Montag, 19 Mai 2008 23:00

...mit Jens Brinkmann von Gamereset.de

Written by Christian

Titelbild Zusammen mit zwei Freunden hat Jens Brinkmann die Homepage gamereset.de ins Leben gerufen und initiiert unter anderem die jährlich stattfindende Retrobörse. Giga TV-Zuschauer kennen ihn von seinem Auftritt bei Telespiel Super Nintendo. Jens führte mit uns dankenswerterweise ein ausführliches Interview.

Q: Die 3. Retrobörse hat mit über 300 Besuchern alle Rekorde geknackt, zeitweise war das Falkenheim fast übervoll. Wie lautet euer ganz persönliches Fazit dieses Samstags?

A: Mittlerweile ist das Fazit natürlich sehr positiv und wir sind schon ein bisschen stolz auf den vielen positiven Zuspruch, den wir für unsere Börse bekommen haben. Am Samstag um 16 Uhr war mein erster Gedanke: "Das war die letzte Börse von uns." Uns war allen klar, dass eine nächste Börse nicht mehr im Falkenheim stattfinden kann und dass wir diese eigentlich nicht mehr zu dritt organisieren können. Für mich stellte sich einfach die Frage, ob wir den nächsten Schritt zu einer noch größeren Veranstaltung gehen können, ohne dass die Börse einfach nur noch kommerziell und langweilig wird. Für uns drei ist es wichtig, dass die Retrobörse klar erkennbar ein Hobbyprojekt ist und bleibt und wir wollen, dass ein grosser Teil der Aussteller Leute sind, die selber sammeln, die wir persönlich kennen und die in der Hauptsache wegen der Freude am Hobby und nicht wegen des Geldes kommen. Wir haben intensive Diskussionen geführt und uns entschlossen, im nächsten Jahr eine vierte Börse im Ruhrgebiet zu organisieren und haben hoffentlich einen Weg gefunden, unser Konzept auch umsetzen zu können.

Q: Das ist für jeden Retrofan schon mal eine tolle Neuigkeit! Auffällig war im Bezug auf die Besucher, dass ein grosser Teil davon doch jüngeren Alters war. Auch bei SNESfreaks haben wir eine Vielzahl von Mitgliedern, die doch noch keine 20 Jahre alt sind. Wie könnt ihr euch erklären, dass immer mehr junge Zocker begeistert sind von Konsolen, die fast so alt sind wie sie selbst?

A: Das ist mir auch aufgefallen. Es gibt, denke ich, verschiedene Erklärungen dafür. Die einfachste ist sicher, dass die alten Spiele einfach besser sind. Auch wenn der Output der Industrie heute viel grösser ist, fehlen doch ein bisschen die Spiele, die das Zeug zum Klassiker haben und das Flair der frühen Spiele. Ich sehe kein Maniac Mansion mehr, vermisse die Space Invaders und frage mich, ob Spiele wie Tetris heute noch möglich sind. Dazu etliche "unentdeckte" Spiele wie Firemen (SNES), Comix Zone (Mega Drive), um nur mal zwei zu nennen. Ich finde, es muss schon fast zwangsläufig so sein, dass auch bei Jüngeren das Interesse an alten Spielen entsteht. Es gibt aber auch andere Aspekte. Zum einen ist die Retroszene in den letzten Jahren deutlich gewachsen und sicher auch "professioneller" geworden. Mittlerweile gibt es auch hier in Deutschland verschiedene Zeitschriften, unzählige Bücher und sogar die Sendung Telespiel bei Giga, die sich alle mit dem Thema beschäftigen und natürlich auch ein Interesse wecken können. Zum anderen versucht die Industrie selber, in der letzten Zeit verstärkt die eigene Geschichte zu vermarkten. Erwähnt seien hier z.B. die Nintendo-Ausstellung, die vor einiger Zeit in Koblenz stattfand, die Virtual Console für die Wii und die immer zahlreicher veröffentlichten Retrosammlungen für neue Systeme.

Q: Stimmt, Retrosammlungen gab es schon vor langer Zeit. Auf dem SNES erschien mit William's Arcade Greatest Hits ja beispielsweise eine Compilation mit Adaptionen erfolgreicher Spielhallenklassiker. Insofern würde dies nur unterstützen, dass das Interesse der Spieler an vergangenen Spielegenerationen schon immer bestand. Welche Ära hast du denn am intensivsten miterlebt? Welche Konsolen oder Computer haben Dich am meisten geprägt? Müssen wir dich eher in die Rubrik C64-Veteran einordnen (ähnlich wie in Gilles' "Extraleben") oder kam dein Interesse erst später auf?

A: Das erste Spiel habe ich Ende der 70er als Vier- oder Fünfjähriger bei Verwandten gespielt. Es war Pong und ich war sofort davon überzeugt, so eine Konsole haben zu müssen. Meine Eltern sahen das aber leider anders. Danach wurde bei Freunden zunächst Atari VCS gezockt. Besonders angetan hatte es uns Imagics Riddle Of The Sphinx. Was sich mir aber, nachdem ich mir das Spiel vor einiger Zeit gekauft habe, nicht mehr ganz erschließt. Anschliessend kam der C64 (wieder nur zu Freunden) und wir haben natürlich alles ausprobiert, was die Schulhöfe hergaben. Irgendwann hatte ich meine Eltern auch so weit und ich bekam einen Commodore, leider einen C16... Danach waren erst einmal ein paar andere Dinge wichtiger. Am intensivsten miterlebt habe ich dann von den alten Zeiten die 16-Bit-Ära, den "Konsolen-Krieg" zwischen Sega und Nintendo. Wir hatten im Freundeskreis beide Konsolen und haben beide intensiv bespielt, uns diverse Zeitschriften gekauft, regelmässig neue Spiele in Vidotheken ausgeliehen und mit einer unendlichen Geduld versucht, auch noch die letzten im Boden versteckten Bananen in Donkey Kong Country zu finden. Seitdem habe ich mir jede neue Nintendo-Konsole gekauft und 1999 so langsam angefangen, alte Konsolen zu sammeln.

Q: Dann kann man dich ja schon als Veteranen der ersten Stunde betrachten. Du hast die 16 Bit-Ära angesprochen. Diese Epoche scheint aktuell auch am dominantestem auf der Retroschiene zu sein, speziell zum SNES explodieren bei ebay die Preise ja geradezu momentan. Aber wenn du uns schon so eine Vorlage gibst, verrat uns doch mal Deine Top 5 - Spiele fürs Super Nintendo...

A: Ja, die SNES-Preise sind zur Zeit wirklich nicht mehr schön, das ist aber leider nicht nur bei eBay so, auch auf Börsen und Trödelmärkten ist eigentlich kaum preiswerter Nachschub zu bekommen. Ich sammle zur Zeit deshalb hauptsächlich Mega-Drive-Spiele, da hat der Wahnsinn noch nicht Einzug gehalten. Meine SNES Top 5 (wobei fünf ganz schön wenig sind):

  1. Donkey Kong Country 1-3
  2. Mario Kart (zu zweit)
  3. Firemen
  4. Zombies / Ghoul Patrol
  5. Rock'n'Roll Racing

Q: Da ist ja schon der ein oder andere Geheimtip bei. Hast du dich in den 16Bit-Zeiten mehr als Nintendo-Fan oder als Sega-Anhänger verstanden? Beides war damals ja schier unmöglich. Anders als heute, wo Mario und Sonic olympisch gemeinsam antreten.

A: Damals war ich eher Nintendo-Fan, wobei ich mich an dem Konsolen-Krieg nicht aktiv beteiligt habe. Wie gesagt, es gab im Freundeskreis auch einen Mega Drive und da wurde dann eben Sonic, Ecco und eine Reihe von Spielen, die es für beide System gab (Micro Machines, Zombies, etc.) gespielt. Ja, Mario und Sonic in einem Spiel, wer hätte das für möglich gehalten? Wobei mir eigentlich Sonics Auftritt bei Smash Brothers Brawl fast noch besser gefällt: Die ideale Möglichkeit, die Differenzen von damals "zu klären".

Q: Die wichtigste Frage hast du ja schon als erstes beantwortet: Wir wissen jetzt, dass es 2009 wieder eine Retrobörse gibt. Werden wir dich im Zuge der PR-Aktivitäten auch wieder bei GIGA sehen?

A: Für die Bekanntheit der Börse und als Werbung waren unsere drei Auftritte bei Telespiel natürlich sehr gut. Ob wir das wiederholen können, hängt natürlich weniger von uns ab, aber wenn wir die Chance bekommen, die Retrobörse wieder über GIGA zu promoten, werden wir sicher nicht nein sagen. Die nächste Börse findet übrigens nicht 2009 statt, sondern schon in diesem Herbst. Unsere Freunde von www.retrogames.info veranstalten dieses Jahr in Karlsruhe die Eurocon und am 11.10. wird es dann in Kooperation die nächste Börse geben. Der Ort ist das ZKM in Karlsruhe, alles weitere werden wir in den nächsten Wochen ankündigen.

Q: Ich bin sicher, dass ihr damit in Süddeutschland viele Fans gewinnen werdet. Obwohl - wenn das Promoten weiter so gut läuft, müsst ihr bald größere Messehallen anmieten... Erzähl uns doch noch kurz etwas über deine Tätigkeit bei Digital Press.

A: Ich habe 2004 angefangen, für den DP-Guide zu arbeiten. Ich hatte die Arcadia-2001-Sektion durchgeschaut und ein paar Fehler gefunden. Das habe ich Joe Santulli, dem Herausgeber des Buches geschrieben und er war gerade auf der Suche nach einem Nachfolger für Ward Shrake. Der hatte die Konsole vorher betreut, sich aber aus dem Hobby zurückgezogen. Der Reiz des Arcadia-Systems besteht darin, dass es in vielen Ländern unter unterschiedlichem Namen veröffentlicht wurde und viele Varianten nur Rom-Kompatibel sind, aber komplett unterschiedlich aussehen und auch verschiedene Modulformen haben. Insgesamt sind zwischen 1980 und 1985 nur etwas mehr als 50 Spiele veröffentlicht worden, diese dann aber in unzähligen Varianten. In Deutschland wurde das System unter anderem als Tele Fever, Schmid TVG 2000, Hanimex HMG 2650, Palladium Video Computer Game und Poppy mpt-03 veröffentlicht. Meine Aufgabe bei DP besteht im wesentlichen darin, Listen von Spielen zu erstellen und denen dann Rarität und Preis zuzuordnen. Das funktioniert zum einen über ebay (zum Glück automatisiert) sowie andere Online-Auktionen und zum anderen über das Lesen von Foren, Besuchen von Trödelmärkten, Börsen, etc. Mittlerweile betreue ich auch noch die Channel-F-Sektion (in Deutschland unter anderem als Videoplay von Saba auf den Markt gebracht). Eine neue Version des Guides wird es hoffentlich dieses Jahr geben.

Q: Jens, vielen Dank für deine Zeit und weiterhin viel Erfolg für all eure Projekte!

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