck einen Angriff aus. Lediglich Items und Fähigkeiten benötigen ein genretypisches Menü, beziehen aber trotzdem die Umgebung und Blickrichtung des Charakters mit ein. Um z.B. Items auf andere Charaktere zu benutzen, muss man sie ihnen über das Terrain zuwerfen. Die Ausrichtung der Charaktere spielt auch bei der Schadensverteilung eine große Rolle - wird ein Gegner oder Charakter in den Rücken getroffen, so ist der Schaden höher als bei einem frontalen Angriff.

Treasure_Hunter_G_J.078png_thumbItems, die von Gegnern gedroppt wurden, können direkt im selben Kampf noch aufgehoben und verwendet werden oder wandern nach eben diesen in das Inventar des Teams. Besonders ist auch, dass nach jedem Kampf alle Charaktere ein wenig geheilt werden, was den Schatzjägeralltag doch etwas erleichtert. Ich persönlich emfand das Kampfsystem deutlich flotter als in anderen Taktik RPGs und dementsprechend  gelungen. Der Schwierigkeitsgrad des Spiels steigert sich während des Spielfortschritts in einer angenehmen Lernkurve, so kann man am Anfang wirklich unbesorgt kämpfen und später wirklich auch taktisch Vorgehen, um die Kämpfe zu überstehen. Vor unfaire Quests wird man nicht gestellt und stumpfes Aufleveln ist mit der richtigen Portion Taktik auch nie wirklich nötig. Die Gegnervarianz lässt dabei keine Wünsche offen: Blobs über Zombies bis hin zu mutierten Teddybären mit vielen verschiedenen Schwächen, Stärken und Fertigkeiten laufen euch hier über den Weg. Die Gegner sind auf der Spielwelt stets sichtbar und man kann den meisten Kämpfen auch ausweichen, was man aber dem Partylevel zuliebe allerdings nicht ZU oft tun sollte.

Treasure_Hunter_G_J.081png_thumbAbseits des Kampfsystems bewegt ihr euch wie in fast jedem anderen Super Nintendo RPG auch frei durch die liebevoll gestaltete Rollenspielwelt, sucht nach Schätzen, löst Nebenquests oder redet mit Personen um euer Abenteuer weiter voranzutreiben. Die Dungeons sind zwar meistens eher kurz gehalten, überzeugen aber trotzdem zumeist mit interessanten Rätseln und lohnenswerten Geheimnissen. Die Städte sind ebenfalls ausgezeichnet gestaltet und bieten dabei viele typische Einrichtungen eines Rollenspiels, um euch das Schatzjägerleben zu erleichtern. Von einer Pyramidenoase bis hin zum verschneiten Dorf ist hier auch für viel Abwechslung im Setting gesorgt und fast jede Stadt hat etwas Erinnerungswürdiges an sich oder etwas Wichtiges zu entdecken. Die verschiedenen Orte sind auf insgesamt vier verschiedenen Hauptinseln verstreut, an dessen Ende oder Übergang immer ein extra starker Endboss wartet. So beginnt mit einer neuen Insel auch immer ein neuer Spielabschnitt. Für den ein- oder anderen mag das vielleicht arg konstruhiert klingen, aber meiner Meinung nach weckt der Spielaufbau ordentlich den Entdeckergeist.

Treasure_Hunter_G_J.035png_thumbTreasure Hunter G verblüfft vor allem mit seiner auf dem Super Nintendo deutlich herausstechenden Technik: gerenderte Monster, Attacken, Charaktere und teils sogar Umgebungen erfreuen das Auge des Spielers (vergleichbar mit der Grafik von Donkey Kong Country). Die beeindruckende Grafikeffekte wie eine runde Weltkarte, umstürzende Wellen und viele weitere geniale Effekte und Animationen lassen den Titel zudem endgültig glänzen. Keine Ruckler oder Graikfehler, egal wie viel auch auf dem Bildschirm los ist. Ja, die Grafiker und Programmierer Sting wussten wirklich was sie da tun. Am Soundtrack haben sich gleich drei Hauskomponisten von Square vergangen (unter anderen Hitoshi Sakimoto, bekannt durch Ogre Battle und Final Fantasy Tactics) und das Ergebnis kann sich wirklich mehr als hören lassen. Er gehört meiner Meinung nach mit zu den schönsten Kompositions-Ansammlungen auf dem SNES und hat mich mit seinen epischen Melodien wirklich mehr als überzeugt. Wäre der Soundtrack auf CD nicht so unerhört selten, hätte ich ihn mit ziemlicher Sicherheit schon lange in meine Sammlung aufgenommen.

Fazit des Autors - ChronoMoogleTreasure Hunter G zeigt wirklich, was auf dem SNES alles möglich ist und überzeugt mit seinem durchdachten Kampfsystem. Wer die Sprachbarriere nicht scheut, bekommt mit diesem Titel wirklich ein Rollenspiel vom Allerfeinsten vorgelegt! Square macht der Golden Era der Rollenspiele mal wieder alle Ehre und hat mit Treasure Hunter G ein weiteres kleines Meisterwerk in Sachen Präsentation und Gameplay released.