Geschrieben von: treasurecollector · 24. Oktober 2010 · Kategorie: Platformer

bewertungskasten_super_troll_islands_ohne_stern                                                                          Eine Puppe als Videospielvorlage

Super_Troll_Islands_Europe.023png_thumbKennt ihr noch diese kleinen Trollpuppen mit den lustigen Haaren, die man als Kind gerne dazu missbraucht hat, ihnen alle möglichen verrückten Frisuren auf den Kopf zu zaubern? Damals hatte eigentlich jeder so einen Troll, genau wie später diese schrecklichen Mini-Nuckel! Die Trolle kommen übrigens aus Dänemark und waren dort ein Riesenhit, der eigentlich schnell weltweit Verbreitung fand und ein Riesenerfolg wurde. Daraufhin dachte sich wohl der kleine Entwickler MILLENIUM INTERACTIVE, er könne an dem Erfolg der kleinen Trolle teilhaben und lizensierte sich die Rechte für eine Videospiel-Umsetzung für das SNES. Wobei es eh schon kurios genug ist, eine kleine Puppe als Videospiel-Vorlage zu nehmen, ist es noch erstaunlicher, was sich die Entwickler dabei haben einfallen lassen, denn eine Geschichte über die kleinen Biester, äh Entschuldigung, liebenswürdigen kleinen Trolle ist praktisch nicht existent. Das Spiel ist eigentlich ein klassisches Jump'N'Run, und alle Level sind ziemlich gleich aufgebaut. Sie unterscheiden sich lediglich in ihrer Größe, ihrem Umfang und ihrem Thema. Am Anfang noch auf einen Screen beschränkt, nehmen die späteren Level unübersichtliche Ausmaße an.

                                                          Kurioses Spielprinzip

Super_Troll_Islands_Europe.032png_thumbZu Beginn eines Levels ist die ganze Umgebung (bis auf der Troll und seine Gegner) grau und farblos. Anscheinend hat irgendeine höhere Macht der ganzen „Super Troll Island“ ihre Farbe entzogen. Wann, wieso oder warum? Das Spiel lässt uns in der Hinsicht im wahrsten Sinne des Wortes im dunkeln. Da ihr ja kleine, glückliche Trolle seid, ist euer Ziel in dem Spiel, wieder Farbe in die ach so graue Welt zu bringen. Wie man das macht? Einfach über alles was grau ist rüber trampeln. Allem Anschein nach sondern Trollfüße Farbe ab, denn sobald man über etwas läuft, ist es sofort wieder Farbig. Und nicht nur einfarbig. Es wird richtig bunt. Alle Level sind grundsätzlich mit mehreren Plattformen ausgestattet, die wiederum mit Leitern verbunden sind. Stellt euch das so vor, als ob sich durch die Leitern ein Rechteck ergibt. Wenn man diese Plattformen (inklusive der Leitern die sie verbinden) wieder farbig trampelt, öffnet sich zwischen diesem ein Blick in den Hintergrund, der vorher verborgen war. Und das ist auch das eigentliche Hauptziel der Level. Klingt verrückt? Ist es irgendwie auch! Viele Level haben des Weiteren Objekte im Hintergrund, wie Bäume, die man nur mit einem Tornado in Farbe eintauchen kann. Tornados sind als Items in den Leveln verteilt, und sind eure einzige Spezialattacke. Mit ihr könnt ihr des Weiteren Gegner ganz einfach platt machen in dem ihr sie nur berührt. Da das primäre Ziel allerdings ist, die Welt wieder einzufärben, spare ich mir oft den Tornado für spezielle Situationen auf.

                                                                                                      LAAAAAANGWIEEEERRRIIIIIGGG

Super_Troll_Islands_Europe.010png_thumbOft kommt man in die Situation, in der gefühlte hunderte solcher Plattformen mit passenden Leitern verteilt sind. Irgendwann denkt man, das nun alles wieder in wundervoller Farbpracht glänzt, bis man merkt das das Level doch nicht zu Ende ist. Denn: Ein Level ist erst dann komplett beendet, wenn alle Plattformen inklusive deren Leitern farbig sind (und man somit wieder zwischen den Plattformen in den Hintergrund gucken kann). Manchmal übersieht man einfach ein kleines Stück. Hat man das Level beendet fliegen einem Törtchen und anderes Gedöhns entgegen, das man einsammeln kann, in dem man den L oder R Knopf drückt, wenn unser kleiner Troll etwas in der Hand hält. Da so ca 20 Items auf einmal rausgeflogen kommen, fühlt man sich dazu genötigt, wie ein Bekloppter hin und her zu laufen und die L und R Knöpfe zu missbrauchen, denn man möchte ja bloss kein Item verpassen. Die Törtchen brauch man übrigens für die unterschiedlichsten Gegner die in den Leveln verteilt sind. Da gibt es laufende Steine, Fledermäuse (ach, wer liebt sie nicht), Pilze und noch viele andere kreative und einfallsreiche Charaktere (VORSICHT IRONIE). Das Beste ist: Hier schiesst man keine Gegner ab. Nein. Man knallt ihnen gezielt eine Torte ins Gesicht. Da das natürlich niemanden aus den Latschen reisst, ist der gute Troll-Gegner fürs erste nur paralysiert und verwandelt sich in einen seltsamen Stern. Und was macht man als Troll mit Sternen? Genau, man isst sie einfach auf, in dem man sie berührt. Ja wirklich. Man sieht den Troll sogar schmatzen und krümeln. Bei mir hat sich die Strategie durchgesetzt, mich erstmal um die kleinen Biester zu kümmern. Diese können einem sonst nämlich, das sonst so farbenfrohe Leben auf der Trollinsel wirklich zur „schwarz weissen“ Hölle machen. Und mit vollem Magen ist es auch gleich viel einfacher die Welt wieder in Farbe einzutauchen. Das Spiel kann sich unglaublich in die länge ziehen. Gerade spätere Level besitzen so viele Plattformen, das man sich manchmal wünscht das Level wäre doch endlich zu Ende. Ich habe mit ein paar Pausen ungefähr vier Stunden gebraucht, es komplett durchzuspielen, und die brauch man auch, da das Spiel keine Passwort oder Speicherfunktion besitzt. Hat man ein Level geschafft, lacht einem eine wild hüpfende, grenzdebil grinsende, Sonne entgegen. Dann kommt ein Screen mit einem zoomenden, lachendem Trollgesicht, mit der Information wie viel Prozent des Levels man in herrliche Trollfarbe eingetaucht hat, sowie die Anzahl der eingesammelten Schätze.

                                                                Steuerung und Gameplay

Super_Troll_Islands_Europe.000png_thumbEs gibt vier verschiedene Trolle, wobei jeder eine andere besondere Fähigkeit hat. Der blaue Troll z.B. kann im Wasser schwimmen, was sonst keiner der anderen Trolle kann. Der pinke Troll kann besonders hoch springen. Und der orange Troll kann extrem schnell rennen. Einzig der grüne Troll scheint eine Art „Durschnitts-Troll“ zu sein, den bei ihm konnte ich keine besondere Fähigkeit erkennen. Viele der Trolle sind so agil und schnell, das die Level manchmal gar nicht ihren eigentlichen Fähigkeiten gerecht werden. Man kann übrigens jederzeit seinen aktuellen Troll mit der Select-Taste ändern. In manchen Leveln ist es sogar nötig, relativ strategisch mit den einzelnen Fähigkeiten vorzugehen. Eure Lebensenergie wird in Form von Kleeblättern dargestellt. Maximal vier Kleeblätter kann ein Troll in seinem farbenfrohen Leben besitzen. Sterben kann man nicht. Denn wenn keine Kleeblätter mehr vorhanden sind verliert man nicht ein Leben, nein, hier legt sich der betroffene Troll einfach erstmal ne runde schlafen. Ein schlafender Troll ist dann auch nicht mehr spielbar. Schlafen alle vier Trolle, muss man ein Continue benutzen. Insgesamt bietet einem das Spiel drei Continues, danach heißt es Game Over. Übrigens: Die einzige Möglichkeit, einen Troll aus dem Schlaf zu reissen, ist ein Wecker, der ab und zu in den Leveln zu finden ist. Allerdings ist er relativ selten zu finden. Troll-Schlaf scheint kostbar zu sein. Des Weiteren ist mir ein negativer Punkt aufgefallen: Bei vielen Spielen dieser Art, lässt sich von einer Plattform springen in dem man nach „unten“ gedrückt hält und dann den Springen-Knopf drückt. Das ist bei diesem Spiel nicht möglich, obwohl es einiges erleichtern würde. Um eine Plattform unter euch zu erreichen, müsst ihr also entweder eine Leiter nehmen, oder die aktuelle Plattform verlassen um von unten wieder auf die tiefere Plattform rauf zu springen. Eigentlich unnötig kompliziert. Das Spiel hat insgesamt 50 Level. Hin und wieder gibt es mal ein Bonuslevel und ungefähr alle 10 Level ändert sich das Thema (es gibt Strand-Level, einige Level mit Schloss Thema, später auch weltraumartige Level etc.). Die Grafik ist stets recht niedlich und stellenweise sogar witzig. Eine weitere Kuriosität ist der Fakt, das es KEINE Endgegner oder Bosse gibt. Die einzige Einstellmöglichkeit, die das Spiel einem in den Options bietet, ist übrigens die Richtung, in der die Trolle ihre Haare gekämmt haben. Im Spiel gibt es hin und wieder auch einen Kamm zu finden, der auch die Haarrichtung ändert. Ich weiss zwar, das genau die Haare das „tolle“ an den Troll-Puppen waren, aber der Sinn dieser Funktion bleibt mir trotzdem bis heute verschlossen.

Fazit des Autors - TreasurecollectorTROLL TROLL TROLL ... Was sich liest wie ein Drogen-Trip oder Fiebertraum, ist in Wirklichkeit ein recht normaler Plattformer mit einer seltsamen, einzigartigen Spielmechanik. Das Spiel ist zwar irgendwie unglaublich trashig, aber irgendwie auch wieder unglaublich gut. Ja ich würde sogar sagen, hat man sich mit dem Mängeln des Spiels arrangiert, macht es sogar richtig Spass. Wer Plattformer mag, und mal etwas aussergewöhnliches und völlig gewaltfreies sucht, sollte hier zugreifen. Das Spiel sollte lose für ungefähr 5 Euro zu bekommen sein, in OVP ist es etwas mehr wert da relativ selten (so bis maximal 20 Euro, je nach Zustand).