Geschrieben von: Christian · 17. November 2010 · Kategorie: Shooter

bewertungskasten_sstvSmash_TV_U002_thumbWir schreiben das Jahr 1999. Die Fernsehsender haben die Sehgewohnheiten ihrer Zuschauer stark beeinflusst. Gewalt beherrscht die Bildschirme. Größter Quotenbringer ist die Gameshow SMASH TV, bei der es für die Mitspieler um den höchsten aller Preise geht: Ihr Leben. Einer oder zwei Kandidaten werden schwer bewaffnet in eine geschlossene Arena geschickt, wo sie vor Studiopublikum und Millionen weltweiter Fernsehzuschauer gegen menschliche und unmenschliche Gegner antreten müssen. Das Geld und die zahllosen Preise, die sie einsammeln, macht sie zum SMASH TV Grand Champion. Es sei denn, sie bezahlen die zahllosen blutigen Duelle mit ihrem Leben.

Super Smash TV wird aus der klassischen Draufsicht gespielt. Nach einer pompösen Präsentation im Pixel-Fernsehstudio werdet Ihr ohne große Umschweife direkt in die erste Arena geschickt. Die Arenen bestehen aus mehreren Räumen, in irgendeinem der hinteren Räume versteckt sich jeweils ein Endgegner. Wer einen Umweg gehen möchte, kann sich in den Arenen auch kurz die Bonusräume anschauen. Insgesamt gibt es vier immer größer werdende Arenen. Die einzelnen Räume einer Arena sind jeweils so groß wie Euer Screen. Das heißt, dass es bei Super Smash TV nur dann Scrolling gibt, wenn von einem Raum zum nächsten umgeschaltet wird.

Die Steuerung verwirrt zunächst. Per Fadenkreuz wird Euer Alter Ego bewegt, mit den Feuertasten schießt Ihr Eure Waffen entsprechend der Tastenanordnung auf dem Gamepad ab. Will heißen: Mit A feuert Ihr nach rechts, mit Y nach links, mit B nach unten und mit X nach oben. Diagonales Feuern ist durch Kombination zweier Tasten ebenfalls möglich. Klingt umständlich? Mag sein, jedoch geht das alles nach ein paar Runden wunderbar von der Hand. Einzigartig blieb diese Steuerungsmethode übrigens auch nicht; bereits 1996 setzte Konami in seinem PSX-Titel "Project Overkill" wieder auf eine solche Methodik.

In den ersten Raum losgelassen, staunt Ihr nicht schlecht. Schon nach wenigen Sekunden wird der Screen von haufenweisen baseballschlägerschwingenden Mutanten überrollt, die Euch an den Kragen wollen. Hier hilft nur das blinde Ballern in die schiere Masse. Und dann wird man sehen, dass auch dieses Spiel einen kleinen Gore-Faktor zu bieten hat. Gegner zerplatzen in einer kleinen blutigen Fontäne, kurze Schmerzensschreie füllen den Raum. Auch deswegen wurde das Spiel übrigens seinerzeit in Deutschland indiziert - allerdings hat wohl die moralisch fragwürdige Story dazu beigetragen. Habt Ihr einen Raum von Gegnern gesäubert, werdet Ihr in den nächsten gelassen. Manchmal könnt Ihr auch zwischen mehreren Alternativen wählen. In jedem Fall werdet Ihr aber immer wieder aufs Neue von einer riesigen Masse an Gegnern überrollt, die sich später auch aus Androiden, Drohnen, Mutanten und präzise feuernden Scharfschützen zusammensetzen.

Hier ist jetzt auch das Kernproblem das Spiels zu erkennen: Dadurch, dass Ihr beim ersten Treffer das Zeitliche segnet und Euch ständig in einem nahezu undurchschaubaren Gewühl aus Gegnern und gegnerischen Kugeln aufhaltet, sind anfangs die fünf verfügbaren Leben schnell aufgebraucht. Zwar kommt man mit Training nach und nach ein Stückchen weiter, aber der Schwierigkeitsgrad ist trotz allem knüppelhart! Um nicht ganz chancenlos dazustehen, sammelt Ihr während des Kampfes Powerups für Waffen, Extraleben und jede Menge Geld ein. Das bringt zusätzliche Punkte, und wer genug hat, darf Smash_TV_U004_thumbSmash_TV_U005_thumbvielleicht auf ein Extraleben hoffen ... . Apropos Geld. Während Eures Spiels vergesst Ihr nicht, dass Ihr Euch in einer Gameshow befindet. In manchen Räumen findet Ihr dezent plazierte Werbung für fiktive Videorecorder und Luxusautos. Ab und zu wird in einem kleinen Monitor der Moderater der Gameshow eingeblendet, der Euch dann in gut verständlicher Sprachausgabe meist wenig Hilfreiches mit auf den Weg gibt ("Good Luck - You'll Need It!").

Und sowieso ist die Gegnerschar in diesem Spiel völlig abgedreht. Vor allem die Endgegner! Wer sich bis ans Ende der ersten Arena durchgekämpft hat, den erwartet eine haushohe Mutation aus Panzer und Mensch. Allerdings durchläuft die unter Eurem Dauerbeschuss fünf oder sechs verschiedene Stadien, bevor sie den Löffel abgibt. Grafisch bietet das Spiel unterdurchschnittliches. Die starre Vogelperspektive bietet nur notwendige Details, die Gegnermassen sind vielfach ähnlich bis gleich gestaltet. Einige drollige Effekte beim Abfeuern bestimmter Waffen, ansonsten bietet das Spiel erhöhtes 8 Bit-Niveau. Nicht so beim Sound: Die krachenden Waffensounds kommen ebenso gut rüber wie die überraschend klaren Sprachsamples. Bleibt die Frage nach dem Spaß. Den gibts bei dem Spiel durchaus. Allerdings profitiert Super Smash TV von dem typischen Motivationsfaktor eines Arcadetitels: Wenn man schon mal Game Over ist, dann ist man erst recht zu einem neuen Versuch angestachelt, es neu anzugehen. Der beinharte Schwierigkeitsgrad vergrätzt allerdings manch einen relativ fix. Wer das hektische und knochenharte Geschehen alleine nicht bewältigen kann, der darf jemand zu Hilfe nehmen. Im Zweispielermodus ist Super Smash TV eine Gaudi. Es macht einfach Spaß, mit Volldampf gemeinsam durch die Gegnermassen zu pflügen - zumal zwei Spieler einfach eine höhere Gewinnchance gegen die Konsole haben.

Fazit des Autors - ChristianSuper Smash TV ist ein vom Prinzip her simples Actionspiel mit einer etwas anderen Steuerung. Die Technik des Spiels ist dürftig bis solide, der üble Schwierigkeitsgrad versaut das Gameplay ein wenig. Allerdings sammelt der Titel in Sachen Atmosphäre und Design Pluspunkte: Das Game macht mit zunehmender Spieldauer einen immer freakigeren und abgefahreneren Eindruck, spätestens bei den Endgegnern zweifelt man am Geisteszustand der Programmierer. Die eingestreuten Sprachsamples tun ihr übriges zum TV-Feeling. Super Smash TV ist sicherlich keine Actionperle, aber ein Spiel, das man einfach mal gesehen haben muss - weil es so schön abgedreht ist. Und für 'ne Viertelstunde Frust rauslassen taugt das Modul allemal.