Geschrieben von: Moi-Même · 08. Juni 2012 · Kategorie: Platformer

Scoreboard SuperStarWars ColdGoldSuper Star Wars.812  s„A long time ago, in a galaxy far, far away…“ Ach, wer kennt sie nicht, die alten Star Wars-Streifen!? Nach zahllosen Umsetzungen auf allen denkbaren Plattformen, vom Atari 2600 über das NES bis hin zum Game Gear, kamen 1993 auch SNES-Spieler in den Hochgenuss dieser (völlig obligatorischen)  Lizenz. Mit dem kleinen Unterschied, dass »Super Star Wars« nicht so halbgar bleiben sollte wie die meisten seiner Vorgänger. Was LucasArts uns hier abliefert, ist ein überzeugender Action-Platformer im „Jump'n'Shoot-Stil“, dem völlig zu Recht Erfolg (und demgemäß zwei Sequels) beschieden war.

Die Story dürfte bekannt sein: Der „Todesstern“, die mächtigste Waffe des bösen Imperiums, muss um jeden Preis vernichtet werden!!! Bei dem Versuch, Alt-Jediritter Obi-Wan Kenobi die streng geheimen Baupläne zuzuspielen, wird Prinzessin Leia von Alderaan - Anführerin einer Rebellenorganisation - vom Chef-Sithlord Darth Vader gefangen genommen. Alles Weitere ist Legende. Der Spieler schlüpft in die Haut des 19-jährigen Bauernjungen Luke Skywalker, der anfangs noch nicht ahnt, welch besondere Aufgabe ihm im bevorstehenden Krieg zuteil wird.

Super Star Wars.417  sDas Spiel hält sich übrigens ziemlich eng an seine Filmvorlage. Teilweise wurden zwar einige Passagen etwas verändert oder ausgeschmückt - so infiltriert Luke im Film beispielsweise nicht den Sandcrawler der Jawas, und auch der zweite Endboss des Spiels, das so genannte „Lava-Biest Jawenko“, findet in George Lucas' Sci-Fi-Universum nicht ein einziges Mal Erwähung. Kleinere Ungereimtheiten wie solche wirken sich allerdings keineswegs störend auf die spezielle Star Wars-Atmosphäre aus. Alle wichtigen Schauplätze von Episode IV werden in Super Star Wars besucht, von den Wüsten Tatooines über die Stadt der Gesetzlosen, Mos Eisley, bis zur großen Schlacht auf dem Todesstern. Zwischendurch erzählt uns das Spiel die wichtigsten Storyinhalte in Form kleiner Zwischensequenzen, für die man Filmszenen aufwändig „nachgepixelt“ hat. So macht Super Star Wars einen ziemlich kompletten Eindruck, obwohl bekannt ist, dass es weit umfangreicher geplant war (man hat zum Beispiel einen ganzen Level, den Müllzerkleinerer samt Boss, komplett verworfen). Trotzdem: wenn nach 15 Levels und 8 Bosskämpfen die Credits rollen, dann hat man das Gefühl, dass »Sculptured« die Lizenz würdig umgesetzt haben.

Super Star Wars.593  sNun aber endlich zum Gameplay. Dieses ist genretypisch höchst einfach zu durchschauen, geschossen wird mit Y, gesprungen mit B und der Rest des Controllers liegt brach. Im Optionsmenü lässt sich dies natürlich anpassen, ebenso wie der Schwierigkeitsgrad. Klingt soweit alles recht simpel… In der Praxis stellt sich Super Star Wars dann allerdings ziemlich rasch als einer der schwierigsten Action-Platformer auf dem SNES heraus. Dieses Spiel ist zum Beispiel deutlich schwieriger als etwa ein »Sunset Riders«, womöglich sogar schwieriger als ein »Contra III« (bei uns in PALien bekannt als »Super Probotector«) und wird genre-intern in Sachen Schwierigkeitsgrad bestenfalls noch von seinem direkten Nachfolger, »Super Star Wars - The Empire Strikes Back« übertroffen (der 3. Teil der Reihe, »Return Of The Jedi« ist meiner Meinung nach der Einfachste). Bereits die Bezeichnung für den mittleren Schwierigkeitsgrad („brave“) lässt erahnen, dass der durchschnittliche Spieler oberhalb von „easy“ wenig Aussicht hat die Credits zu sehen. Aufgrund seines Schwierigkeitsgrads ist dieses Spiel jedenfalls berühmt-berüchtigt. Trotzdem (oder gerade deshalb) gehört Super Star Wars noch heute zu den populärsten SNES-Titeln.

Super Star Wars.055  sDie kleine Besonderheit im Vergleich zu anderen Action-Spielen ist, dass man in Super Star Wars nicht bloß eine einzige Spielfigur steuert, sondern ab einem bestimmten Zeitpunkt gleich drei Protagonisten zur Auswahl hat. Wie auch im Nachfolger stehen neben Luke Skywalker der corellianische Söldner und Schmuggler Han Solo, sowie dessen Wookiee-Freund und Copilot Chewbacca zur Verfügung. Während Luke ab Level 6 zwischen den Handfeuerwaffen und seinem Lichtschwert hin und her wechseln kann, haben Han und Chewie logischerweise keinen Zugriff auf die Macht und sind demnach auf ihre Blaster beschränkt. Dafür besitzen sie gameplaytechnisch ihre eigenen Finessen: Chewie verfügt über weitaus mehr Energie als Luke oder Han, leider ist er aber ziemlich langsam (was ein echtes Problem darstellt, denn in Super Star Wars sind die Gegner eh schon deutlich schneller als der Spieler). Han Solo ist von den drei Spielfiguren der Schnellste und kann außerdem eine geschickte Ausweichrolle vollführen, um so beispielsweise brenzliche Schusswechsel zu überleben. In den meisten Fällen dürfte Luke die beste Wahl sein, aber man muss Super Star Wars diese Abwechslungsmöglichkeit trotzdem zugute halten!

Super Star Wars.710  sEs ist übrigens eine ziemlich bemerkenswerte Schar an Widersachern die Super Star Wars dem Spieler entgegenwirft. Zum Auftakt ist es noch überwiegend die für Star Wars charakteristische, tatooine'sche Tierwelt (Womprats, Mynocks und Banthas) die uns verspeisen oder zu Brei trampeln will. Kurz darauf schlachten wir Sandleute dahin wie einst Anakin Skywalker in seinen besten (bzw. dunkelsten) Zeiten. Neben „imperialem Kanonenfutter“ wie den Stormtroopern, Kopfgeldjägern oder Spinnen-Droiden, die selbstverständlich in keinem guten Star Wars-Spiel fehlen dürfen, haben die Entwickler außerdem eine beeindruckende Anzahl von Roboter-Gegnern im Spiel implementiert. insgesamt bekommen wir es mit beinahe 30 verschiedenen Gegnertypen zu tun! So einige Actiontitel haben bekanntlich Mühe, bloß die Hälfte aufzubringen. Um also dem Ansturm der feindlichen Horden Herr zu werden, stehen, inklusive Lichtschwert, 6 unterschiedliche Waffenarten zur Verfügung. Die Power-Ups umfassen Extraleben oder Erweiterungen des Lebensbalkens, Energie, Bonuszeit, Unverwundbarkeitsschild sowie einen Thermal-Detonator, der als „Smart-Bomb“ des Spiels fungiert und alle Gegner auf dem Bildschirm hinwegfegt.

Super Star Wars.788  sDas Leveldesign ließe sich als konventionell beschreiben, denn im Wesentlichen geht es bei Super Star Wars meistens nur strunzlinear gerade aus. Trotzdem weicht das Spiel gelegentlich vom Prinzip „links-nach-rechts-&-Dauerfeuer“ ab, und solche Momente zählen zu den absoluten Höhepunkten von Super Star Wars: In 3 Leveln (genauer Level 2, 7 und 14) wird nämlich das Sidescrolling-Gameplay komplett über Bord geworfen; stattdessen dürfen wir, Mode-7 sei gedankt, im Landspeeder bzw. anlässlich des großen Finales sogar im X-Wing durch 3D-ähnliche Areale „à la F-Zero“ flitzen. Leider macht sich auch hier wieder der erbarmungslose Schwierigkeitsgrad bemerkbar. Der X-Wing Level zum Beispiel, in dem wir über dem Todesstern kreisen, zunächst je 20 TIE-Fighter und Lasertürme schrotten, sodann Darth Vader vom Himmel holen und schlussendlich aus der Cockpit-Perspektive unsere Protonen-Torpedos in den Generatorschacht ballern müssen, zählt zwar zu den eindrucksvollsten, gleichzeitig aber auch zu den frustreichsten Etappen in Super Star Wars. Vor allem der Rücksetzpunkt ist unfair: Verfehlen eure Torpedos etwa den sehr kleinen Generatorschacht, muss der Level ganz von vorn begonnen werden…

Super Star Wars.736  s Akustisch kann sich Super Star Wars wahrlich hören lassen - allem voran die vielseitigen Soundeffekte stechen hervor. Visuell ist ebenfalls alles gut, wenn auch etwas ambivalent: Von den Mode-7-Effekten der 3D-Level *muss* man einfach beeindruckt sein, da das Spiel aber hauptsächlich aus Sidescrolling-Leveln besteht, fällt dies nur wenig ins Gewicht. …So muss sich Super Star Wars, das im Wesentlichen eben doch „nur“ ein 2D-Action-Platformer ist, den Vergleich mit der Genre-Konkurrenz gefallen lassen. Hervorzuheben ist, dass die Framrate fast nicht in die Knie zu zwingen ist - obwohl das Spiel bisweilen ja dazu tendiert, den Bildschirm mit Gegnern regelrecht zu überfluten. Es braucht schon so einiges an Explosionen und Effekten, bevor man bei Super Star Wars so etwas wie Slowdowns erlebt. Abseits der 3D-Level herrscht trotzdem nur grafisches Mittelmaß. Ja, die Sprites sind groß, aber die von Indiana Jones' Greatest Adventure sind größer. Und ja, die Effekte waren 1992 sehr eindrucksvoll. Aber bereits das 5 Monate später erschienene Super Turrican erneuerte den Maßstab. Erst Return of the Jedi tanzt visuell wieder in der Oberliga, Teil 1 kriegt die gute Grafikwertung nur aufgrund seiner Mode-7-Level.

Fazit des Autors - Cold_GoldSuper Star Wars hat mir definitiv eine Menge Spaß gebracht, das muss ich diesem Spiel umunwunden zugestehen. Action- und Platformer-Fans haben keinen plausiblen Grund, diesen Titel zu ignorieren. Doch obwohl dieser erste Teil der Trilogie zu den beliebtesten Action-Spielen auf dem SNES gehört, hat er seine Fehler. Der übertriebene Schwierigkeitsgrad ist ein solcher, und das bisweilen doch recht eintönige Leveldesign ist ebenfalls einer. Letztendlich überwiegen aber die positiven Aspekte. Mit Super Star Wars wurde eine der kultigsten Lizenzen auf technisch grundsolide Weise umgesetzt, und dank solcher Features wie der Charakterauswahl oder den Mode-7-Einlagen hebt sich das Spiel innerhalb seines Genres von der Durchschnittskost ab. Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die Macht mit Sculptured und LucasArts war! Wer Super Star Wars und seine beiden Nachfolger nicht kennt, hat ein happiges Stückchen SNES-Geschichte nachzuholen.