Geschrieben von: Moi-Même · 24. Juli 2012 · Kategorie: Shooter

Scoreboard WildGuns BommelchenWild Guns.a01 sDer Wilde Westen - welch eine turbulente Epoche amerikanischer Zeitgeschichte. Der Pioniers-Alltag in jener ungezähmten Prärie hinter'm Mississippi: Staubige Straßen, raue Umgangstöne, scheußlich bleihaltige Luft und selbstverständlich Unmengen alles und jeden terminierender Roboter. Sekunde. Wie jetzt, in meiner Aussage stimmt etwas nicht? Da liegt wohl ein Irrtum vor - wir befinden uns ja nicht im realen Leben, sondern im Wilden Westen des SNES-Shooters »Wild Guns«. Also alles völlig normal, denn in diesem Spiel laufen uns zumeist Blechhaufen vor die gut durchgeladene Flinte.

Natürlich ist Selbstverteidigung bereits mehr als nur ein triftiger Grund um all die aggressiven Roboterganoven zurückzuschlagen. Das allein fand Natsume aber anscheinend zu unoriginell, deshalb ließ man kurzerhand die Familie der Westernlady Annie ins Gras beißen und erklärte Wild Guns in der Folge zum Rachefeldzug, den der Spieler wahlweise als Hinterbliebene oder als Revolverheld Flint bestreiten kann. Im Prinzip aber auch egal, die Story steht quasi nur in der Anleitung. Alles läuft letztlich eh auf dasselbe hinaus: Es muss zünftig geballert werden!!

Wild Guns.a02 s…Und das nicht zu knapp. Insgesamt sechs Level mit jeweils zwei Abschnitten und einem Boss warten darauf, vom Spieler zersiebt zu werden. Das Spiel erfolgt in der Third-Person-Ansicht: Man blickt dem Protagonisten über die Schulter, wobei die Kameraperspektive stets vorgegeben ist, wenn man davon absieht, dass der Bildschirm ein wenig zur Seite scrollen kann. Als Waffen stehen dem Spieler eine per Power-Up aufrüstbare Schusswaffe sowie eine Hosentasche voller bildschirmsäubernder Smartbombs zur Verfügung. Das Ausweichen wird durch einen Doppelsprung oder eine Sprungrolle ermöglicht. Ein besonderer Move ist ferner noch das Lasso, welches jeden Fiesling - sogar Endgegner - für kurze Zeit bewegungsunfähig macht, eine oft spielentscheidende Fertigkeit. Die Eingabemöglichkeiten sind somit umfangreich genug für eine komplexe Spielmechanik und zugleich simpel genug, um das Spiel schnell zu erlernen. Arcadestyle!! Richtig spaßig ist auch, dass man nicht nur die Gegner wegfegen, sondern auch weite Teile der Levels zerballern kann, um so einige versteckte Boni freizulegen. Wild Guns spielt sich „wie aus einen Guss“ und beweist dabei erstaunlich viel Liebe zum Detail in Sachen Leveldesign.

Wild Guns.a03 sAll die verschiedenen Gegnertypen mit ihren raffinierten Formationen halten den Spieler beim Zocken nonstop außer Atem. Selbst auf „easy“ steigt der Adrenalinpegel spätestens beim ersten Endgegner in Sekundenbruchteilen in die Höhe! Die verfügbaren Leben sind überaus begrenzt - und der Kugelhagel lässt dem Spieler quasi nie Zeit zum Verharren. Und wie sollte es anders sein, ein einziger Treffer tötet mit sofortiger Wirkung. Immerhin sorgen unendlich Continues, reichlich eingestreute, unterschiedliche Waffenupgrades, ein aufladbarer Napalmschuss oder die bereits erwähnten Smartbombs für ein wenig Fairness im knallharten Wild-West-Geballer. Nach dem Abschluss des ersten Levels kann außerdem die Abschnittreihenfolge nach eigenem Ermessen frei gewählt werden. Nichtsdestotrotz ist und bleibt Wild Guns ein äußerst schwieriges Spiel. Wer es zum ersten Mal zockt, der wird sehr rasch feststellen, dass er wohl ersteinmal noch ein bisschen üben muss bevor er dem letzten Endgegner den Apfel vom Kopf knallen kann. Wie auch immer, das ist auch gut so, denn der Spielumfang ist nicht gerade das größte Feature des Spieles. Nach 30 Minuten Daueraction rollen auch schon die Credits über den Bildschirm.

Wild Guns.a04 sDa das Gameplay und die Spielmechanik zum Überleben dieser 30 Minuten nicht nur gelernt, sondern vor allem auch gemeistert werden müssen, vergehen massenhaft Spielstunden, bevor man schließlich über den allerletzten Endboss triumphieren kann. Ein wirklich ausgesprochen gelungener, simultaner (Co-Op-)Multiplayermodus und insgesamt drei Schwierigkeitsgrade sorgen für hinreichend Grund, das Spiel immer wieder in den Modulschacht wandern zu lassen. Auch für die Highscore-Jagd ist das Spiel sehr geeignet. Wild Guns ist einfach äußerst schnell zugängig und „schmeißt“ einen in die Action ohne lange zu fackeln, weshalb ich mich beim Durchblättern meiner Cartridgesammlung immer wieder gern zum Wiederholungs-Cowboy machen lasse. Es ist einfach verdammt schwierig, dieses Spiel *nicht* zu mögen. Die Technik ist an der Faszination des Spiels übrigens auch nicht ganz unschuldig, denn Wild Guns hat ein paar der schönsten Sprites und knackigsten Animationen auf dem SNES zu bieten. Doch spätestens bei den bildschirmfüllenden Endgegnern fällt einem dann zwangsläufig die Kinnlade runter. Spiele ich wirklich gerade auf dem Super Nintendo, oder vielleicht doch auf einem Arcadeautomaten?

Wild Guns.a05 sDie Soundtrack ist mitreißend bis episch und ergänzt die Bildschirmaction nicht nur, sondern fügt sich wie selbstverständlich ins Actionfeuerwerk ein. Das Gleiche gilt auch für die krachenden Soundeffekte. Wir haben hier kurzum einen technisch wahrlich herausragenden Titel vor uns. Wild Guns ist übrigens der einzige „Fixed-View Thirdperson-Shooter“ (ja, das Untergenre gibt es wirklich) auf dem SNES und somit wirklich einzigartig, wenngleich die Idee ursprünglich vom 80er-Arcade-Game »Cabal« kam, und dessen Nachfolger »Blood Bros.« ein verdächtig ähnliches Setting wie Wild Guns aufweist… Doch wen interessieren schon solche Fakten???? Nach ausführlicher Recherche musste ich eh feststellen, dass es Konsolen- wie auch Arcadeautomaten-übergreifend nicht mehr als eine Handvoll Spiele dieser Machart gibt, und dass, nunja … Wild Guns wirklich mit Abstand das Beste von allen ist!!! Kein Witz - ihr könnt mir gerne eine Mail schreiben - dann schicke ich euch eine Titel-Liste zum vergleichen. Dieses Spiel ist der „König seines Genres“. Und theoretisch kann ich es selber kaum glauben, dass Wild Guns eine so herausragende Qualität abliefert. Es haben nämlich nur 5 Entwickler an dem Spiel gearbeitet. Hut ab!

Fazit des Autors - ChronoMoogleWild Guns ist geladen und entsichert. Drückt den Abzug, und dann gibt es kein zurück mehr! Dieses Spiel fesselt ohne Ende, fordert den Spieler auf fairem Level und ist schlichtweg eines der besten Actionspiele auf dem Super Nintendo. Überzeugt euch selbst!