
Getrieben vom Erfolg der Arcade-Version beglückten die Jungs von Irem auch das SNES mit ihrem Horizontal-Shooter R-Type. Dabei schuf man jedoch kein gänzlich neues Spiel, sondern bediente sich primär bei R-Type 2. Entsprechend belanglos ist die Story: Das Bydo-Imperium, der Inbegriff des Bösen, will die Erde unter seine außerirdische Terrorherrschaft zu bringen. Da hat die Menschheit entschieden was dagegen und schickt mit dem legendären R-9 ihr bestes Raumschiff in die Weiten des Weltraums, um die Aliens mal anständig das Fürchten zu lehren.
Selbstverständlich stehen dafür durchschlagskräftige Argumente in Form von sammelbaren Power-Ups zur Verfügung. Neben den äußerst nützlichen Lenk- und Anti-Boden-Raketen sowie Speed-Ups sind das insbesondere fünf verschiedene Lasertypen: die Strahlen-, Kanonen-, Wellen-, Split- und Reflektorwaffe. Wobei man ganz klar sagen kann, das sich der reflektierende Laser als am effektivsten erweist. Wenn man den Feuerknopf länger gedrückt hält, lädt sich die Waffe auf und man kann einen mächtigen Super-Beamschuss abfeuern.
Aber Super R-Type bietet noch etwas mehr als bloß die genannten Standardwaffen: Es lassen sich nämlich ferner noch zwei sogenannte Pits, welche das Raumschiff ober- und unterhalb schützend flankieren, sowie die dreistufig erweiterbare "Force" einsammeln. Bei dieser handelt es sich um eine Art Satelliten, der unzerstörbar ist, die Streuweite der Schüsse merklich erhöht und am Bug oder Heck des R-9 angedockt werden kann, wo er neben den Pits als weiteres Schutzschild fungiert. Im besten Fall ist man also gleich an drei Seiten gegen die außerirdische Standardattacken abgedeckt. Der Clou: auf Knopfdruck lässt sich die "Force" sogar absprengen und zieht dann solange als eigenständige Einheit aus allen Rohren feuernd ihre Bahnen über den Screen bis man sie wieder zum Raumschiff zurückbeordert. Diese (recht innovative) Variabilität in punkto absprengen bzw. vorne oder hinten andocken lassen, erlaubt einem in dem ein oder anderen Spielabschnitt gewisse taktische Möglichkeiten und ist insbesondere bei den Levelbossen von großem Vorteil. Bestens ausgerüstet düst der R-9 so durch insgesamt sieben (recht lange und vor allem anspruchsvolle) Stages.
Wie eingangs erwähnt, basiert das Game größtenteils auf "R-Type 2". Man fliegt durch den Orbit, die Ruinen, die Höhle, das Riesen-Raumschiff, ein labyrinthartiges Minenfeld, die Recycling-Fabrik sowie die Brutstätte des Bydo-Imperiums. Nur die erste Stage ist komplett neu, ansonsten wurde das Level-Design fast vollständig übernommen und die Endgegner ausgetauscht. Ich finde auch, dass die Bossfights verglichen mit dem Original ein wenig billig wirken. Besonders der letzte Boss hat spürbar an Imposanz verloren. Einsteiger, die gerne mal die Credits zu Gesicht bekommen wollen, sollten übrigens unbedingt den einfachsten der vier Schwierigkeitsgrade wählen, denn dieses Shoot'em Up ist höllisch schwer und ab "Easy" wird es, da man beim Ableben all seine Items verliert, knüppelhart. Da nützen auch Continues herzlich wenig. Ein weiterer Schnitzer: Irem spendiert dem Spieler keine Rücksetzpunkte. Selbst wenn man bereits bis zum Endgegner vorgedrungen ist, dort aber scheitert, muss die Stage komplett neu gespielt werden. Nervig, frustrierend und leider bei weitem nicht der einzige Faktor, der den Durchschnittszocker seine Gebissabdrücke im Joypad verewigen lässt.
Ruckelorgie ist das Stichwort und der Hauptgrund, warum kein richtiger Spielspaß aufkommen will. Kaum befinden sich ein Dutzend Sprites auf dem Screen, geht die Performance deutlich in die Knie. Explosionen fangen an zu flackern, alle Bewegungen wirken recht zäh und haben nichts mehr mit einem flotten Shoot'em Up zu tun. Da scheint das Game, welches zu Beginn der SNES-Ära entwickelt und veröffentlicht wurde, wohl ein Opfer seiner Zeit gewesen zu sein. Erst ein, zwei Jahre später wusste man, wie man für actionlastige Titel auf Nintendo's 16-Bitter mit der Hardware umzugehen hatte. Da wirkt es auch nur marginal beruhigend, das die Grafik von "Super R-Type" ganz ansehnlich ist. Auf so Finessen wie Mode 7 oder Parallax-Scrolling muss man zwar verzichten, dafür sind weitestgehend alle Level - besonders der dritte - recht schön gezeichnet und mit vielen verschiedenen Gegnern gespickt. Auch die durchaus gelungenen Soundeffekte und eine ordentliche musikalische Untermalung wissen zu gefallen, doch leider verdirbt die mangelhafte Programmierung fast jegliche Lust am Spielen und lässt insbesondere ungeübte Genre-Neulinge schnell resignieren.
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