
"Der liebe Herrgott weiß, dass ich kein Engel bin. So'n kleiner Teufel, steckt doch in jedem drin." So singt es eine ziemlich bekannte Kapelle aus Köln treffend über unser aller Gemüt. Und wie steht es schon geschrieben, im Buche aller Bücher? "Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein." Nervt es angesichts dessen nicht unheimlich, dass uns als Spielhelden stets stereotypische Saubermänner à la Mario und Gefolge vorgesetzt werden? Wäre es nicht irgendwie viel schöner, auch mal auf der dunklen, bösen Seite spielen zu dürfen und nach Herzenslust zu morden, meucheln und sündigen?
Etwas ähnliches müssen sich im Jahre 1994 wohl auch die Entwickler von Banpresto gedacht haben, als sie sich an die Versoftung des (in Japan ziemlich erfolgreichen) Mangas Go Go Ackman machten. Die Geschichte des Spiels ist recht schnell dargelegt und entspricht freilich nur in höchst abgespeckten Grundzügen der Mangavorlage: Nach einem 50 Jahre währenden Schlummer erwacht unser "Held" Ackman - seines Zeichens übrigens Dämon - und befindet den Zeitpunkt für angemessen, um mit dem Sammeln von Menschenseelen zu beginnen.
Seine Rechnung hat er allerdings ohne seinen ewigen Feind Tenchi gemacht. Tenchi ist ein Engel und setzt alles daran, Ackman an seinem diabolischen Vorhaben zu hindern und scheut dabei nicht mal davor zurück, Auftragsmörder zu engagieren. Tenchis Attentate gehen allerdings gehörig in die Hose und bei jedem Versuch, Ackman um die Äcke...ehm...Ecke zu bringen, werden unschuldige Menschen dahingerafft, was wiederum Ackman nur in die Karten spielt, da er auf diese Weise ziemlich leicht an seine begehrten Seelen kommt. Was sich nun zunächst recht makaber liest, entpuppt sich als ziemlich lustiges Jump'n'Run, welches sich durch seinen - zum Teil - rabenschwarzen Humor auszeichnet. In der Rolle des Dämons hüpfen wir durch die Levels und entledigen uns der Engelarmee, die Tenchi uns in den Weg stellt. Dabei müssen wir nicht nur die Fäuste sprechen lassen, können wir doch unterwegs Pistolen, Schwerter und Bomben einsammeln. Zum Ende eines Themenabschnitts erwartet uns stets ein Endboss. Diese haben es zum Teil auch wirklich in sich und man ist umso dankbarer, dass Ackman von den Entwicklern eine vier Balken umfassende Powerleiste mit auf den Weg gegeben wurde.
Nur leider Gottes hat »Go Go Ackman« auch einen Wermutstropfen: Es ist einfach deutlich zu kurz. Geübtere Spieler blicken nach etwas mehr als einer Stunde vermutlich bereits auf die Credits. Auch der Schwierigkeitsgrad ist bestenfalls als moderat zu bezeichnen, zumal die Levelabschnitte eher kurz und Ackmans Continues unerschöpflich sind. Meiner Meinung nach äußerst Schade, denn der Twist, einmal nicht das restlos ausgelutschte "Gut gegen Böse"-Szenario zu spielen, hat mir sehr gefallen - und hätte ruhig doppelt so lange dauern dürfen. Auch hat das Spiel ein paar originelle Levelideen zu bieten, als Beispiel sei hier die Autofahrt gegen (Motorräder fahrende) Engelein genannt. Im weiteren Spielverlauf - sofern man denn hier überhaupt von einem "weiteren" Spielverlauf sprechen kann - ist es allerdings gar nicht mehr so eindeutig, wer eigentlich der Gute und wer der Böse ist. Angesichts dessen, dass unser Engel schlicht zu dämlich und tollpatschig ist (es dürfen gerne Parallelen zu Steve Urkel gezogen werden) und ständig Menschen dahinrafft, aber nicht von seinem Plan abweicht, uns den Gar auszumachen, liegt es am Spieler selbst zu entscheiden, wer nun "Hero" und wer "Villain" ist.
Wer noch immer nicht davon überzeugt ist, dem Spiel eine Chance zu geben, dem sei gesagt, dass Akira Toriyama (ja, genau, der "Kamehameha"-Typ!) die Mangavorlage lieferte. Diesem Umstand ist es auch geschuldet, dass die Charaktere des öfteren für Déjà-vu Erlebnisse sorgen. Wer beispielsweise »Dr. Slump«, »Dragonball« und »Sandland« kennt, wird einige scheinbar bekannte Gesichter wieder erkennen. Entsprechend seiner Vorlage wartet das Spiel mit diversen putzigen Grafiken (insbesondere die Engelchen sind eigentlich viel zu knuddelig um sie zu erlegen) und netter Hintergrundmusik auf. Nicht schlecht, aber auch nichts besonderes. Ob es nun an der Kürze des Spiels, seinem Erfolg oder einfach nur der Geldgier der Entwickler liegt, dass »Go Go Ackman« zwei Nachfolger auf dem SNES spendiert bekam, kann wohl keiner beurteilen; der Mangavorlage am treuesten bleibt jedoch der erste Teil. Ein klitzekleines Problemchen gäb's aber doch noch: Dieses Spiel ist leider japanexklusiv. Gemein, oder? Hätte ich Depp auch früher sagen können, nicht wahr? Tja... ich habe einfach zu lange auf der bösen Seite gespielt. Ich labe mich nun an dem Wissen, dass ihr alle enttäuscht seid! *Muhahahaha*
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