Geschrieben von: Moi-Même · 25. Mai 2012 · Kategorie: RPG

Scoreboard NekketsuTairiku BurningHeroes ChronoMoogleNekketsu Tairiku Burning Heroes.001  sUnd wieder mal so ein Rollenspiel auf dem Super Nintendo, welches im Westen so gut wie niemand kennt: »Nekketsu Tairiku: Burning Heroes« - was (frei ins Englische) übersetzt so viel wie „Burning Heroes of the Fire-Red Continent“ bedeutet - ist von einer ziemlich unbekannten Gruppe namens J-Force entwickelt, und von jedermanns liebstem Publisher Enix in die Ladenregale gestellt worden. Auf den ersten Blick mag es zwar wie ein äußerst traditionelles J-RPG wirken, aber Burning Heroes überrascht hinter seiner klassischen Fassade mit einer ganzen Reihe von recht innovativen Ideen.

Herausgekommen ist dieser Titel allerdings leider nur in Japan, doch eifrigen Romhackern sei dank, lässt sich im Internet mittlerweile auch eine englische Fanübersetzung dieses Spiels finden. Die Sprachbarriere von Burning Heroes ist zwar im Prinzip nicht unüberwindbar hoch, jedoch wäre es einfach unendlich schade, wenn man die schlicht und ergreifend gelungenen Dialoge, die das Spiel haufenweise zu bieten hat, einfach wegdrücken müsste, bloß weil man kein Japanisch kann. Die Story ist nämlich wirklich eine der Schokoladenseiten des Spiels.

Nekketsu Tairiku Burning Heroes.002  sIhr könnt am Anfang eines von vier Szenarien auswählen, die jeweils ihren eigenen Haupthelden mit eigenen Beweggründen haben und von unterschiedlichen Orten, jedoch zur selben Zeit, ihr Abenteuer beginnen. Zu Spielbeginn kündigt sich das unheilvolle Schicksal der Welt in Form eines unbekannten, riesigen Sterns am Himmel an. Na, welchen RPG-Kenner erinnern das Setting und die Spielidee noch an »Rudora No Hihou« von Square? Während die Helden zunächst ihren eigenen Problemen - wie der Suche nach Familienmitgliedern oder der Tilgung von Geldschulden - nachgehen, ereilt letztlich alle dasselbe heldenhafte Schicksal, und sie versuchen, das drohende Ende der Menschheit abzuwenden. Die Spielwelt ist dabei bis zum Rand voll mit allen Dingen, die RPG-Geschichten interessant machen: Liebesgeschichten, Kriegsschicksale, Macht- und Geldkonflikte, wie auch emotionales Fehlverhalten, um bloß mal ein paar der Grundthemen dieses Spiels zu nennen. Alle wichtigen Spielcharaktere und Handlungsstränge sind dabei gekonnt zusammengekettet und entfalten die umgebenden Geschichten Stück für Stück, kreuzen sich sogar an einigen Punkten und halten den Spieler stets unter Spannung.

Nekketsu Tairiku Burning Heroes.003  sHat man eines der Kapitel geschafft, so schaltet das Spiel im Anschluss ein Bonuskapitel frei, welches es ermöglicht, das gleiche Szenario aus einem anderen Blickwinkel zu spielen, was so zum Beispiel die Beweggründe des vorherigen Rivalen veranschaulicht. Insgesamt hat Burning Heroes ganze 8 Kapitel mit jeweils 6 bis 10 Spielstunden zu bieten. Dies ist aber nur auf den ersten Blick ein gutes Feature, doch dazu später… Schauen wir uns zuerst mal das rundenbasierte Kampfsystem von Burning Heroes mal an: Dieses ist auf den ersten Blick eher recht durchschnittlich, alle Gruppenmitglieder handeln frei nach „KI-Schnauze“ und man kann nur die Aktion des Gruppenführers bestimmen. Blöd ist, dass die „Kumpel-KI“ leider nicht immer zuverlässig handelt, sondern z.B. einen Schutzzauber spricht, obwohl ein Angriff strategisch weitaus sinnvoller wäre. Zumindest geheilt wird jedoch zumeist relativ clever… Im Spielverlauf finden sich aber in Form von Büchern sowie bei Level-Ups neue Gruppenformationen, die das Verhalten der Gruppe (und der Gegner) beeinflussen, und die sich jederzeit im Kampf ändern lassen. Hierdurch werden die Zufallskämpfe zumindest um eine kleine, taktische Note angereichert.

Nekketsu Tairiku Burning Heroes.004  sDes Weiteren haben die Entwickler sich für Burning Heroes einer Form des (beispielsweise) aus »Final Fantasy 7« bekannten „Limit Breaks“ bedient, ganze zwei Jahre bevor Squaresoft diese Idee erstmals aufgriff: wird dem Hauptcharakter Kampfschaden zugefügt, steigt hierdurch seine Kampfgeistanzeige. Ist diese erst einmal bei 100% angekommen, lässt sich eine zerstörerische Superattacke ausführen, was im speziellen den Bosskämpfen nochmal zusätzliche Dynamik und Spannung verleiht. Die Kampf- beziehungsweise Menübedienung geht dabei glücklicherweise recht schnell und intuitiv von der Hand. Nennenswert ist mit Sicherheit auch das „Anwerbesystem“: Im Verlauf des Spiels lässt sich aus acht (storytechnisch leider relativ unwichtigen) Support-Charaktern eine bis zu fünf Personen umfassende Gruppe erstellen. Etwas seltsam mutet im Übrigen das Schadenssystem an, denn in Nekketsu Tairiku: Burning Heroes scheint es nämlich nur allgemeine Resistenzen gegen Zauber oder Waffen zu geben; unterschiedliche Elemente werden hingegen nicht berücksichtigt. So kommt dann es beispielsweise zu Stande, dass wir einem Eiselementar mit einem Blizzard den Garaus machen. Logisch - Is' schon klar…

Nekketsu Tairiku Burning Heroes.005  sMit der reinen „Netto-Spielwelt“ ist den Entwicklern von J-Force im Prinzip eine Konzeption gelungen, die sich vor der gewohnten Enix-Qualität nicht zu verstecken braucht: Wundervoll abwechslungsreiche Schauplätze, seien es nun Städte oder Dungeons, sind ohne Zweifel reichlich vorhanden. Die NPCs in den Städten haben - neben den storyrelevanteren Hinweisen - allerlei interessante Informationen zur Spielwelt parat, man muss Einkäufe auf Grund des recht eng gehaltenen Geldbudgets gut planen und gelegentlich entdeckt man mal eine versteckte Schatztruhe beim genauen Hingucken. Die Dungeons sind weitläfig und haben viele Geheimnisse zu bieten. Ferner kommt hier ein weiteres Spielelement zum Einsatz, welches zwar zum Releasezeitpunkt nicht neu (vgl. Mystic Quest), aber recht selten war: Eine Sprungtaste. So können, je nach Spielfortschritt, unterschiedlich breite Abgründe übersprungen werden, was ein paar nette, wenn auch nicht sonderlich fordernde Sprungabschnitte in den Dungeons mit sich bringt. Nettes Feature hin oder her, hätte ich mir trotzdem ein paar mehr abwechslungsreiche Rätsel in den Dungeons gewünscht. Hier hätten die Jungs von J-Force etwas kreativer sein müssen.

Nekketsu Tairiku Burning Heroes.006  sDas größte Problem ist leider das Fehlen jeglicher Sidequests: Burning Heroes ist EXTREM linear und besitzt wirklich keine einzige optionale Herausforderung abseits der Haupthandlung. Da diese ja recht gelungenen ist, dachte ich, über dieses Manko einigermaßen hinwegsehen zu können - schließlich gibt es ja wirklich viele unterschiedliche Szenarien zu bestreiten… Doch nach einiger Spielzeit fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Burning Heroes ist nicht nur extrem linear, es ist auch noch schrecklich repetitiv. Spätestens, wenn ihr ein zweites Szenario beginnt, werdet ihr es merken: nicht bloß Städte und die anwerbbaren Charaktere, nein - auch komplette Dungeons inklusive Endgegner werden dann und wann schamlos recycelt, und selbst die Standardgegner auf die ihr trefft sind in jedem Szenario ständig die gleichen. In den freispielbaren Extraszenarios treibt das Spiel es gar an die Spitze und fast nur die Handlung ist anders. …Gehts noch!? Das ist so dreist und ärgerlich, dass ich es einfach nicht nachvollziehen kann. Oh, warum nur!? Der gute Ersteindruck, den ich von Burning Heroes zu Anfang bekommen hatte, passte mit fortschreitender Spielzeit leider Gottes immer weniger zum Endprodukt.

Nekketsu Tairiku Burning Heroes.007  sDabei ist sogar die Technik des Spiels ziemlich überzeugend. Die Weltkarte hat zwar keinen schicken Mode 7-Effekt zu bieten, dafür scrollen die Kämpfe jedoch aufwändig animiert auf mehreren Ebenen. Alle Charaktere und Gegner (!!) haben massenhaft Animationen spendiert bekommen um die Kämpfe lebhaft wirken zu lassen, selbst ohne riesige Effekthascherei bei den Zaubern. Die Hintergrundgrafiken sind häufig 3D-gerendert, was man auf den SNES auch nicht so häufig sieht. Die Umgebungsgrafiken bewegen sich im guten 16Bit-RPG-Durchschnitt und vor allem der Soundtrack begeistert dank seinen mitreißenden Tracks, deren eigener, rockiger Stil der Spielatmosphäre einen gewissen Touch verleiht… Ihr seht, ich möchte Burning Heroes wirklich lieben. Aber es geht gottverdammt nochmal nicht, wenn mich das Spiel teilweise bis zu acht mal durch denselben Dungeon scheucht. Schade um das Potential von Gameplay und Story. Auf Grund derer fühlt man sich nämlich fast schon motiviert, sich trotzdem durch diese schrecklichen Déjà-vues durchzuquälen. Das ist also durchaus mit Squaresofts heimlichem Klassiker Rudora No Hihou zu vergleichen, obwohl nicht ansatzweise auf dem selben Qualitätsniveau.

Fazit des Autors - ChronoMoogleKennt ihr diese fiesen „100-in-1“-Spielmodule, auf denen in Wahrheit aber nur vier verschiedene Spiele zig mal anwählbar sind? Burning Heroes ist vergleichbar damit. „RPG 8-in-1“. *seufz*! Weil das erste gespielte Kapitel trotzdem noch beste Unterhaltung bietet und die Story im Allgemeinen so gelungen ist, vergebe ich hier zähneknirschend noch eine sechs von zehn, da man die vorhandene Spielquälität einfach nicht abstreiten kann. Aber seid gewarnt: Mich hat nach 4 Kapiteln die Motivation verlassen.