
Dracula is back! Eine Legende in Transsylvanien besagt, dass das Böse alle 100 Jahre in die Welt zurückkehren kann. Freilich sind diese 100 Jahre genau jetzt um und Dracula wandelt wieder auf Erden. Nach den drei genialen NES-Versionen stellt sich die Frage: Kann Castlevania auch in der 16 Bit-Ära an die Erfolge der Vorgänger anknüpfen? Die Antwort lautet eindeutig: Ja! Super Castlevania IV ist im Prinzip ein Remake des ersten NES-Teils. Dennoch verpasste Konami diesem Titel genügend Eigenständigkeit und lieferte ein weiteres Meisterwerk ab.
Der Spieler schlüpft also in die Rolle des Simon Belmont, dessen Familie sich bereits seit hunderten von Jahren dazu bequemen muss, den Vampirfürsten wieder zurück in seine Gruft zu peitschen. Nach dem Ur-Castlevania sowie Simons Quest ist Super Castlevania IV bereits Monsieur Belmonts dritte Privatinquisition und geändert hat sich an seiner Vorgehensweise eigentlich kaum etwas: Das Spiel ist getreu den Vorgängern aufgebaut und in elf Levels unterteilt. Ziel ist es, den Levelausgang zu erreichen.
Man steuert Simon Belmont von links nach rechts durch ein klassisches Platformerlevel und befördert dabei mit der nicht minder klassischen Peitsche unzählige Geschöpfe der Dunkelheit ins Jenseits (oder wo auch immer sie hinkommen mögen). Die Peitsche kann man in zwei Stufen aufleveln und so für mehr Schaden sowie eine größere Reichweite sorgen. Ihre Steuerung ist sehr intuitiv und leicht erlernbar. Zusätzlich zur Peitsche kann Belmont den Schergen Draculas auch mit Sekundärwaffen die Hölle heiß machen: In den Leveln findet ihr, in Kerzenhaltern "versteckt", Gegenstände wie einen Bumerang, Weihwasser, Wurfmesser, Axt und natürlich auch ein Kreuz. Diese Zweitwaffen könnt Ihr jederzeit einsetzen, sie verbrauchen allerdings Herzen. Diese findet ihr ebenfalls in den Kerzenhaltern und so mancher Gegner lässt beim Ableben auch noch eines fallen. Natürlich haben die Sekundärwaffen jeweils ihre Vor- und Nachteile; Die Wurfmesser sind zum Beispiel äußerst akkurat, richten dafür aber nur wenig Schaden an. Die Axt ist dagegen schon deutlich mächtiger, verlangt dem Spieler allerdings auch eine Menge Präzision und Timing ab.
An Bösewichtern fehlt es auch dieses Mal nicht. Von vermoderten Zombies über Werwölfe bis hin zum Tod selbst, stellen sich Euch Horden von Geschöpfen in den Weg, bis ihr dann schlussendlich Dracula gegenübersteht. Dabei kann Super Castlevania IV zuweilen recht schwer sein: Die Level sind gespickt mit diversen Fallen und kniffligen Sprungpassagen. Eine interessante Neuerung im vierten Teil: man kann nun die Peitsche benutzen, um große Abgründe zu überwinden. Also Peitsche hervor und sicher auf die andere Seite geschwungen. Wenn man die haarsträubenden Sprungpassagen und die Horden an Gegnern überlebt hat, stellt sich einem am Levelende noch ein Boss in die Quere. Diese Bosse benötigen allesamt eine spezielle Taktik und haben eine lange Energieleiste. Als Bosse treten z.B auf: Medusa, Frankenstein. Gargoyle, Mumie oder ein riesiger Totenkopf inklusive langer Zunge! Allesamt sind aber mit der richtigen Taktik bezwingbar, so dass ich mich guten Gewissens für die Fairness des Schwierigkeitsgrades verbürgen kann. Mit Geduld und Übung schafft man jede noch so heikle Sprungpassage und jeden übermächtigen Boss.
Grafisch ist das Spiel sehr schön gemacht. Obwohl es relativ früh in der SNES-Ära veröffentlicht wurde, ist es auch heute noch sehenswert. Vermoderte Zombies, Ritter, Wasserungetüme - alle wurden mit viel Liebe zum Detail modelliert und gut animiert. Die Bosse sind riesengroß und zum Teil sogar mit dem berühmten Mode 7-Effekt in Szene gesetzt worden. Die Level sind ebenfalls auf der Höhe der Zeit. Sie sind gespickt mit kleinen sowie feinen Details wie wachsendem Unkraut, Mondschein, Nebel usw. Damit verbreiten sie eine unglaublich düstere Atmosphäre, welche hervorragend zum Spiel passt. Auch hier kommt der Mode 7-Effekt zum Einsatz. Wenn man sich in schwindelerregender Höhe durch einen Glockenturm mit Zahnrädern kämpft und plötzlich auf einem baumelnden Kronleuchter steht, staunt man nicht schlecht, was das SNES so alles leisten kann. Musikalisch ist das Spiel der absolute Ohrwurm. Herrliche Orchestermelodien auf höchstem Niveau verwöhnen euch während des gesamten Abenteuers. Selten hörte man in einem Spiel einen derart hitverdächtigen Soundtrack. Jedes Level wird somit perfekt vertont.
Abschließend bleibt nur noch zu sagen, dass Super Castlevania IV nicht umsonst als eines der besten Castlevanias angesehen wird. Selten sah, hörte und spielte man besser. Gameplay-technisch betrachtet einzige Kritikpunkte sind die wirklich zum Teil frustigen Hüpfpassagen und die teilweise schweren Bosse, manch einem könnten allerdings auch noch die Versionsunterschiede negativ aufstoßen: Die japanische Version ist inhaltlich identisch mit der PAL-Version. In der PAL fehlen jedoch verschiedene religiöse Bezüge oder blutige Grafiken, wie zum Beispiel eine halbnackte Statue. Leichen im Hintergrund fehlen in der PAL-Version vollständig. In der NTSC-US-Version tropft ferner auch noch Blut vom Anfangslogo. Am extremsten traf es den Dungeonlevel des Schlosses. In der PAL-Version ist der ganze Level mit Schleim überwuchert, während in der NTSC-US Version alles blutüberströmt ist. Die US-Version ist ebenso wie die PAL-Version zensiert. Da Super Castlevania IV aber abgesehen vom Intro völlig ohne Text auskommt, spricht eigentlich nichts dagegen die japanische Version zu spielen, zumal diese auch deutlich günstiger sein dürfte.
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