Geschrieben von: Moi-Même · 17. August 2011 · Kategorie: RPG

Scoreboard 3x3eyes Moi Chibi3x3Eyes Seima Kourinden.000  sYakumo Fujii steckt Hals über Kopf in Problemen. Vor vier Jahren verschwand sein Vater im Gebirge Tibets, wo er irgend so ein mysteriöses Völkchen dreiäugiger, unsterblicher Menschen gesucht hat. Völlig auf sich allein gestellt ist Yakumo nunmehr gezwungen, in einer… nun ja, Schwulenbar sein Auskommen zu bestreiten. Ihgitt, ist ja ekelhaft!! Also, das mit den drei Augen. ;) Dass es besagtes Volk aber ganz augenscheinlich zumindest einmal gegeben haben muss, erkennt Yakumo, als Pai in sein Leben tritt; ein rätselhaftes Mädchen, das mehr als bloß zwei Augen auf ihn geworfen hat.

Freilich stellt sich heraus, dass Pai die letzte ihrer Art ist und fortan von Yakumo (wie dessen Augapfel) gehütet werden muss. Vermutlich stellt sich noch mehr heraus, doch was genau, ich weiß es nicht… »3x3 Eyes - Seima Kourinden« gibt's nur auf Japanisch, ob jemals eine Fanübersetzung kommt wär mal wissenswert. Das Spiel basiert auf irgendeinem Manga, aber worum's da geht, Kinder, was weiß denn ich. Ich weiß bloß was ich von Lizenzspielen halte: Gottchen, gar nichts, beim besten Willen nicht. Die gehen nämlich meistens übel in's Auge.

3x3Eyes Seima Kourinden.262  sAugen zu und durch: Aha, ein typisches Old-School-RPG. Der übliche 1st-Person-Kampfbildschirm, das gängige, mit umständlichen Menüs restlos überladene Gameplay, die traditionelle Pilgerroute Stadt -> Dungeon -> Stadt -> Dungeon. Okay, soweit nichts was mich stören würde, klassische Rollenspiele kann es nach meinem Dafürhalten eh nie genug geben. Dass 3x3 Eyes - Seima Kourinden aber selbst als „Dragon Quest-Klon“ noch überflüssig ist, belegt die erschütternde Einfallslosigkeit, mit der sich dieses Spiel selbst durchexerziert. Fünf göttliche Schlüssel sind offenbar für irgendwas weltbewegend wichtiges nötig, die wurden jedoch über die gesamte Welt verstreut… Bloß eine halb gefüllte Textbox braucht der einzig bedeutsame NPC des Spiels um euch zu verklickern, dass ihr alle fünf finden müsst. Danach könnt ihr den Endboss verhauen. Ich habe dieses Spiel in sage und schreibe sechs Stunden durchgespielt (für ein RPG ist so eine Spielzeit nie ein gutes Zeichen) und dabei fast kein Storytelling erlebt!!! Eine durch und durch uninteressante Hauptquest, ohne logischen Anfang, ohne Höhepunkte, zwar mit einem Ende, aber irgendwie ohne richtigen Schluss. Belanglosigkeit, so weit das Auge reicht.

3x3Eyes Seima Kourinden.003  s…Mit mindestens drei zugedrückten Augen ringe ich mir mal den wohlwollenden Kommentar ab, dass wenigstens das Setting halbwegs originell gewählt wurde: Von Hong Kong aus, wo Yakumo offenbar beheimatet ist, geht's nach Athen, über Mexiko, schließlich Tibet (…das diesem Spiel zufolge in Indien liegt!) und zurück. Reale Schauplätze, wie nett. Ist mal was anderes. Zweck der Weltreise sind unsere Aufwartungen in den Tempeln solcher Herrschaften wie Zeus, Apollon oder Quezacoatl. Der Ablauf ist immer gleich: Wir sammeln irgendwo ein Keyitem auf und besabbeln anschließend irgendeine Person, die daraufhin willig den Zugang zu einem der vier Hauptdungeons öffnet. Dann beginnt der Horror!!! 3x3 Eyes ist ein waschechter Dungeoncrawler, will sagen, fast die gesamte Spielzeit verbringt man in irgendwelchen Gemäuern. Wir bekommen es hier mit Endlosschleifen von exakt zwei Raumtypen zu tun: Quadratischen, mit Ausgängen in jeder Himmelsrichtung, und solchen, die schlichtweg aus einem zwei Schritte breiten Pfad bestehen. Auf jedem Stockwerk genau eine Schatzkiste. Keine Fallen. Keine Rätsel. Keinerlei Savepoints. Nur riesige, leere Labyrinthe… Da liebäugelt man mit dem Stromschalter.

3x3Eyes Seima Kourinden.081  sSchlitzäugigerweise überspielt 3x3 Eyes sein billiges Gamedesign dadurch, dass es dem armen Spieler alle drei Schritte einen Zufallskampf auf's Auge drückt. Ich muss ja gestehen, da habe ich irgendwann angefangen umzuschalten. Schon bitter, wenn man zugeben muss, dass das Vorabendprogramm beim juten RTL2 spannender ist als das Spiel, das man gerade zockt… Mit stupidem Buttonmashing kommt man die meiste Zeit gut aus, was etwas eigentümlich ist wenn man bedenkt, dass Seima Kourinden ja ein menügesteuertes, rundenbasiertes Kampfsystem à la Dragon Quest verwendet. Man könnte zwar wegrennen, Items einsetzen oder sogar zaubern, aber warum sollte man eigentlich, wenn's auch der Standardangriff tut? Wisst ihr, rein theoretisch ist 3x3 Eyes gar kein leichtes Spiel. Aber was tut das zur Sache, wenn man es in 50% aller Fälle bloß mit einem einzigen Gegner zu tun hat. Ach, apropos Gegner. Die ersten drei Dungeons benutzen, das muss man sich einmal vorstellen, ein und das selbe Monsterset. Erst ab der zweiten Hälfte dieses Spiels scheinen neue Feinde aufzutauchen. Das macht aber im Endeffekt keinen Unterschied, denn denen verpassen wir genauso beiläufig ein blaues Auge.

3x3Eyes Seima Kourinden.005  sGemeinhin heißt es ja, das Auge äße mit. Kann es ja in echt gar nicht… Gut so!! Denn im Fall von 3x3 Eyes müsste es hinterher konsequenterweise auch kotzen dürfen. Das ist ein kleines bisschen so wie bei »Mystic Quest«: Es gibt ein paar grafische Gimmicks, aber der Rest ist Rotze. Ich rede nicht von den Oberwelten, diese sind durchweg Mittelmaß. Überrascht hat mich außerdem, dass jeder kritische Treffer eine klitzekleine Zwischensequenz auslöst. Aber der Rest, Kinder... Der Rest!! Ich bin weiß Gott kein Grafikfetischist, doch was mich so entsetzt, ist die beinahe schon beleidigende Offenheit, mit der die Entwickler dieses Spiels ihre Faulheit zur Schau stellen. Die ständig gleichen Dungeons habe ich ja schon erwähnt. Aber schaut euch doch nur mal die Hintergründe auf dem Kampfbildschirm an: Immer wieder ein und das selbe Mauerwerk mit seinen vier Säulen (…dabei gibt es in den Dungeons gar keine Säulen!!). Die Gegnersprites wären akzeptabel, gäbe es denn mehr als zehn Stück von ihnen. Zum Sound: Tja, es ist eine Woche her, dass ich 3x3 Eyes gespielt habe. Ehrlich gesagt, ich kann mich nicht erinnern. Was wohl für sich sprechen dürfte. Wie sagt man? „Aus den Augen, aus dem Sinn“. ;-)

Fazit des Autors - Moi-MêmeDrei mal drei macht ... drei (widdewiddewitt ♪). Augenblick mal. Kann das hinkommen? Na klar! Bei Snesfreaks.com hängt das Endergebnis eben vom Auge des Betrachters ab. Die drei steht bei uns für „schlecht“ und das passt bei 3x3 Eyes - Seima Kourinden gleich dreifach wie die Faust auf‘s Auge: Verbockte Technik, verbocktes Gameplay, verbockte Lizenz. Was für ein unnötiges Spiel. *Memo an mich selbst*: Nächstes mal Augen auf beim Spielekauf.

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