
Es ist wahrlich eine Schande. Jeder RPG Fan des Super Nintendo blickt sehnsüchtig gen Osten, nachdem er die wenigen Blockbuster des europäischen und amerikanischen Marktes durchgespielt hat - Und stellt dabei immer wieder fest, wie viele geniale Titel es nicht zu uns geschafft haben. Einer dieser ganz besonderen RPGs, die uns vorenthalten blieben, ist Far East of Eden Zero.
Was hat es zunächst einmal mit dem Spiel auf sich? Die Far East of Eden Serie kommt vom Hudson Entwicklerteam Red und ist zunächst nur ihrer eigenen Konsole PC Engine erschienen. Das Aushängeschild der Serie waren immer die aufwendigen Anime- Cutscenes (Anfang der 90er alles andere als selbstverständlich), die tiefen Charaktere und ein sehr klassisches RPG System. Far East of Eden Zero kann als ein Sidekick dieser Serie angesehen werden. Besonders an dem Titel ist wie gesagt auch, dass es der erste Teil der Serie war, der auf einer anderen Konsole als PC Engine veröffentlicht wurde, was sich danach auch kontinuierlich fortsetzen sollte.
Die Gemeinsamkeiten mit den Vorgängern fallen sofort auf. Das Setting ist sehr comicartig koloriert, mit kräftigen und weit deckenden Farben, die Gegner sind meistens eher albern als furchteinflößend und auch überall im Spiel sind diverse Gags und schräge Dinge verteilt. Trotzdem schafft es das Setting dank ernster Hauptstory und tiefen Hauptcharakteren nicht zu sehr ins Lächerliche zu rutschen. Anders als in den Vorgängern besitzt das Spiel leider keine der aufwendigen Zwischensequenzen. Höchstens leicht bewegte (wenn auch hübsche) Standbilder gibt es zu sehen. Als Ausgleich für dieses Manko hat sich Red allerdings Einiges einfallen lassen.
Wirklich neu und auch einzigartig auf den Super Nintendo und in der Serie sind unglaubliche 72 Megabit Romgröße und eine integrierte Spieluhr, welche Datum und Uhrzeit in Echtzeit, selbst bei abgeschalteter Konsole und ausgestöpselten Modul weiterlaufen lässt. Möglich macht dies der Spezialchip SPC7110, der die besagte Romgröße auf 40 Megabit komprimieren kann. Aus diesen Möglichkeiten haben die Entwickler auch wirklich viel gemacht. Es gibt einen Tag- und Nachtwechsel, verschiedene Events und Quests finden zu gewissen Zeitpunkten statt und jeder Monat hat einen eigenen Feiertag. Zudem ist die Welt vom fiktionalen Pseudo-feudalen Japan "Jipang" sehr groß und besteht aus sieben Königreichen, die alle ihre eigene "Weltkarte" besitzen. Kein Monster wird hier ein zweites mal verwendet. Und das, obwohl Recycling und Umkolorierung von Gegnern bis heute noch in RPGs Gang und Gebe sind, um Arbeit und Speicherplatz zu sparen.
Die Grafik ist bunt, detailreich und verwöhnt selbst anspruchsvolle 16 Bit-Zocker mit tollen Effekten. Auch der Soundtrack wartet mit einer riesigen Anzahl an Musikstücken auf, die nicht nur abwechslungsreich, sondern auch noch extrem gut sind. Man findet überall in Far East of Eden Zero diverse Minigames, Sidequests und versteckte Geheimnisse und kann nach dem Ende sogar (ähnlich wie in Chrono Trigger) ein Game Plus starten - soll heißen, das Spiel beginnt von vorne und man behält alle Levels und storyunrelevanten Gegenstände. Wie riesig dieses Spiel ist, kann man sich jetzt sicher schon selbst vorstellen.
Also genug Fakten auf den Tisch gekloppt. Worum geht es in Far East of Eden Zero überhaupt? Das Dorf des Protagonisten Higen wird sehr früh im Spiel von dunklen Mächten angegriffen. Wie sich im Kampf herausstellt ist er der Held des Feuers und kann letztendlich zwar das Dorf verteidigen, doch sein Großvater stirbt nach dem Angriff in Higans Armen. Dass der Held Rache schwört, ist ja schon ein RPG-Klischee erster Klasse. Also wird auch kurzerhand und wild entschlossen nach dem Mörder gesucht, um ihn auszuschalten. Was er nicht ahnt: Das drohende Unheil ist größer als erwartet, denn ein böser Herrscher hat in seinem Geifer nach Macht den Oberdämonen Ninigi aus dem versiegelten Höllentor befreit. Seine Schergen haben alle sieben Königreiche mit ihren dunklen Fertigkeiten in ihrer Hand. Sie terrorisieren die Menschen, haben die göttlichen Tierwesen versiegelt und suchen das Land mit ihren charakteristischen Plagen heim... Higen kann als Auserwählter sowas natürlich nicht zulassen. Eine lange Reise beginnt und neue Mitstreiter, etwa die wiedergeborene Fee Subaru und der mysteriöse Ninja Tenjin folgen dem Helden. Ihr Ziel ist es, Ninigi und seine Handlanger zu vernichten und "Jipang" den Frieden zurückzubringen.
Spielerisch ist Far East of Eden Zero ein absolut klassisches RPG mit Zufallskämpfen, Dungeons und Städten. Damit das Ganze nicht zu eintönig wird, hat aber fast jede Stadt und jedes Königreich eine Besonderheit zu bieten. Während die Städte mit verschiedener Architektut, Minigames, Festen und besonderen Einrichtungen punkten, sind die Königreiche mit ihren unterschiedlichen Plagen auch sehr gut umgesetzt. So versinken sie im Wüstensand, ein Urwald voller Monster hat sich über allem ausgebreitet oder saurer Regen zerstört die Umwelt. Ist der Boss des Königreiches besiegt, verändert sich teilweise die vorher betroffene Welt großflächig und läd noch ein weiteres Mal zum Erforschen ein. Einfach grandios!
Abgesehen davon gibt es noch verschiedene Fortbewegungsmittel - so trägt einen in der Wüste eine riesige Wühlmaus über den heißen Sand und in einem Inselkönigreich könnt ihr ein Schiff übernehmen... Vor allem die Athmosphäre des Spiels, welche in einem RPG ja ein wichtiges Element darstellt, profitiert von dieser Vielseitigkeit. Der Spielablauf ist relativ vorhersehbar und linear: man erfüllt in jeden Königreich zunächst ein paar kleinere Quests, erkundet die Umgebung und stellt sich anschließend dem großen Dungeon des letzten Endgegners jenen Gebietes. Man trifft sich mit dem Tiergott des Königreiches und zieht anschließend weiter ins nächste. Dafür, dass dieser Spielablauf nicht zum puren Abgearbeite der Königreiche ausartet, ist aber, wie bereits angedeutet, gesorgt. Es gibt unheimlich viele Quests, Geheimnisse und Gegenden zu erkunden, die mit dem Hauptquest wenig gemein haben, aber euer Team durch neue Items und Fertigkeiten bereichern. Besondere Events und Veränderungen, die mit dem Datum und der Uhrzeit einhergehen, gibt es auch noch zu entdecken.
Die Dungeons sind außerdem äußerst abwechslungsreich. Mal müsst ihr mit Zeitbegrenzung durchs Wasserlabyrinthe schwimmen, dann schlittert ihr über Eis und könnt clever eure Spezialschuhe einsetzen, ein andern mal muss ein Dungeon komplett ohne normale Angriffe geschafft werden oder ihr bewältigt einige Action Einlagen mit einer Lebensanzeige.
Das Kampfsystem ist relativ nah an Dragon Quest angelehnt, ihr seht eure Charaktere von hinten und ist jemand aus eurer Party an der Reihe, so könnt ihr eine Aktion auswählen. Extrem klassisch eben. Interessant ist, dass die Helden ihre Zauber und Fertigkeiten nicht nach einigen Levels erlernen, sondern von Lehrmeistern beigebracht bekommen, die erstmal gefunden werden müssen. Zudem erfordern die häufigen Zufallskämpfe teilweise eine gute Strategie, um mit möglichst wenig Schaden aus den Kampf zu gehen. Dank der vielseitigen Attacken hat man hier aber auch genügend Freiraum, um sich diese Taktik zu schaffen. Da Far East of Eden Zero nicht gerade leicht ist, sollte man auch ab und zu Level- und Aufrüstungspausen einlegen. Flieht man allerdings vor keinen Kampf, so ist das Level in der Regel hoch genug. Eine schlechte Balance kann man dem Spiel also nun wirklich nicht vorwerfen. Die simple RPG Kampfmechanik, garniert mit einer guten Prise Taktik und der schönen comicartigen Grafik weiß auf jeden Fall zu gefallen! Alle die weniger RPGs spielen, würden dem Spiel vielleicht das mit den vielen Zufallskämpfen vorwerfen. Aber hey: So sind 16 Bit RPGs eben.
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