
Die Breath of Fire- Serie von Capcom - Squaresoft war nur für die Übersetzung und den Vertrieb verantwortlich - geht zwar in eine total andere Richtung als die für das Unternehmen typischen Action Games, steht aber völlig zu Unrecht im Schatten anderer RPGs.
Die Story von Breath of Fire ist recht simpel gehalten. Am Anfang wird das Dorf des Protagonisten Ryu zerstört und er zieht als „weißer Drachenkrieger“ aus, um sich an den dunklen Drachenrittern zu rächen und ihre finsteren Pläne zu durchkreuzen. Zwar gibt es durchaus einige spannende Wendepunkte in der Story, im Vergleich mit anderen RPGs des Super NES ist sie aber eher zweitrangig. Auf den ersten Blick scheint das Spiel sogar recht linear. Doch im Prinzip ist das alles gar nicht so schlimm, denn trotz aller Oberflächlichkeit gelingt es den Entwicklern irgendwie, das ganze Spiel tiefer wirken zu lassen als es ist. Der kompakten Handlungsabschnitte gibt es derart viele, dass beinahe niemals Storyleerlauf aufkommt und zum tatsächlichen Antrieb des Spielers werden vielseitige Charaktere sowie eine abwechslungsreiche Welt, die mit den unterschiedlichsten Völkern aufwartet. Dadurch gelingt es dem Spiel letztendlich doch noch, eine tiefe Atmosphäre aufzubauen. Den Entwicklern sei die
recht dürftige Haupthandlung
daher verziehen.
Das Gameplay von Breath of Fire ist sowohl in Puncto Interface als auch in Sachen Schwierigkeitsgrad recht klassisch ausgelegt. Man läuft durch bunte RPG-Welten, erkundet tiefe Dungeons, levelt seine Party, haut fiese Typen in die Pfanne oder sucht nach seltenen Items. Der Schwierigkeitsgrad ist dabei schon relativ hoch angesiedelt und verlangt dem Spieler ab und zu kleine Trainingspausen und die Aufwertung der Ausrüstung ab.Die Umgebungen und Dungeons allerdings könnten vielseitiger kaum sein: Von der abstrakten Traumwelt über einen Roboterkörper bis hin zu Unterwasservulkanen haben sich die Jungs von Capcom einiges einfallen lassen. Das Spiel wartet mit einigen kniffligen Rätseln und lustigen Dungeonideen auf – so wird man zum Beispiel in einem Spielabschnitt kurzfristig auf die Größe einer Maus geschrumpft.
Da Breath of Fire mehr sein möchte als der zigste Final Fantasy Klon, haben sich die Entwickler natürlich auch etwas mehr einfallen lassen. Das Spiel enthält Adventure- Elemente! So besitzt jeder Charakter nicht nur seine eigenen Fertigkeiten und Stärken im Kampf, sondern auch auf der Karte. Ihr könnt mit Pfeil und Bogen auf die Jagd nach Tieren gehen, Euch in einen Fisch verwandeln oder bröcklige Wände zu Staub zerschlagen, um nur einige der coolen Charakterfeatures zu nennen.
Verwandlungen und Zauber gehören in den Kämpfen des Spiels genauso dazu wie die obligatorischen übergroßen Bossgegner. Die normalen Kämpfe von Breath of Fire starten zufällig nach einigen Schritten und sind in der Regel leider sehr zahlreich. Nunja, zumindest besitzen sie eine Autobattle-Funktion, die vor allem bei schwachen Gegnern sehr nützlich ist und die Kämpfe deutlich beschleunigen kann. Das Menü des Spiels ist schön übersichtlich gestaltet, es lassen sich Hilfetexte zu sämtlichen Items abrufen. Warum nur hat Capcom nicht auch den Zaubersprüchen eine solche Funktion verpasst? Die muss man nämlich entweder auswendig lernen oder die Spielanleitung zücken.
Der Sound des Spieles ist, wie man es von vielen SNES-RPGs gewohnt ist, sehr gut gelungen. Die Grafik hingegen ist ein eher zweischneidiges Schwert. Teilweise sind die Dungeons einfach nur trist, Städte wirken manchmal detailarm und wenig originell. Dann wieder gibt es Orte, an denen wirklich alles hübsch und extrem gut designt ist. Vor allem die Kampfbildschirme haben allesamt eine tolle Grafik spendiert bekommen. Gegner besitzen viele Animationen und Zauber – alles läuft flüssig und man kann durchaus sagen, dass in den Kämpfen an nichts gespart wurde. Die Charaktermodelle auf der normalen Map sind etwas klein, aber trotzdem schön bunt und nett anzusehen. Mit über 30 Spielstunden sowie vieler Nebenquests und Secrets hat Breath of Fire schließlich auch noch einen ganz passablen Umfang. Es lohnt sich, nach einiger Zeit in alte Gegenden zurückzukehren um mit den neuen Fertigkeiten weitere der unzähligen Items und Verwandlungen aufzustöbern. Kritikern ist in Hinblick auf die zu Anfang erwähnte Linearität somit der Wind aus den Segeln genommen. Was kann ich also schlussendlich sagen? Ich habe rückblickend festgestellt, dass Breath of Fire ein RPG ist, welches einfach zu keiner Zeit langweilig wird. So simpel die Story auch scheinen mag: Das Spiel treibt sich selbst gut voran. Es vermeidet zu große Durststrecken und fesselt den Spieler tatsächlich bis zum aller letzten Endgegner.