Geschrieben von: Christian · 03. Dezember 2010 · Kategorie: Platformer

bewertungskasten_smaSuper_Mario_All-Stars_Europe.000png_thumbMit dem Release des Super Nintendos einher ging Anfang der Neunziger auch die Veröffentlichung des genialen Jump ’n’ Runs Super Mario World. Die neuen Abenteuer des Klempners in der Latzhose waren umfangreicher, spektakulärer und komplexer als je zuvor. Schon bald lugte so manch treuer NES-Fan neidisch herüber zum 16 Bit-Ufer, doch eine Vielzahl von herrlichen Spielen ließ ihn seiner Konsole treu bleiben. Unter anderem auch die sagenhaft genialen Mario-Titel. Vielleicht wollte Nintendo die eingefleischten NES-Jünger endgültig davon überzeugen, zum SNES zu wechseln. Vielleicht wollte man aber auch den neuen 16 Bit-Verehrern zeigen, dass man mit einem SNES nicht auf den grandiosen Spielspaß des Vorgängers verzichten muss. Genaues weiß man nicht, sicher ist nur eines: Im Herbst 1993 brachte Nintendo eine kleine Compilation auf den Markt, die im Jump ’n’ Run-Sektor gnadenlos abräumte und jedes andere Modul locker in die Tasche steckte.

Mit Super Mario Allstars erhielt der Käufer quasi vier Spiele in einem. Vom NES sattsam bekannt waren Super Mario Bros. 1 bis 3. Als kleines Bonushäppchen garnierte Nintendo die Sammlung mit dem japanischen Super Mario Bros. 2, dem Super_Mario_All-Stars_Europe.049png_thumbeigentlichen Originalspiel, und packte es als „Lost Levels“ mit auf die Platine. Während sich nämlich die Japaner über ein Super Mario Bros. 2 freuen durften, das dem ersten Teil mehr als ähnlich war und durch gesteigerte Härte auffiel, musste sich der Rest der Welt als Mario-Nachfolger den japanischen Titel „Doki Doki Panic“ andrehen lassen, in dem schnell einige Charaktere ausgetauscht wurden. So wurde das Spiel Mario-tauglich gemacht, und in ganz Europa wunderte man sich, warum die Gegner nicht mehr starben, wenn man ihnen aufs Haupt hüpfte.

Eine der schlimmsten Krankheiten der frühen NES-Spiele waren stets fehlende Speichermöglichkeiten. Fiel dies bei Super Mario Bros 1und 2 noch nicht so arg ins Gewicht, wurde es beim dritten Teil nahezu ein Ärgernis. Der bot dem Spieler nämlich eine für die damalige Zeit gigantische Spielwelt mit endlos vielen Levels, zahlreichen verschlungenen Wegen und mit einigen Verwandlungsmöglichkeiten für Mario auch ein erhebliches Mehr an Spieltiefe. Den ganzen Umfang dieses Spiels am Stück zu genießen, nahm damals also sehr viel Zeit in Anspruch. Bei Super Mario Allstars ist dieser Missstand behoben. Das Modul bekam eine Batterie spendiert, was bedeutet, dass jedem der vier Spiele einige Speicherplätze zur Verfügung stehen. Nach jedem absolvierten Level speichert das Spiel selbsttätig. So ist also nun auch Super Mario Bros. 3 bequem in kleinen Häppchen genießbar.

Super_Mario_All-Stars_Europe.006png_thumbMan muss nun kein Brancheninsider sein, um zu wissen, worum es in den einzelnen Titeln geht. Der erste Teil von Super Mario Bros. ist international bekannt und begründete Mitte der Achtziger ein komplett neues Genre. Die Fortsetzung ließ nicht lange auf sich warten, war jedoch wie bereits anfangs beschrieben weltweit nicht einheitlich. Der dritte Part der Saga galt lange als das beste Jump ’n’ Run aller Zeiten. Riesige Welten, in ihrer Kreativität und ihrem Abwechslungsreichtum wegweisend, eine Vielzahl frischer Ideen, herausragendes Leveldesign und eine immense Langzeitmotivation; Super Mario Bros. 3 ließ die Spielerwelt in Verzückung geraten. Nintendo hat das Design und Konzept der Klassiker bei der Portierung unangetastet gelassen. Das fantastische Gameplay wurde nahezu 1:1 übersetzt. So steuert sich Mario aus Teil 1 auf dem SNES nahezu identisch mit seinem NES-Pendant.

Super_Mario_All-Stars_Europe.020png_thumbDie technische Seite wurde natürlich einer Generalüberholung unterzogen: Die grafisch eher bescheidenen Originalversionen wurden mit frischen Farben versehen, sanften Schattierungen und sauber gezeichneten Hintergründen. Dennoch achtete Nintendo darauf, den Charakter der Originale beizubehalten. Daraus resultierte dann eine grafische Gestaltung, die zwar hinter Super Mario World zurückbleibt, was man dem Modul aber nicht als Nachteil auszulegen vermag, spielt hier doch auch die nostalgische Komponente eine Rolle. Wenngleich der Mode 7-Chip oder sonstige Fähigkeiten des SNES in dem einen oder anderen Moment trotz allem hätten sinnvoll genutzt werden können. Die musikalische Seite des Spiels überzeugt ebenfalls. Die klassischen Kompositionen wurden wieder möglichst originalgetreu portiert und mit dem SNES neu eingespielt. Hier ging man aber irgendwo zu behutsam an die Vorlagen, denn es beschleicht einen oft das Gefühl, dass hier Potential verschenkt wurde. Anstatt bombastische, orchestrale Sounds zu inszenieren, beschränkte man sich darauf, möglichst nahe an der 8 Bit-Vorlage zu bleiben.

[Es existiert eine zweite Version von Super Mario Allstars, der neben den hier erwähnten Titeln auch der SNES-Starttitel Super Mario World beigefügt wurde. Unsere Wertung bezieht sich allerdings nur auf die weitaus mehr verbreitete erstere Fassung, die im Gegensatz zu letzterer auch als reguläre Kaufversion in Deutschland veröffentlicht wurde.]

Fazit des Autors - ChristianFür einen Jump ’n’ Run-Spieler ist dieser Titel eine Offenbarung. Die spielerische Brillanz der alten Mario-Titel ist in einwandfreier Art und Weise aufs SNES portiert worden. Die eingebaute Batterie verleiht den Klassikern nun auch den letzten nötigen Komfort. Der ist vor allem bei „Lost Levels“ auch notwendig; der eigentliche Nachfolger zum ersten Mario ist stellenweise dermaßen knochenhart, dass Ungeübte schnell verzweifeln. Vor allem der zweite Durchgang nach erstmaligem Durchspielen verlangt völlige Konzentration und fehlerfreies Spielen. Meckern muss man lediglich über ungenutzte technische Möglichkeiten. Vor allem im musikalischen Bereich hat Nintendo viel zu zaghaft gearbeitet, hier hätte das SNES deutlich mehr leisten können. Da am Ende aber sowieso nur der Spielspaß zählt und der hier in Tonnen vorhanden ist, kann man dieses Modul nur zu einem absoluten Pflichtkauf erklären und es zu den wichtigsten Spielen der gesamten SNES-Ära zählen. Ein Musskauf für jeden ernsthaften SNES-Spieler.

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