Die einen werden mit dem Namen Whirlo wohl nicht viel anfangen können, andere werden aufgeregt aufspringen und ihren Kontostand prüfen, wenn sie das Spiel irgendwo zum Verkauf angeboten sehen. Denn Whirlo (PAL) ist eines der seltensten und wertvollsten Spiele für das Super Nintendo! Doch gibt es auch noch andere Kaufgründe als Seltenheit und Wert? Um dies herauszufinden, habe ich mir die günstige japanische Version des Spiels, Sandra no Daibouken, für dieses Review vorgenommen.
Von der Story bekommt man ohne Japanischkenntnisse natürlich nicht so viel mit, nur so viel: Euer Dorf ist bedroht und ihr stürzt euch mit eurem kleinen grünen Helden ins Abenteuer, um das Volk doch noch zu retten. Und so geht eure Reise in diesem Genremix aus Jump'n'Run und Action-Adventure dann auch schon los, unter anderem durch eine verschneite Wintergegend, eine Feuerlandschaft, eine Höhle, übers Meer, in einen bewohnten Wald und zum Schluss dann sogar noch in den Weltraum.
Hierbei trifft man auch immer wieder mal auf Feinde, die man mit seiner Waffe bekämpft. Ansonsten hüpft man über Abgründe, klettert über Hindernisse oder stellt sich kleineren Aufgaben wie dem Auslösen einer Schneelawine oder dem Auframmen einer Türe. Die Hüpfpassagen selbst sind ebenfalls erfreulich vielseitig, aber verlangen auch sehr genaues Timing von euch ab - mal werdet ihr hier von steigender Lava auf Trab gehalten, dann von einer Flutwelle verfolgt, kämpft euch an schmalen Plattformen nach oben oder werdet sogar von Geistern verfolgt.
Für Abwechslung ist also gesorgt, immerhin beherrscht ihr zusätzlich mehrere verschiedene Attacken, die euch helfen werden, euer Abenteuer zu bestehen. Zuerst einmal wären hier die verschiedenen Sprungarten: Denn ihr könnt nicht nur normal hüpfen, sondern verfügt auch noch über eine Weit- und Hochsprungtechnik, mit der ihr euch von Plattform zu Plattform vorwärts kämpft. Manchmal müsst ihr auch eine Wirbelattacke ausführen, mit der ihr euch zum Beispiel durch Schneewände bohrt, oder Gegenstände, die etwas höher gelegen sind, rammt.
All diese Moves werden immer wieder von euch abverlangt. An manchen Stellen ist es dann sogar richtig knifflig herauszufinden, welche Attacke man am besten ausführen sollte: Der Weitsprung zum Beispiel dient nämlich nicht nur dem Überspringen von breiten Gräben, sondern beschleunigt auch eure Geschwindigkeit - was an diversen Stellen das einzige sein wird, das euch vor der anrollenden Flutwelle noch retten kann.
Die Level selbst sind alle recht ansprechend gestaltet und auch die Gegner sehen nicht immer gleich aus, sondern wurden an den jeweiligen Landschaftstyp angepasst. In der Winterlandschaft bekommt ihr es beispielsweise mit Schneebällen zu tun, in der Höhle mit giftsprühenden Pilzen usw. Insgesamt kann die Grafik überzeugen. Auch der Sound sowie die Soundeffekte sind stimmig, besonders im Menü ist die Melodie sehr ohrwurmlastig, in den Level selbst eher hintergründig und unauffällig.
Also ist Whirlo ein richtiges Must Have? Nun ja, das nun auch wieder nicht, denn der große Haken an der Sache ist die Steuerung. Weit- und Hochsprung führt man beide mit dem A-Knopf aus; welchen Sprung man nun macht hängt dann davon ab, ob man den Knopf nur ganz kurz oder ein klein wenig länger drückt. Hier ist es eigentlich schon vorhersehbar, dass man mit einem elegantem Hochsprung in so manchem Abgrund landet, der eigentlich mit einem Weitsprung überwunden werden sollte. Auch dass man für jeden Sprung erst Anlauf nehmen muss, um hoch genug zu springen, nervt einen bei den vielen schmalen Stellen besonders in der letzten Welt ziemlich.
Was das Spiel ebenfalls noch erschwert, ist, dass man keine Energieleiste hat, sondern gleich beim ersten Treffer bereits stirbt. Doch zumindest bekommt man nach jedem Abschnitt Passwörter und startet mit stolzen 7 Leben, was die schweren Stellen dann wieder ein wenig ausgleicht. Schaffbar ist das Spiel also - aber bei weitem nicht ohne Frust.
Eine Stelle gibt es übrigens auch noch in Welt 3, die ohne Japanischkenntnisse in bloßes Gerate ausartet. Hier gilt es, eine Person ausfindig zu machen, die bestimmte Charaktereigenschaften besitzt. Also startet man dann einfach mal blind seine Befragung der verschiedenen Männer und hofft, dass irgendwann endlich mal der richtige dabei ist. Dies ist zum Glück die einzige unverständliche Stelle im Spiel, ansonsten verpasst man höchstens noch ein paar Hilfestellungen zu den Rätseln, was aber nicht weiter ins Gewicht fällt.