
Es gibt Szenarien, die sind derart fürchterlich, die will man sich gar nicht erst vorstellen. Eines der besonders üblen Sorte lässt uns das vorliegende Stück Software durchleben. Aliens überfallen die Erde und reißen sich – mein Gott, ich kann es kaum ausprechen – sämtliche Garnvorräte unter den Nagel. Garn, Leute... und zwar knäuelweise. Stellt euch nur einmal die Ausmaße solch einer Katastrophe vor. Keine selbstgestrickten Socken und Wollpullover von Oma mehr zu Weihnachten. Oder schlimmer, keine Bommelmützen mehr. In solch einer Welt würde niemand leben wollen.
Aber halt, vorerst bitte noch nicht verzweifeln. Es gibt da ein allerletztes Fünkchen Hoffnung. Einen Helden nämlich, wie er typischer nicht sein könnte. Er trägt ein weißes T-Shirt, keine Hose...und im übrigen ist er ein Luchs. Bubsy ist sein Name und ihm gefällt so ganz und gar nicht, was die Woolies (ja, genau so nennen sich die bösen Aliens) mit seiner heißgeliebten Wolle anzustellen gedenken. Da natürlich keine Zeit zu verlieren ist – stehen uns doch immerhin 16 Level verteilt auf fünf Welten bevor – steigen wir am besten direkt ins Spiel ein.
„Bubsy in: Claws Encounters of the Furred Kind“ ist zunächst einmal ein ganz klassisches Jump'n'Run. Übersetzt heißt das Spiel ungefähr „Bubsy in: Krallende Begegnung der pelzigen Art“, und dieser Titel ist durchaus ernst zu nehmen. Doch zurück zum Anfang. Katzentypisch starten wir das Spiel mit neun Leben in der Tasche. Wem dies nun recht viel vorkommt, dem sei gesagt, dass diese neun Leben auch bitter nötig sind. Jedweder Kontakt mit einem der (hasenartigen) Woolies führt zu einem cartoonigen Bildschirmableben. Auch der Kontakt mit Wasser führt unweigerlich zum Verlust eines der wertvollen Leben. Als wäre all dies noch nicht genug, stellen sich noch Klaviere, Autos, Kaugummiautomaten, eierwerfende Hühner und allerlei anderes übles Zeug unserem Helden in den Weg. Bubsys Steuerung macht die ganze Angelegenheit leider nicht einfacher. Zwar haben wir im Prinzip nur die Möglichkeit, die Katze springen oder gleiten zu lassen, allerdings reagiert diese recht träge, was gerade am Anfang Frust aufkommen lassen kann. Auch Sprünge aus größter Höhe, so sie denn nicht durch gekonntes Gleiten abgefangen werden, führen zum – zugegeben recht witzigen – Ziehharmonikatod des Katers.
Schwierigkeitsgrad hin oder her, Bubsy schafft es dennoch zu begeistern. Der Hauptgrund hierfür liegt gewiss in der Geschwindigkeit, mit der sich unser Luchs durch die Level scheuchen lässt. Vergleiche mit einem gewissen blauen Igel einer Konkurrenzkonsole braucht die Hauptfigur jedenfalls definitiv nicht scheuen. Doch auch hier liegt eines der Probleme dieses Spiels begraben: Hat man gerade richtig Fahrt aufgenommen, rast man leider gerne mal in einen Gegner oder einen Abgrund; oder ein Hindernis, von dem sich unser Kater cartoontypisch abpellt. In diesem Punkt muss man die Entwickler wirklich kritisieren. Warum gebe ich der Hauptfigur die Fähigkeit, mit einem Affenzahn durch die Level zu fegen, designe selbige dann aber so, dass man an einigen Stellen erstmal nachschauen muss, was sich weiter unten oder rechts befindet. Oder warum stelle ich Gegner an Positionen, von denen aus sich ein Absprung mit voller Geschwindigkeit nahezu anböte? Nicht nur, dass wieder Frust aufkommt (gut, nach dem ersten Crash sollte man schon kapiert haben, wo ein Gegner steht), deutlich schlimmer ist, dass die potentiell mögliche Spielgeschwindigkeit dadurch künstlich abgebremst wird.
Das Level- und Gegnerdesign verdient das Prädikat „total bekloppt“. Beginnen wir die Hatz nach den gestohlenen Knäueln noch im Wald, verschlägt es uns in der nächsten Welt auf einen Jahrmarkt, wo wir Achterbahn und Raketen besteigen, durch „Hau den Lukas“-Geräte in die Luft geschossen werden und uns mit hüpfenden Eistüten und HotDogs herumschlagen müssen. Im weiteren Verlauf geht’s in die Wüste, über einen Zug und gar ins All, stets mit der Aufgabe, das gestohlene Garn zu sammeln. Und das ist gar nicht so einfach, sind die Level doch recht groß und mit allerhand Röhren, Bonus-Leveln und sonstigen Pfaden abseits des Hauptlevels gespickt. Als Hilfe gibt uns das Spiel dabei drei verschiedene T-Shirts an die Hand, die uns wahlweise die aufgedruckte Anzahl Leben dazugeben, uns unsichtbar oder gar unverwundbar machen. Continues lassen sich übrigens ebenfalls manchen Ortes aufsammeln; ein Grund mehr, die weitläufigen Level gründlich zu durchforsten. Zwar unterstützt das Spiel keinen Batteriespeicher, gibt aber nach jedem besiegten Endboss ein Levelpasswort heraus. Ein Feature, von dem andere Spiele (zum Beispiel Super Ghouls 'n Ghosts) hätten profitieren können.
Aber wie schlägt sich der Luchs technisch gesehen? Nun, grafisch bewegt sich Bubsy wohl auf einem eher durchschnittlichem Niveau. Beachtet man allerdings, dass Accolade das Spiel 1993, sprich in den Anfangstagen des europäischen SNES, abgeliefert hat, ist die Grafik durchaus ordentlich. Bubsy selbst weiß mit über 40 verschiedenen Animationen zu begeistern, auch die Gegner sind richtig knuddelig gestaltet. Wenn ein Woolie vor einem steht und ausschaut, als würde er uns anniesen, will man ihn eigentlich nur knuddeln. All das passt in das knallbunte und verrückte Setting und solche Animationen sind es letztlich auch, die dieses Spiel so unverwechselbar machen. Was das Gamerherz der frühen 90er Jahre aber erst so richtig zum rasen brachte, waren wohl der enthaltene Mode-7-Effekt und die Sprachausgabe zu jedem Levelanfang. Auch akustisch verdient dieses Spiel ein paar lobende Worte. Die Musik passt stets zum Gezeigten. Ist sie in den ersten Leveln noch recht swinglastig, hören wir auf dem Jahrmarkt typisches Drehorgelgedudel. In der Wüste gibt es dann Banjo-Klänge zu genießen. Ein hörenswerter Sound, der nie aufdringlich oder nervig wird und mir bis heute in den Ohren klingt.