Geschrieben von: Moi-Même · 24. Juli 2011 · Kategorie: Platformer

bewertungskasten_Knig_der_Lwen_ohne_sternLion_King__The_U.001png_thumbVideospielumsetzungen von Spielfilmen sind ja in der Regel dafür bekannt, recht zeitnah mit dem entsprechenden Streifen zu erscheinen. jedes Mal wenn ein neuer Film angekündigt wird, kann man davon ausgehen, dass sich das dazugehörige Lizenzgame schon in der Entwicklungsphase befindet. Bei solcher Art von Software handelt es sich um reines Merchandise, passgenau auf den durchschnittlichen Kinobesucher zugeschnitten. Genauso schnell verdaut wie ein Cheeseburger bei McDonalds und ebenso qualitätsfrei wie das Spielzeug, was man obendrauf bekommt.

Eine Koexistenz zwischen Film und Spiel ist in der Regel ausgeschlossen, da die Hauptausgaben und die Visionen des Produzenten erst mit dem Film entstanden sind. Ein System welches sich seit den letzten 17 Jahren nicht wirklich geändert hat… 

Klingt nach einer entmutigenden Einleitung, nicht wahr? Der Kandidat dieser Review stammt aus den gleichen Gefilden, war jedoch gleichzeitig der Titelträger meines Lieblingsdisneyfilmes. Und so kommt es das man dem Drang nicht wiedersteht und es trotzdem einfach mal versucht. Die meisten Disneyspiele wurden damals von Capcom entwickelt und die boten kurzweilige Spielunterhaltung par exellence. 

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Bei König der Löwen war allerdings diesmal Westwood der Entwickler, bestens bekannt für Echtzeitstrategie à la Dune, später auch Command & Conquer. Westwood hat also im Auftrag von Disney ein Jump`n`run zu dem Film „Der König der Löwen“ entwickelt...? Das klingt in erster Linie wie Perlen vor die Säue werfen, doch das Spiel bietet fernab der üblichen Lizenzgame-Klischees zahlreiche Eigenheiten, welche es von anderen Filmspielen abheben. Storytechnisch hält sich das Game im groben strikt an die Originalgeschichte. Damals wie heute fasziniert mich die Geschichte über den Tod, die Überwindung der Ängste und das Erwachsenwerden.

 Mit „im groben“ meine ich, dass es sich um ein 2D Jump`n`run handelt, daher wird die Geschichte als Levelreihenfolge erzählt, was ja an sich nichts Neues ist. Wobei erwähnt werden muss, dass es hier und da kleine Einschnitte gibt: z.b. am Ende des ersten Levels die Szene wo Mufasa (Simbas Vater) mit seinem Sohn auf den Königsfelsen steht und tatsächlich mit englischer Sprachausgabe die Zeile: “ Everything the light touches, is our kingdom.“ aus dem Originalfilm zitiert.

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Ein großer Faszinationspunkt ist die großartige Kulisse, welche im Spiel sehr liebevoll  und an dem Film angelehnt umgesetzt wurde. Jedem Schauplatz im Film entspricht mindestens ein Level.. Gutes Beispiel dafür ist die musikalische Einlage „Can`t wait to be King“, dessen grober Verlauf das zweite Level behandelt: viele Punkte wie das festhalten an Nilpferdschwänzen oder das reiten auf einem Straus sind dort vorkommende Geschicklichkeitseinlagen. Ebenso erklingt dort das passende Musikstück aus dem Film im MIDI Format, Fans des Films dürften sich sofort heimisch fühlen. 

Insgesamt ist die grafische Gestaltung schon bemerkenswert für Super Nintendo-Verhältnisse. Das gilt nicht nur für die Hintergründe an sich, sondern auch für die Sprites, welche sehr liebevoll und detailliert dargestellt worden sind, insbesondere Simba als Hauptcharakter macht mit seiner Palette an Animationen eine gute Figur. Das Festhalten an Klippenvorsprüngen, der Sprung auf den Kopf einer Hyäne, das Ducken, das Rennen und noch viele weitere Standartaktionen wurden mit einen derart großen Detailgrad versehen das mir damals fast die Augen vor Entzücken rausgefallen sind.

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Zum Gameplay: Man spielt die ersten 6 Level lang den kleinen Simba. Seine Aktionen beschränken sich aufs Springen, Rennen, Ducken, Rollen und Brüllen. Um Gegner zu besiegen muss man auf sie drauf springen oder sie durch Brüllen erschrecken. Richtig kämpfen tut man erst, wenn man erwachsen ist. Die Steuerung ist dabei ein wenig gewöhnungsbedürftig:
 Simba steuert sich vom Gewicht recht leicht, springt aber zu kurz, wenn der Anlauf nicht stimmt. Ausserdem ist das Springen mit der Sprungtaste im Gegensatz zu spielen wie Super Mario World 2 ein wenig verzögert, so dass man häufiger selbst an leichten Sprüngen scheitert. Das mag sich umständlich anhören, doch schon nach kurzer Zeit bekommt man ein Gefühl für die Physik. Es ist nun mal ein Unterschied, ob man es mit einen Löwenwelpen oder einen ausgewachsenen Löwen zu tun hat! Und das ist für mich der Clou: Als großer Simba ist das Gameplay kampflastiger und dank neuer Angriffe und Combos absolut beeindruckend anzusehen. Der neue Kampffokus tut dem Spiel gut und Geschicklichkeitseinlagen bleiben trotzdem vorhanden. So wird Monotonie vermieden.

001_thumbAllgemein macht der Große Simba von der Animationsqualität eine sogar noch viel bessere Figur. Ob man einsteckt oder austeilt, alles wurde sehr ansehnlich inszeniert. Vor allem aber fühlt man leichte Veränderungen in der Steuerungsintensität. Der größere Simba spielt sich noch ein Stück weit träger, dem passen sich die Levels vom Design auch an. Daher kann man schon behaupten, dass man das Gewicht von Simba spüren kann, so und nicht anders muss sich eine Videospielfigur anfühlen! Ein weiteres Merkmal ist der sehr hohe Schwierigkeitsgrad, der gelegentlich leicht ins Unfaire abdriftet, z.b bei den erwähnten Sprungpassagen. Das Spiel hat keinerlei Speicherfunktion, so dass man das Spiel am Stück durchspielen muss. Als Kind habe ich es nie über das fünfte Level hinaus geschafft, was schon was heißen muss, da die meisten schon beim zweiten Level entnervt aufgeben. Immerhin gibt es zahlreiche Geheimnisse in den Levels, wie die Erweiterung der Brüll- und Lebensleiste oder der Eintritt in so manches Bonuslevel, in denen man mit Timon und Pumba auf recht einfache Weise massig Extraleben abstauben kann.

003png_thumbEs gibt im Spiel drei Schwierigkeitsgrade. Beim leichten wird man mit Anfangsleben überschüttet. Damit ist König der Löwen zwar immer noch kein leichtes Spiel, im Großen und Ganzen bewirkt jeder Neustart des Spiels aber sowieso immer ein Fortkommen auf der Lernkurve, da viele Passagen einfach auswendig gelernt werden müssen. Mir hat das persönlich nie etwas ausgemacht, da die vielen Geheimnisse auch nach mehrmaligem Scheitern noch dazu motivieren, es gleich nochmal zu probieren. Ein besonderer Level ist übrigens der vierte. Die Rede ist von Simbas Flucht von der Gnu-Stampede, in der sein Vater Mufasa zu Tode kommt. Man muss einer aus dem Bildschirm herauslaufenden Herde Gnus links und rechts ausweichen und dabei auf kommende Stolpersteine aufpassen. So sehr ich die Abwechslung auch schätze, damals war der Super Nintendo von seinen Möglichkeiten her einfach noch nicht reif für solch ein Level. die Abstände der Gnus zu Simba lässt sich sehr schlecht abschätzen. Die Perspektive wollte offenbar irgendeine Art 3D-Level erzeugen. Leider ist dies den Entwicklern nicht wirklich gelungen.

Fazit des Autors - AgeleszlyKinder, welche, wie ich schätze, die eigentliche Zielgruppe des Spiels sind werden sich wahrscheinlich überfordert fühlen wer allerdings auf schwere Jump`n`run`s steht wird viel Zeit mit dem Spiel verbringen, bis er es dann endlich bewältigt hat, ähnlich die Gruppe die wie ich sehr vom Film angetan sind. Wie gewöhnlich bei Filmspielen lastet auch auf diesem der Fluch von der Abhängigkeit vom Drehbuch. Doch das ist dann auch schon alles, das Spiel ist bei weitem Anspruchs- und liebevoller inszeniert als sonstiger Filmspiel Kram der sich so auf dem Super Nintendo tummelt.

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