
Wer als Kind ein Super Nintendo besessen hat, der kennt das vielleicht: Man war im Kino, ist noch restlos begeistert vom neuesten Disney Film, schlendert durch's Kaufhaus und sieht es: Das zugehörige Videospiel. Ja, ja, damals ging sie noch bestens auf, die plumpe Lizenzmasche. Man bettelte Papi die Nerven blank, bekam je nach Bedarf schonmal den obligatorischen Heulkrampf und heulte wenige Stunden später umso mehr, wenn die triste Erkenntnis eintrat, dass man sich leider wieder einmal viel zu viel von einem Disney Game erhofft hat. 120 Mark, quasi für nichts?
Im Fall des Titels Pinocchio trifft das 'so halb' zu. Um es gleich mal festzuhalten: Pinocchio auf dem SNES ist kein schlechtes Spiel. Ein richtig Gutes ist es aber leider auch nicht wirklich. Es handelt sich hierbei - wie so oft bei Disney-Umsetzungen - um ein typisches aber spielerisch recht gesichtsloses Jump'n'Run von geringem Umfang. So ist man das ja von Disneyspielen gewohnt, und so ist es eben auch diesesmal. Als Pinocchio hüpft ihr durch 9 kurze Level, wobei ihr die wichtigsten Schauplätze des Zeichentrickfilms durchquert.
Der Ablauf ist vorgezeichnet: Vom Weg in die Schule, über das Marionnettentheater, zum Vergnügungspark bis hin zum Mageninneren des skrupellosen Wales Monstro. Bei alledem freilich keine größeren Überraschungen, man sich an die Filmvorlage. Das gesamte Spiel ist übrigens in Englischer Sprache gehalten. Im Titelmenü könnt ihr erstmal unter dem Punkt Optionen einen der drei Schwierigkeitsgrade (leicht – normal – schwer) auswählen. Und schon geht’s los…. Fröhlich hüpft die freche Marionnette keck über den Schulweg und muss zahlreichen Gefahren ausweichen. In diesem Level werdet ihr erstmals mit der Steuerung vertraut gemacht. Neben dem Digikreuz benötigt ihr nur den B und den Y Knopf. Mit B springt Pinocchio, während der Y Knopf zum Treten beziehungsweise Wirbeln dient. Mit dieser schicken Attacke setzt ihr eure Gegner außer Gefecht. Ein Druck auf Start genügt um das Spiel zu stoppen. Schon bald trefft ihr auf die ersten Gegner, diese sind zu Anfang aber kein Problem für Pinocchio. Machen euch Anfangs nur Lausbuben und Gänse das Leben schwer, treiben euch später im Spiel Krabben, Löwenfische und Geister zur Weißglut.
Ein ebenfalls sehr wichtiger Faktor sind die zahlreich vorhandenen Items. Sammelt ihr Pinocchios Mütze auf, wird euch ein Extraleben zugerechnet. Feenstäbe füllen die Lebensenergie auf: Davon hat Pinocchio einige, er geht also nicht gleich beim ersten Treffer K.O. Eure Fähigkeiten verbessert ihr, indem ihr verschiedenfarbige Buchseiten aufsammelt. Pinocchio muss aber nicht nur seine Stärke im Kämpfen und Hüpfen beweisen, sondern wird auch zum Tanzen aufgefordert. An dieser Stelle ist der gute Junge stets von zwei Tänzer/innen umgeben und muss deren Bewegungen nachahmen. Mit Y und X verbeugt er sich entweder nach links oder nach rechts. Mit B und A kickt er in die entsprechende Richtung. Sogar eine elegante Pirouette kann unser Holzmann drehen. Hierfür braucht ihr nur die obere Richtungstaste zu betätigen. Kommt euer Tanz beim anwesenden Publikum gut an hagelt es Bonusgegenstände, falls nicht sollte Pinocchio sich auf eine gehörige Portion Tomaten gefasst machen. Im darauf folgenden Vergnügungspark dürft ihr sogar Achterbahn fahren! Von diesen zwei Minispielen mal abgesehen, sind die Level aber insgesamt eher unspäktakulär gestaltet.
Insgesamt muss man leider feststellen, dass Pinocchio mit jedem Bit seiner 24MB-Cartridge durch und durch Standardkost ist. Das Spiel kam 1996 auf den Markt und zu dieser Zeit hatten sich längst sehr viele brillante Jump'n'Runs etabliert; da hätte man ruhig mal ein wenig über den Tellerrand des Genres hinwegschauen dürfen. Aber bei Disney-Spielen zählt halt meistens nur der Titel... Abschließend bleibt noch hinzuzufügen, dass die Grafik keine Sensation darstellt. Die Level erwecken einen soliden Eindruck, die tristen Pastell-Hintergründe machen dies jedoch wieder zunichte. Dem wachsamen Auge mögen einige nette Details; wie aufsprühende Funken auf der Achterbahn; auffallen. Der Sound ist jedoch ein klarer Kritikpunkt! Sehr abwechslungsarm, unpassend und nervig. Schade, da hätte man mehr daraus machen können. Ein weiterer Kritikpunkt ist das Fehlen einer Speicher- oder Passwortfunktion. Letztere ist im Titelbildschirm zwar vertreten, lässt sich aber irgendwie nicht anwählen und weder im Spiel noch im Internet habe ich jemals Codes gefunden. Sehr merkwürdig. So wie es aussieht, muss man Pinocchio jedenfalls in einem Rutsch durchspielen.
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