Geschrieben von: Moi-Même · 12. Dezember 2010 · Kategorie: Strategie

bewertungskasten_cannon_fodder_ohne_sterncannonfoddere031png_thumbCannon Fodder dürfte mit eines der bekanntesten Spiele von Sensible Software sein, welche besonders berühmt für die Sensible Soccer-Reihe war, wo man mittels der Draufsichtperspektive und witzigen, runden Figuren eine durchaus bemerkenswerte Fußballsimulation erschaffen hatte. Beim ersten Hinsehen wird man bei Cannon Fodder sofort an diese putzigen Männchen erinnert, wobei Cannon Fodder rein gar nichts mit Fußball am Hut hat. Erschienen ist das Spiel 1993 und irgendwie schien es zum damaligen Zeitpunkt nicht richtig in eines der bekannten Genre zu passen. Das Genre der Echzeitstrategie war damals noch nicht so sehr ausgeprägt wie es heute der Fall ist, selbst die Worms-Spiele wurden erst später releast.

Der erste wichtige Punkt des Spiels ist Action: Der Spieler muss mit seinem kleinen Soldatentrupp alle Feinde eliminieren. In der ersten Mission geht das noch wunderbar einfach, denn die Gegner verfügen nur über eine marginale Bewaffnung und die eigenen kleinen Soldatenmännchen töten sie problemlos. Ebenfalls zum Action-Genre passt, dass das Spiel Gewalt exzessiv darstellt. Um cannonfoddere022png_thumbgegnerische Soldaten bilden sich Blutpfützen und es ist möglich, die bereits toten Gegner weiter anzuschießen und somit ihre toten Körper quer über den Bildschirm zu verstreuen. All dies wird jedoch stets mit einem zwinkernden Auge präsentiert. Durch die niedliche Grafik und die noch viel niedlicheren verpixelten Männchen wirkt diese extreme Übertreibung viel mehr wie eine Satire oder Persiflage auf andere Strategietitel.

Cannon Fodder ist wahrlich ein Echtzeitstrategiespiel. Strategie ist das A und O.  Während sich die erste Mission noch problemlos und ohne viel nachzudenken schaffen lässt, wird dem Spieler schon sehr bald klar, dass er hier mit unüberlegtem Vorgehen falsch am Platz ist. Hier müssen Handgranaten, Bazookas und Sturmgewehre taktisch geschickt eingesetzt werden um die Gegner zu Fehlern zu zwingen oder diese aus ihrer Deckung hervorzulocken. Oft hilft euch dabei eine gewisse Taktik, die dem Titel wohl ihren Namen gegeben hat: So manches mal kann es von Vorteil sein, einen Soldaten zu opfern, damit „wertvollere“ Kameraden seine Stellung einnehmen können. Die kleinen grünen Soldaten wachsen einem während der Missionen so sehr ans Herz, dass man sie nur ungern opfert. Man nimmt sie nämlich über die Missionen mit und kann sich später noch genau erinnern, wie der eine die Stellung vor zwei Missionen übernommen hat.

cannonfoddere021png_thumbDer Schutz der eigenen Soldaten gelingt immer seltener, denn die Entwickler haben ein paar wirklich schwierige Missionen zusammengestellt und so wird ist es teilweise sehr frustrierend eine Mission immer wieder und wieder spielen zu müssen. Speichern kann man das Spiel während einer Mission nicht, jedoch endet es auch nicht nach einem fehlgeschlagenen Versuch. Denn bei jeder geschafften Mission stehen zusätzliche neue Rekruten zur Verfügung, die gerne ins Team aufgenommen werden möchten. Mit der Zeit bildet sich eine richtig lange Schlange von Rekruten, die aber bei besonders harten Missionen auch sehr schnell wieder kleiner wird.

Das Spiel lässt sich sowohl mit dem Controller als auch mit einer extra für den SNES entworfenen Maus spielen. Der Steuerung mit der Maus dürfte in diesem Fall wohl der Vorzug zu gewähren sein: Linksklick bedeutet, dass sich der Trupp bewegen soll, Rechtsklick bedeutet schießen und ein gleichzeitiges Klicken beider Tasten bedeutet das Benutzen der aktuell ausgewählten Spezialwaffe wie Bazooka oder Handgranate.

cannonfoddere030png_thumbDass die Missionen abwechslungsreich bleiben liegt außerdem auch daran, dass immer wieder schwierige taktische Positionen erstürmt werden müssen und man teilweise verschiedene Vorgehensweisen in Betracht ziehen muss, die auch Wagen, Standgeschütze und allerlei anderes Kriegsmaterial beinhalten. Je nach Situation mag man sich beispielsweise fragen, ob man nun lieber den direkten Vorstoß durch die Mitte wagt oder ob es klüger wäre, zunächst die MG-Stellung an der Flanke zu erobern um diese dann gegen den Feind einzusetzen. In einigen Missionen muss zusätzlich die Zivilbevölkerung beschützt werden, was erst recht große Probleme mit sich bringt.

An der Grafik gibt es nichts auszusetzen. Der lustige, augenzwinkernde Charme des Spiels hat es bis in die Grafik geschafft und der für Sensible Software typische Stil kann gefallen. In einigen Missionen wurde sogar Gebrauch von einer dritten Dimension gemacht, dies aber nur um die Spielkarte zu teilen. So muss man an einem Militärlager vorbeikommen und einen Wasserfall hinunterkommen. Wenn man einfach springt, stirbt man, also ist es notwendig einen Wagen zu bekommen, hinunterzuspringen und sobald er gelandet ist, so schnell wie möglich rausklettern und wegschwimmen, um von der nachfolgenden Wagenexplosion nicht getötet zu werden. In solchen Momenten ist auch das Genre des Geschicklichkeitsspieles mehr als passend um Cannon Fodder zu beschreiben.

Zum Sound kann man nicht viel sagen, denn es gibt viel zu wenige Melodien. Allerdings passen diese gut zu den einzelnen Abschnitten. Das eigene Waffenfeuer ist ohrenbetäubend laut, die typischen "Aaaahhh"- und "Oooohhh"-Laute der Gegner klingen sehr passend und irgendwie wurde einfach eine richtig tolle Platoon-Atmosphäre aufgebaut. Allerdings muss auch hier wieder stets dieses gewisse Augenzwinkern angemerkt sein, welches die Entwickler wohl während der ganzen Programmierung im Sinn hatten.

Fazit des Autors - RuneIch kann Cannon Fodder eigentlich nur empfehlen, denn das Spiel macht Spaß, die Soldaten wachsen einem ans Herz und der Umfang stimmt. Leider ist der Schwierigkeitsgrad etwas hoch, dennoch sollte man es sich unbedingt aneignen, denn es ist einfach ein muss für jeden SNES Besitzer.

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