Geschrieben von: Moi-Même · 10. Mai 2011 · Kategorie: Puzzle

bewertungskasten_tetris_attack_ohne_sterntetrisattack001png_thumbDas Puzzlespiel - ein unterschätztes Genre. Viele Spieler sehen es als langweilige Repetition einer endlosen Anzahl von Tetris-Klonen. Letztendlich muss fast immer etwas aufgelöst und verbunden werden. Tiefer wollen die meisten in der Regel nicht blicken. Auch, dass das Puzzle Genre solche genialen Variationen wie Puyu Pop, Puzzle Bobble oder Panel de Pon hervorgebracht hat, wird gerne übersehen. Spätestens aber, wenn man sich der Materie zuwendet und sich wirklich mit den Spielen beschäftigt, merkt man schnell, dass das Genre wandlungsfähiger ist, als man denkt.

Dieses Review handelt natürlich von Tetris Attack, wie ihr sicher alle schon an  der Überschrift erkennen konntet. Kommen wir also zum Punkt und schauen wir uns doch mal an, wie das Gameplay von Tetris Attack so aussieht. In einem Puzzler ist eine eigene Idee für das Spielsystem schon mal sehr von Vorteil, und die bietet euch Tetris Attack. Obwohl das Spiel den Titel des bekannten Genrebegründers in sich trägt, hat es erstaunlich wenig mit dessen Spielprinzip gemein. Euch fallen nicht etwa Puzzlestücke von oben herab, die in durchgängige Reihen gestapelt werden müssen - nein, stattdessen rücken von unten unnachgiebig bunte Steine nach.

tetrisattack005png_thumbDabei steuert der Spieler einen Cursor, der jeweils zwei horizontal zueinander liegende Blöcke anwählen und diese miteinander vertauschen kann. Schafft ihr es auf diese Weise, drei oder mehr Blöcke derselben Farbe zusammenzuschieben, lösen sie sich auf. Während sich die Blöcke auflösen, Rücken von unten keine neuen mehr nach. Schafft man es, mehr als drei Blöcke aufzulösen, gibt es sogar einen kurzen Stopp oben drauf, der euch etwas Zeit für die nächste Auflösung verschafft. Sind die meisten Blöcke aufgelöst und kaum noch Möglichkeiten für Kombinationen möglich, so lässt sich das Ansteigen der Blöcke durch die Schultertasten beschleunigen. Berühren allerdings die angestiegenen Blöcke für eine zu lange Zeit den oberen Bildschirmrand, so ist das Spiel verloren. Mit der Zeit steigen die Blöcke immer schneller an und ohne Combos wird das Überleben zunehmend schwieriger. Erfreulicherweise spielt sich das ganze recht flott und man hat nie das Gefühl, das Spiel würde dem Spieler Limitierungen durch die Steuerung aufzwingen. Das Gameplay ist letztlich schnell erlernt und erlaubt einen flotten Einstieg für Neulinge.

tetrisattack018png_thumbDoch wer wirklich gut in Tetris Attack werden möchte, muss sich erst mit dem einen weiteren Punkt auseinander setzen, der gute Puzzle Spiele ausmacht: dem Combosystem. Denn in genau diesem liegt die Würze dieses Genres. Wer bei Tetris Attack intelligent ordnet, schnell reagiert und Möglichkeiten erkennt, wird belohnt. Wodurch auch das Streben nach immer besserer Beherrschung des Gameplays einen wesentlichen Punkt beim Zocken des Spiels darstellt. Lösen sich zusammengefügte Blöcke auf, so fallen darüber gelegene nach und können beim Auftreffen weitere Kombinationen auslösen, was nicht nur mit einer hohen Anzahl von Punkten belohnt wird, sondern auch mit einer längeren Stoppzeit. Während der Auflösungsprozesse lassen sich immer noch weiter Blöcke verschieben und wer Übung hat, kann die Combo stark verlängern und erstaunlich gute Ergebnisse erzielen. Satellaview-Kennern könnte an dieser Stelle auffallen: Exakt das gleiche System hatte bereits der Vorgänger „Panel de Pon“. Dieser erschien allerdings lediglich in Japan und war noch dazu nur als Downloadspiel erhältlich.

tetrisattack019png_thumbTetris Attack wurde hingegen nicht nur im Westen lokalisiert, sondern ist Panel de Pon gegenüber auch in Punkto Vielseitigkeit vorzugswürdig. Das liegt daran, dass Tetris Attack im Prinzip kein wirklicher Nachfolger, sondern eigentlich nur ein verbessertes Rerelease ist. Für den US-Markt hatte man Panel de Pon den Yoshi-Antrich verpasst und eine Computer-KI hinzugefügt. So kam Tetris Attack zu seinem Aushängeschild: Neben dem obligatorischen Endlosmodus und dem Time-Trial für Highscorespieler findet sich nämlich nun auch ein so genannter „VS Mode für Einzelspieler“, welcher zu Zeiten Panel de Pons noch fehlte und der die Story des Spieles erzählt. Zur Handlung muss man natürlich nicht wirklich viel sagen, schließlich ist dies ein Puzzler und kein Rollenspiel. Hier die Kurzform: Yoshi zieht los um seine Freunde zu retten und tritt deshalb gegen besagte, neu hinzugefügte Computergegner an. Deshalb wohl auch der Name „VS Mode“. Auf ihn werde ich im Bezug auf den Multiplayer-Modus noch einmal zu sprechen kommen, da die Mechanismen beider Modi einleuchtender Weise die gleichen sind.

tetrisattack029png_thumbEin weiterer Modus mit Storyelementen nennt sich „Stage Clear“. Hier gilt es, in 30 Stages bis zu einem angezeigten Grenzstreifen alle Blöcke abzubauen. Schafft man es, so rückt man in die nächste Stage vor. Am Ende wartet noch ein Endgegner auf den erfolgreichen Spieler, dem man mit Combos die Lebenspunkte abzieht. Und selbst für Spieler, die gerade keine Lust auf actionreiche Partien haben, hat sich Nintendo etwas einfallen lassen – den Puzzle Mode. Mit einer begrenzten Anzahl von Zügen müssen hier alle Blöcke aufgelöst werden. Mit über 100 Puzzles beweist Tetris Attack in diesem Modus erstaunliche Komplexität und Umfang; alle Puzzles erfordern eine eigene Strategie und bringen das Hirn zum Rauchen. Man kann zusammenfassend sagen, dass Nintendo so ziemlich alles aus dem Spielsystem von Panel de Pon herausgeholt hat und dem Spieler mit insgesamt 6 recht abwechslungsreichen Spielmodi eine große Auswahl an packenden Anspielpunkten gibt. Dies sorgt dafür, dass Tetris Attack selbst auf lange Sicht nicht nur für Multiplayer-Spieler interessant bleibt. Bei weitem keine Selbstverständlichkeit in den meisten Puzzlespielen.

tetrisattack038png_thumbEgal, wie ausgereift der Einzelspielerteil auch sein mag, am Ende ist es immer der Multiplayermodus, der einen Puzzler auf den Olymp hebt. Oder eben auch nicht. Wer auch nur ansatzweise etwas mit Puzzle Games anfangen kann, der wird sich sofort in die Duelle dieses Games verlieben. Anders als in den meisten Einzelspielermodi (vom VS Mode abgesehen) baut man hier nicht nur Steine ab um Zeit zu gewinnen, sondern wirft dem Gegner mit guten Combos auch noch fiese Steinblöcke auf seine Bildschirmhälfte. Solch fiese Gesten heizen beide Kontrahenten in der Regel nach wenigen Minuten so an, dass eine gewisse Lautstärke beim Zocken fast nicht zu vermeiden ist. Hat man sich erstmal eingespielt, wird der gegenseitige Wettstreit immer intensiver und ist an Spaß kaum zu überbieten. Mit einem Kumpel und diesem Spiel kann man im Prinzip die ganze Nacht durchzocken. Wem der Battle-Mode zu angriffslustig ist, der kann sich auch am gemütlichen Punktematch versuchen, wo nach abgelaufener Zeit der höchste Score gewinnt. Nicht ganz so nervenaufreibend, aber gut geeignet zum gemeinsamen Warmzocken vor der richtigen Schlacht.

tetrisattack030png_thumbDer Schwierigkeitsgrad von Tetris Attack tut für das gute Gameplay und die Vielseitigkeit des Titels sein Übriges. Dieser Puzzler verfügt über sage und schreibe hundert Schnelligkeitsstufen, die sich ihrerseits nochmal jeweils in drei Schwierigkeitsgrade umterteilen lassen und zum Beispiel neue Steinfarben zum Spielgeschehen hinzufügen. Während des laufenden Spiels steigt das Schwierigkeitsniveau sowohl durch den Gesamtfortschritt der gewählten Spielart, als auch nach einer gewissen Spieldauer in jeder Runde für sich, automatisch an. In einigen Modi kann der Schwierigkeitsgrad aber auch als Handycap für geübte Spieler bereits im Voraus angehoben werden. So wird vermieden, dass sich ein erfahrener Spieler mit langweiligen Einsteigerrunden rumärgern muss. Kombiniert man die variablen Schwierigkeitsgrade mit dem vielseitigen Combosystem, so hat der geneigte Spieler bei Tetris Attack immer viel Luft nach oben. Stets kann man immer noch ein kleines Stückchen besser werden. Das Spiel bietet somit nicht nur einen leichten Einstieg für Anfänger, sondern auch genügend Herausforderung für absolute Hardcorezocker.

tetrisattack003png_thumbDie Präsentation in Puzzlespielen wird in der Regel ja als eher unwichtig angesehen, so lange das Gameplay stimmt, doch selbst hier zeigt Tetris Attack, wie man ein Spielprinzip durch diesen Punkt sogar noch massiv verbessern kann. Besonders der Sound sticht dabei sofort hervor. Die Soundeffekte sind knackig und die Musik hat massenweise fröhliche Ohrwürmer zu bieten. Hm, fröhlich? Ja! Aber nur so lange ein Spieler nicht in Bedrängnis gerät. Rückt die Wand zu nahe oder das Schwierigkeitslevel ist sehr hoch, so verwandeln sich die fröhlichen Melodien in immer hektischere und bedrohliche Musikstücke, denen man die Zusammengehörigkeit mit den vorherigen Musikstück aber tollerweise immer noch anhört. Eine wahre Meisterleistung in Sachen Komposition und Aufbau von Spielatmosphäre. Selbst die Soundeffekte bleiben nicht gleich - Verlängert man Combos, so werden sie immer triumphierender und spornen den Spieler zu immer neuen Hochleistungen an! Spätestens jetzt sollte klar sein, dass man die Musik in diesen Fall nicht vom Gameplay trennen kann, sie verschmilzt mit dem Spiel zu nichts Geringeren als einer stimmigen Einheit.

tetrisattack024png_thumbHinzu kommt, dass die Grafik für ein Puzzlespiel wirklich grandios ist. Die Charaktere haben einige schicke Animationen und selbst der Hintergrund ist mit viel Liebe zum Detail entworfen, in der Regel sogar punktuell animiert. Überall findet man kleine Referenzen zum Yoshi-Universum. Damit das nette Drumherum nicht zu sehr ablenkt, wurden die Spielblöcke mit besonders knalligen Farben versehen. Die Übersichtlichkeit wird aufgrund der aufwendigeren Grafik also nicht beeinflusst. Auch mit Extras geizt das Spiel nicht gerade: Es bietet dem Spieler die Möglichkeit, die Sprache auf Japanisch umzustellen, sich ein Profil zu jeden im Spiel vorhandenen Charakter anzusehen oder den eingebauten Soundtest mit allen Musikstücken anzuhören. Der „How To Play“ und „How To Improve“ Modus zeigt mit kleinen Videos zum Nachspielen noch zusätzlich eine kleine Hilfestellung für Neulinge auf. Tetris Attack bietet zwar keine Speicherbatterie, jedoch werden im Stage Clear, dem VS Modus und bei den Puzzles in jedem Level per Pausenmenü Passwörter angezeigt, die einen nicht nur zum jeweiligen Spielfortschritt führen, sondern auch dazu im Stande sind, sich die genauen Zeiten und Punkte zum Zeitpunkt des Spielabbruches zu merken.

Fazit des Autors - ChronoMoogleWenn euch bisher kein Puzzler so richtig überzeugt hat, spielt Tetris Attack! Ich kenne so einige Leute, die in diesen Spiel ihren Meister gefunden haben. Und das hat auch seinen Grund! Es ist leicht zu lernen und doch kann man verdammt gut in dem Spiel werden. Aber vor allem: es bringt höllisch Spaß - egal ob alleine oder im Multiplayer. Die für ein Puzzlespiel hervorragende Technik, das ausgereifte Spielsystem und die vielen Spielmodi tun dabei ihr Übriges. Ich denke, ich lehne mich nicht zu weit damit aus den Fenster, wenn ich sage, dies ist nicht nur einer der besten Super Nintendo Spiele, sondern gleichzeitig eines der besten Vertreter seines Genres. Konsolenübergreifend.

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