Drachen, Dungeons, großartige Legenden. Noch heute sind diese Dinge omnipräsent in Rollenspielen und Action-Adventures. Mittelalterliches Flair ist angesagt wie nie zuvor und stellt für viele RPG’s den Grundstein dar. Mächtige Drachen machen einem das Leben schwer, große Dungeons müssen durchforstet werden. Doch es gibt auch Wesen, die halb Drache halb Mensch sind, die sogenannten Drakkhen.
Die Menschen beachteten den Rat der Götter nicht, die Drachen zu zerstören. So schufen die Allmächtigen die Drakkhen und die Drakkhen-Insel. Je ein Drakkhen-Prinz und eine Drakkhen-Prinzessin beherrschen auf diesem neuen Land ein Element: Feuer, Luft, Erde oder Wasser, bewohnen also die Regionen Wüste, Sumpf, normales Land und die Eislandschaft. Nun liegt es an euch, dem Menschen mit den drei Gefährten, sich mit den Drakkhen zu verbünden oder sie zu vernichten, um an die acht Drakkhentränen zu kommen, die zur Vernichtung der Drachen notwendig sind.
Ihr versteht die Story nicht ganz? Ich auch nicht, denn sie ist dermaßen konfus und verwirrend, dass sie von Anfang an praktisch ignoriert werden kann. Verstehen wird man sie durch die miserable deutsche Übersetzung sowieso nicht und man hat das Gefühl, dass sie jedes Mal ein bisschen anders erzählt wird. Erschwerend kommt noch hinzu, dass die meisten Drakkhen ähnliche Namen haben. So muss ich doch tatsächlich plötzlich meinen Verbündeten Hordkha vernichten. Ach nein, dass war ja Hordkhen. Oder etwa doch Naadkhen?
Startet ihr das Spiel und drückt euch bis zum Hauptbildschirm durch, kommen euch einige schrille Töne entgegen, die jedoch in dem einen oder anderen Ohr wie tolle Musik klingen mag. Mir gefällt sie. Was mir nicht gefällt ist die hektische, unmöglich nervende Musik, wenn ich meine Charaktere zusammenstellen möchte. Dies könnt ihr tun, bevor ihr ein Spiel startet. Das System ist recht ausgeklügelt, so könnt ihr einen Krieger, einen Scout, einen Mönch und einen Magier in euer Team nehmen und ihnen je nach Wesen gewisse Fähigkeiten verleihen.
Habt ihr euer Team zusammengestellt oder entscheidet ihr euch, dass dies der Computer machen soll, könnt ihr das Spiel starten. Bis alles klar ist, was nun wo sich befindet und wie man kämpft, läuft, Gegenstände benutzt etc., braucht es eine Eingewöhnungszeit von mindesten einer halben Stunde. Ohne Anleitung ist man verloren. Selbst mit dieser bleiben bis zum Schluss einige Dinge ungeklärt.
Bald werdet ihr dem ersten Monster begegnen. Hier merkt ihr, dass ihr es mit einem außergewöhnlichen Kampfsystem zu tun habt. Während des Kampfes könnt ihr eine der vier Figuren, die ihr ausgewählt habt, nur bewegen. Gekämpft, getötet und gezaubert wird automatisch. Nur über ein Menü kann man spezifisch Zauber ausführen oder die Taktik ändern. So kann jemand sich nur verteidigen, der Magier heilt und die anderen beiden kämpfen an vorderster Front.
Bald schon betretet ihr das erste von acht Schlössern. In diesen Dungeons sind die Kämpfe vorprogrammiert. Es erscheint immer wieder an derselben Stelle eine Kreatur, während draußen die Kämpfe zufallsbedingt ablaufen. Gleich bleibt immer, dass man eigentlich nur zuschauen kann. Hat man genug Erfahrungspunkte gesammelt, steigt der Charakter im Level. Mein Scout „Tokra hat es erreicht Level 11“ bis am Ende. Zwar war „Tokra’s Schild nicht zu gebrauchen“ manchmal, was in etwa bedeuten soll, dass sein Schild im Kampf zerstört wurde. Wie mein Scout ein solch hohes Level im Vergleich zu den anderen erreicht hat, bleibt mir unverständlich. Es ist überhaupt nicht einzusehen, wann ein Charakter besser wird und wann nicht. Auf jeden Fall war mein Scout so gut, dass er mit einem Zauber jede „Töf“, ähh Tür öffnen konnte. Da hat wohl der Übersetzer neben die Tasten gehauen.
Apropos Türen: In den Dungeons konnte ich anfangs nur nach oben, links und rechts weitergehen und wusste nicht wie zurück. Die Türen unten sind dermaßen schlecht ersichtlich, dass ich nur per Zufall wieder nach draußen fand. Erst nach etwa einer Stunde Spielzeit entdeckte ich, dass ein kleiner weißer Rahmen am unteren Bildschirmrand eine Tür darstellen soll. Doch nicht nur Türen sind schlecht gekennzeichnet, auch Kreaturen sind kaum erkennbar und die Gefährten im Team sind detailarm. Die Landschaften sind hässlich und geschmückt von unerklärlichen schwarzen und blauen Flecken, die weder Löcher noch Wasser kennzeichnen. Manchmal vermag die Grafik nicht darzustellen, was die Entwickler wollten. So mutiert Drakkhen teils zum Text-RPG und verweist per wenigen Zeilen auf Blutspuren, Leichen etc. Immerhin ist Drakkhen das erste Rollenspiel überhaupt auf dem SNES und das als 16. erschienenes Spiel in Japan, was bei über 1400 Games schon beachtlich ist. Daher ist es für vieles entschuldigt.
Nicht entschuldigen kann man die meist schlechte und nervende, eintönige Musik. Nur nachts erklingt im Erdbereich eine wunderschöne Melodie, die doch glatt an Secret of Mana erinnert. Der Wechsel von Tag auf Nacht und umgekehrt hat aber außer dem Musikwechsel kaum Folgen. Die Soundeffekte stehen der Musik in nichts nach und sind besonders in Kämpfen einfach nur nervtötend.
So habe ich mich durch das Game etwa zehn Stunden durchgewurstelt, was für ein Rollenspiel recht wenig ist. Meine Charaktere waren nur Level acht, neun oder elf, was ebenfalls nach sehr wenig klingt und es auch ist. Am Schluss floh ich vor jedem Monster, was durch ständiges Drücken der Rückentasten möglich ist, bis ich bei den letzten Endgegnern war, welche ich durch den übermächtigen Zauber „Löst auf“ besiegte. Ich kenne dessen Wirkung immer noch nicht ganz, es hat aber anscheinend gut funktioniert.
Wer gerne die ganze Landschaft erforscht, sei gewarnt. Die Karte ist zwar unverzichtbar, aber extrem ungenau. Ständig muss man Start drücken, um die Richtung zu erkennen, in die man geht. Die Landschaft ist riesig, ja sogar viel zu groß. Mindestens die Hälfte davon ist überflüssig und muss immer wieder abgelaufen werden. Wenn man nicht per Zufall auf den wandernden Händler trifft, was eher selten passier, und schon gar nicht dann, wenn es nötig ist, muss man immer wieder in den Süden in das Wirtshaus marschieren, das nicht einmal auf der Karte gekennzeichnet ist. Des Weiteren gibt es nur wenige Häuser, in denen sich Heiler befinden, die eure toten Gefährten wieder zum Leben erwecken. In allen anderen, sehr häufig auftretenden Hütten bekommt ihr nutzlose Tipps und Hinweise. Zwar ist der Magier irgendwann einmal befähigt den Zauber „Teleportieren“ auszuführen, wie er aber funktioniert, konnte ich trotz Anleitung nicht herausfinden. Bisher hat er mit nur Mana abgezogen, geschehen ist aber nichts.
Die Kämpfe sind kaum fordernd, da man ja während diesen fast nichts unternehmen kann. Dies hat sowohl Vor- als auch Nachteile. Zum einen kann man Drakkhen stets entspannt spielen, ohne sich überlegen zu müssen, wie man nun jenes Monster besiegt. Andererseits wird es schnell langweilig. Zwar sind die Kämpfe kaum fordernd, doch plötzlich treten übermächtige Monster auf und die ganze Rüstung ist dahin. Stetiges Speichern ist daher unverzichtbar.