
Erinnert sich noch jemand an "Links Adventure" auf dem NES? ... Das schwarze Schaf der Zelda-Reihe? Immer wieder versuchen Fans der Serie, das Spiel gut zu reden. Aber mal ehrlich, es war mittelmässig und ist so schlecht gealtert, dass man es heute beruhigt als mangelhaft bezeichnen kann. An sich hatte dieser Titel ja sehr viel Potential, immerhin brachte er neue RPG- und Platforming-Elemente in die Serie. Trotzdem ist das Spiel auf Grund des unausgereiften Gameplays und dem unfairen Schwierigkeitsgrad alles andere als ein Bringer.
Ich erzähle euch dies, weil das hier behandelte Spiel in vielerlei Hinsicht dem zweiten Teil der Zelda-Saga ähnelt. Dadurch dürften die meisten von euch schonmal eine grobe Vorstellung haben. Das Spiel heißt Bushi Seiryuuden - Futari no Yuusha, was frei übersetzt so viel wie "Kämpfer der Legende über den Blauen Drachen - Die zwei Helden" bedeutet. Entwickelt wurde es von Game Freak. Ihr wisst schon, die Typen mit den Taschenmonstern! Zu tun haben wir es mit einem Action-RPG. Oder doch einem Taktik-RPG? Irgendwas dazwischen. Und es ist wie gesagt Links Adventure verdammt ähnlich. Die Fragezeichen über dem Kopf häufen sich? Okay okay, ich komme ja nun zum Spiel, bevor ich noch mehr Verwirrung stifte.
Zu Beginn des Spieles bekommen wir zunächst einmal die epische Schöpfungsgeschichte vorgesetzt. Drei Götter schufen einst die Erde, die Kontinente, das Wasser, die Menschen und alles Leben was eben überall so rumwuselt. Die Völker lebten in Frieden und die drei Götter begaben sich fortan als Reinkarnation in menschlichen Körpern auf die Welt um über diese zu wachen. Den zweiten Schöpfer, den Ocean God, überkam jedoch ein böser Machthunger. Er wurde es leid, die Macht über die Erde teilen und als stiller Wächter fungieren zu müssen. Als Konsequenz beschwörte er einen mächtigen Turm aus der See, aus dem seither schreckliche Dämonen stürmen, die in seinem Namen Angst und Schrecken verbreiten. Unser Held ahnt von den Gründen für die immer zahlreicher werdenden Monster noch nichts, aber als er auf einem Streifzug ein seltsames, fliegendes Wollknäuel namens Wokuu findet und erfährt, dass seine Schwester von den Schergen des Ocean Gods entführt wurde, platzt ihm total der Kragen. Natürlich beschließt er seine Schwester zu retten (Zelda, irgendwer?!). Gemeinsam mit Wokuu geht's also sogleich auf zu ganz großen Taten!
Das Interface ist schnell erklärt: Ihr lauft (ähnlich wie in Links Adventure) in der isometrischen Perspektive durch die japanisch-feudalistisch angehauchte Welt. Sobald ihr einen Dungeon betretet oder es zum Kampf kommt, wechselt das Spiel zur seitlichen Platformer-Perspektive. Innerhalb dieser beiden Spielansichten ist das Gameplay bis zum letzten ausgereizt, soll heissen, wirklich jede Taste ist mit einem Befehl belegt. Doch keine Sorge, die unterschiedlichen Fertigkeiten und Attacken erhält der Spieler erst im Spielverlauf und die Lernkurve des Spiels ist sehr fair angelegt. So erlernt der Held im Laufe der Zeit, ein Nachtlager aufzuschlagen, bekommt neue Schlagtechniken für sein Schwert, und spricht mit Hilfe seiner Items besondere Zauber aus. Es lohnt sich auch oft, mit neuen Fertigkeiten und Items alte Gebiete neu zu erkunden um neue Dinge zu entdecken. Durch das Sammeln von Erfahrungspunkten und das Finden sogenannter Tränensteine lassen sich zudem die Attribute des Helden verbessern. Eure Begleiterin Wokuu kann euch ebenfalls mit allerlei nützlichen Fertigkeiten zur Seite stehen, die nach und nach gelernt werden, indem sie in magischen Quellen badet.
Bushi Seiryuuden bedient sich also aller Elemente, die Action-Adventures und RPGs interessant machen. Und das äußerst erfolgreich: Die Kämpfe sind durch das Levelsystem motivierender, ja, belohnender; auf der Oberwelt und in den rätselgespickten Dungeons lädt Adventure-Feeling zum Erforschen ein. Als Sahnehäubchen auf dem Genremix hat das Spiel ferner eine Portion Taktik spendiert bekommen: Jede Aktion des Helden wird im Kampf runtergezählt. Zu Anfang des Kampfes wird mitgeteilt, welche Aktionszahl zum Besiegen aller Gegner unterboten werden soll. Schafft man dies, so winken neben Bonus-EXP auch Ying & Yang-Edelsteine, mittels derer man am Ende den Turm des Ocean Gods zerstören kann. Eine gewisse Anzahl braucht man für das normale Ending, wer allerdings das beste Ending zu Gesicht bekommen möchte, muss quasi auf "Highscorejagd" gehen. Die taktische Note des Kampfsystems nimmt dem Spiel übrigens keinerlei Spielfluss, es fühlt sich immer noch actionbasiert an. Da die Gegner außerdem nur agieren, wenn der Spieler selbst eine Aktion ausführt, bleibt immer Zeit, seine Schritte sorgfältig zu planen.
Das alles mag zunächst leicht gewöhnungsbedürftig klingen und genau das ist Bushi Seiryuuden letztendlich auch, da eben kaum vergleichbare Spiele existieren. Aber auf den zweiten Blick und nach kurzer Eingewöhnungsphase geben die kleinen Taktikelemente dem Spiel in Wahrheit erst seinen Tiefgang. Ein Tiefgang, der sich tatsächlich sogar schon nach kürzester Zeit als herrlich intuitiv herausstellt. Diverse kleine Rätsel in den Dungeons und Konversationen mit NPCs in der Ego-Perspektive geben dem Ganzen dann noch die letzte Würze und sorgen für eine runde Gesamtpräsentation. Meiner Meinung nach ein wirklich grandioses Spielsystem, welches deutlich fairer, motivierender und vor allem nicht so schrecklich ungenau ist wie viele es von dem zweiten Teil der Zelda-Saga kennen. Das Spiel steckt voller genialer Details, wie einer Liste mit allen Gegnerhighscores, einem genial inszenierten Bossfight am Ende eines jeden Kapitels und eine Karte, die euch jederzeit anzeigt, ob ihr in einem Gebiet bereits alle Geheimnisse gefunden habt oder nicht. Alles in allem wirken das Gameplay und das Spielprinzip einfach sehr ausgereift.
Bleiben zuletzt noch ein paar Worte zur Technik offen. Ausgereift ist vor allem auch die Optik von Bushi Seiryuuden: Hübsch gepixelte Sprites, bunte, detailreiche Spielgrafiken und geniale grafische Spielereien verwöhnen das Auge. Als Beispiel für die grafische Verspieltheit des Titels nenne ich mal die Fußstapfen im Winterkapitel, die der Held nach jeden Schritt hinterlässt. Diese verschwinden erst wieder, wenn er ein Gebiet verlässt. Oder die Warpanimation des Helden, in der er sich in einzelne Pixel auflöst. Ich könnte jetzt noch ewig so weitermachen: Die Mode 7-Grafikeffekte, eine breite Farbpalette, die Transparenzen und erstaunlich guten Animationen kitzeln fast das Maximum an grafischer Leistung aus dem Super Nintendo heraus. Kurz: Die Grafik von Bushi Seiryuuden ist einfach bombastisch gut. Ein eher ernüchternder Kritikpunkt ist hingegen die Musik, die zwar ein paar schöne Kompositionen aus dem Ärmel schüttelt, größtenteils aber nur minimalistisch und zweckmässig ist. Leider nicht im positiven Sinne, denn Action-Adventure- und RPG-Freunde sind normalerweise musikalische Pflastersteine in ihrem Genre gewohnt.
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