Geschrieben von: Moi-Même · 10. März 2012 · Kategorie: Platformer

bewertungskasten mmqMQSMM01png thumbMickey, Goofy und Pluto spielen friedlich im Park - als Mickeys vierbeiniger Freund, total unverhofft, spurlos verschwindet. Natürlich macht sich der weltberühmte Mäuserich sofort auf die Suche und begegnet dabei einem alten Zauberer, der ihm offenbart, dass ein durchtriebener Hexenmeister - niemand geringeres als Kater Karlo - sich des bedauernswerten Hundes bemächtigt hat. Also macht sich Mickey sofort auf den Weg zur Burg Karlos, um die Sache „unter Männern“ zu regeln und Pluto zurückzuholen. Doch auf seinem Weg durch die Ländereien trifft er auf Widerstand.

Und da eine Maus allein nicht viel ausrichten kann, spendierte Capcom Euch drei Kostüme, die Mickey mit allerhand Fähigkeiten versehen, um die widrigen Welten zu durchstehen: Als Zauberer kann er magische Feuerbälle verschießen, als Feuerwehrmann alles mit Wasser aus dem Weg räumen und als Bergsteiger seinen Kletterhaken einsetzen. Im Spielverlauf werden diese Spezialfähigkeiten nach und nach freigeschaltet, so dass Ihr in höheren Levels jederzeit per Tastendruck zwischen den verschiedenen Outfits hin- und herwechseln könnt.

MagicalQuestStarringMickeyMouse.251png thumbDirekt zu Beginn des ersten Levels setzt ein nicht zu verachtender Knuddelfaktor ein: Die fantastische Grafik macht aus Magical Quest fast einen Zeichentrickfilm. Sämtliche Sprites sind mit viel Liebe zum Detail gezeichnet und exzellent animiert. Wenn Ihr etwa Energie verliert, schüttelt sich Mickey kurz und spaziert dann wieder mit einem breiten Grinsen durch die großartig gezeichneten Levels mit ihren teils trickfilmreifen Hintergründen. Nicht minder gelungen sind besonders Mickeys Kostümierungen: Als Bergsteiger trägt er eine grüne Jägermütze, als Magier einen Umhang und als Feuerwehrmann eben eine entsprechende Uniform. Doch nicht bloß beim Sprite der Hauptfigur zeigt sich die Liebe zum Detail, so sind auch die Gegner immer wieder der Umgebung angepasst: In der Lavawelt jagen euch hüpfende Flammen über den Bildschirm und in der Berglandschaft kann es zum Beispiel sein, dass Euch lebendige Vogeleier ans Leder wollen. Begleitet werdet Ihr bei diesem Feuerwerk aus Farben übrigens stets von einem exzellenten, disney-typischen Ohrwurmsoundtrack, dessen Songs dem Rezensenten auch nach fast zwanzig Jahren immer noch in den Gehörgängen präsent sind.

MGSMM03png thumbEure Gegner erledigt Ihr in diesem Jump'n'Run übrigens nicht nur alleine dadurch, dass Ihr ihnen auf's Haupt hüpft. Das betäubt die Gesellen nämlich nur, so werden sie später wieder munter. Mickey kann betäubte Gegner packen und wie eine Waffe wieder wegschleudern. So kann er Fieslinge aus dem Weg räumen, aber auch Blöcke knacken, um an Extras zu gelangen. Von denen werdet Ihr allerdings nicht allzu viele brauchen: Ebenso wie Aladdin gehört Magical Quest zu der Sorte Disney-Games, die doch vom Schwierigkeitsgrad her sehr kindgerecht sind - will heißen: zu einfach für den erwachsenen Zocker. Wo die Disney-Spiele von Infogrames die Zocker reihenweise mit hammerharten Schwierigkeitsgraden vergraulten, ging Capcom hier genau den gegenteiligen Weg und machte aus Magical Quest eine Art Jump'n'Run-Happen für Zwischendurch. Die Levels sind straight und nicht zu komplex, die Gegner treten nur in gemäßigter Zahl auf und generell manövriert Euch das Spiel nie in Situationen, die irgendwie unfair oder kaum zu lösen wären. Auch die Bosskämpfe sind für geübte Spieler keine große Herausforderung, selbst Kater Karlo am Ende sollte keine echte Gefahr darstellen.

MGSMM06png thumbDas mag für manch einen eher langweilig sein. In der Tat werden Joypad-Akrobaten, die "Pinocchio" im Schlaf durchspielen, mit Magical Quest nicht sehr lange beschäftigt sein. Hier ist man aber bei einer reinen Geschmacksfrage angelangt, bei einer Philosophie quasi, die jeder Gamer für sich selbst entdecken muss: Die Hardcorezocker, die ein Spiel auswendig lernen und perfekt beherrschen wollen, greifen zur Comickonkurrenz von Infogrames. Wer einfach nur spielen möchte und sich auch über kurzfristige Erfolge im Spiel freut, für den sind generell die Disney-Spiele von Capcom geeigneter. Was jetzt aber auf keinen Fall bedeuten soll, dass Magical Quest nur eine Fingerübung für Grundschüler ist und sonst nichts zu bieten hat. Nein nein, dass Magical Quest neben der sehr gelungenen Technik eben auch mit inneren Werten punkten kann, liegt primär an der gelungenen Steuerung. Mickey lässt sich sehr präzise und genau steuern, verzögerungsfrei und ohne Fehler bei der Kollisionsabfrage oder ähnlichem. Die butterweiche Steuerung geht einem sofort und völlig intuitiv von der Hand, und auch die Spezialfähigkeiten von Mickeys Zusatz-Outfits sind mit dem Gamepad problemlos zu bewältigen.

Fazit des Autors - Christian Stört man sich nicht an dem geringen Umfang, dann holt man sich mit Magical Quest ein sehr gut spielbares Jump'n'Run ins Haus. Durch die detaillierte und comichafte Inszenierung, die ihrerseits wiederum erheblich von der sehr guten Technik des Moduls profitiert, ergibt sich eine Art Wechselwirkung mit dem Gameplay, was diesem Spiel einen immensen Wiederspielfaktor beschert. Klar, Magical Quest ist sicherlich ein paar Takte zu einfach geraten. Aber dennoch: Es ist ein spielstarkes, familientaugliches Jump'n'Run mit einer gehörigen Portion Spielwitz und einer sehr charmanten Aufmachung. Es strahlt eine Sympathie aus, wie man sie eigentlich nur von den Disney-Filmen selbst kennt, und die kann man sich ja auch immer und immer wieder anschauen.