Freitag, 19 August 2011 12:12

...mit Max N. Nachtsheim (Rockstah)

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Rockstah-Nerdrevolution-Pressofoto_2Q: Max, der Release von Nerdrevolution liegt nun ein knappes Jahr zurück. Ich vermute mal, dass Du und Dein Team vom Erfolg selbst ziemlich überrascht gewesen seid. Wie beurteilst Du im Rückblick die letzten zehn Monate?

A: Die Überraschung setzte sogar schon früher ein. Als ich das Mixtape „Glamrockrapper 2“ im August 2010 kostenlos herausbrachte, was ja nur so als Warm-Up und „EY, mich gibt’s noch!“ gedacht war, ging es ja schon wirklich krass ab. Also wirklich so wie man sich das überhaupt nicht vorgestellt hatte – im positiven Sinne. Auf einmal wurde man von der Presse wahrgenommen und war Thema bei anderen Rappern, die man jahrelang nur aus dem eigenen Plattenregal kannte… das war ein schönes Gefühl. „Nerdrevolution“ hat dann schön sauber das ausgebaut, was sich davor so abgezeichnet hat. Ich spreche ja immer wieder gerne von „gesundem Wachstum“ – es hat sich sehr schön entwickelt, ist nicht überhitzt und hat mir daher viele neue Spielräume eröffnet. Ich bin echt ganz schön stolz auf das gesamte letzte Jahr. Vorallem weil ich und mein Team (Osman, Sam, Alan, Tim, Simon, etc.) das alleine geschafft haben. Das ist ein kleiner, aber sehr ehrlicher Erfolg. Es fühlt sich richtig an.

Q: Auch die Kritiker waren von Deinem kommerziellen Debüt durch die Bank angetan, Herr Merkt beispielsweise sprach ganz ungeniert eine Kaufempfehlung aus, bei Backspin fand man die Platte "realer als manche Möchtegern-Straßen-Veröffentlichung". Man kann also sagen, Du hast den Nerv bei Publikum und Kritikern gleichermaßen positiv getroffen. Wie war die Resonanz bei Deinen Live-Auftritten? Haben die Fans schnell einen bestimmten Lieblingssong gehabt?

A: Ach, das Presse-Feedback war okay, aber noch verhalten, so wie ich es zumindest empfunden habe. Das ist aber auch logisch. Da kommt ein Rapper, der jahrelang nur im Internet tätig war und will auf einmal mit einem Album als ernstzunehmender Künstler wahrgenommen werden - das blenden viele noch aus oder warten erstmal ab. Aber die Pressestimmen, die sich echt schon damit befasst haben, die waren auch meistens positiv. Aber man muss halt die Leute überzeugen, dass gesteh ich mir auch ein. Ich bin ja selber so. Dafür haben wir ja dann die Livegigs. Wir haben als das Album kam Support bei Casper, Prinz Pi, Olli Banjo, etc. gemacht. Da kam das sehr durchwachsen an. Der Banjo-Hörer ist einfach ein anderer als der Pi-Hörer. Meistens. Was ich ja schade finde, ich konnte ja auch jahrelang beide Künstler hören, ohne dass es für mich ein Problem war. Aber die Scheuklappen sind ja immer noch weiter hochgeklappt, als man es vielleicht vermutet. Aber war trotzdem alles cool, einfach um es mal zu testen. Rückwirkend lässt sich sagen, wir funktionieren sehr gut kombiniert mit Acts wie den Orsons, Casper, Pi aber auch Trailerpark. Unser Splash-Auftritt war ja dann ein neues Level aufgrund der Bandgeschichte. Wir versuchen das Liveding jetzt richtig auszubauen, es spannend zu machen, für Fans und Nicht-Fans. Ich glaube, wir haben nicht selten schon wirklich Nicht-Kenner begeistert und zum Rockstah-Fan gemacht, auch wenn er es eigentlich haten wollte, weil ich in seinen Augen ausseh wie ein Idiot. (lacht)
Unser Programm ist momentan sehr auf abgehen und mitgröhlen / mitsingen ausgelegt. "Sturmfrei" und "A-Taste" machen vielen natürlich Spaß, da es bekannte "Singles" sind, aber auch Songs wie "Bier hat keine Schwiegermutter", "Ich mag es mollig" und "Zocken > Ficken" haben sich als echte Livegranaten rausgefiltert.

Q: Als Rap-Laie hat mir "Nerdrevolution" gleich viel Spaß gemacht. Spontan hatte ich da beim ersten Durchhören den Namen Deichkind im Hinterkopf, obwohl der Vergleich natürlich allein wegen des Textniveaus hinkt. Live ist doch bestimmt nicht weniger los als bei Radaubrüdern von den Atzen, oder?
"Zocken > Ficken" hast Du jetzt schon selber angesprochen. Gab es von Deiner Freundin damals eigentlich als Belohnung für den Text einen mit dem Nudelholz drüber oder ist die Sache noch glimpflich ausgegangen?

A: Das Ding ist, wenn du unbekannt ist, dann hören die Leute eher zu. Und da meine Musik ja irgendwo den schmalen Grat zwischen Sinnhaftigkeit und Abgehfaktor abdeckt, geht der Tenor beim ersten Mal hören, bzw. bei den momentanen Gigs eher so in Richtung "Wir bleiben mal still stehen und hören uns das an, was der da zu verzapfen hat" - wir erspielen uns die Hörerschaft liebevoll und das mag ich. Irgendwann werden die sich schon noch die Fresse bei unseren Gigs einkloppen, da bin ich optimistisch (lacht).
Ich war beim Release von "Zocken > Ficken" ja schon Single, aber meine Exfreundin, mit der ich einen guten Draht habe, die hat mir schon ein leichte, liebevolle Schelle verabreicht. Im Endeffekt ist der Song ja auch nur eine Metapher für alle Jungs, die gern manchmal ihr Hobby dem alltäglichen Rumgejuckel auf der Freundin vorziehen. Sex kann aber auch manchmal scheiße sein!

Q: Überhaupt beschreibst Du auf dem ganzen Album ja mit einem herrlichen Augenzwinkern den Spaß am Nerdtum. Aber mal Butter bei die Fische: Wenn sich einer mit so vielen Controllern von Retrokonsolen behängt wie Du auf Deinem Promofoto, wieviele davon hast Du wirklich zu Hause stehen? Im Intro zur Nerdrevolution ist ja zumindest von Mega Drive und Super Nintendo die Rede...

A: Moment mal Kumpel, ich bin der realste Rapper hier! (lacht) Die Controller sind natürlich ALLE aus meinem Besitz.
Ich hab sogar dran gedacht den Controller meiner Virtual Boy dranzuhängen, aber der ist derbe unhandlich. Und die blöden Wirelessdinger von PS3, Wii und XBox360 kann man sich ja nicht um den Hals hängen. Aber das ist ja alles immer noch gar nicht so cool. Ich will so eine Retrosammlung wie die Bösings, die diesen Retrostand auf der GC haben. Die haben SO eine wahnsinnige Sammlung! Unglaublich. Meine Standardsammlung an Konsolen ist recht stabil. Wenn ich irgendwann mal reich sein sollte, werd ich mir aber auch noch ein paar Exoten besorgen. So ein NeoGeo wollt ich schon immer! Kumpel Kodimey von den Chimperator hat so eine geile NeoGeo Nippon Sammlung. Die will ich ihm wahlweise klauen oder abkaufen. Je nachdem, wo sich das Rapding die kommenden Jahre hinentwickelt.

Q: Oha, dann bist Du in der Retrogaming-Szene anscheinend richtig unterwegs! Hast Du denn irgendeine Lieblingskonsole oder zockst Du von Master System bis XBox 360 einfach alles was Dir in die Finger kommt? Prinz Pi hat in seinem Track "16Bit vs PS3" ja den Retrogaming-Kult ganz passend beschrieben, denkst Du Dir bei dem Track manchmal auch "japp, könnte ich sein"?

A: Naja, in der Retroszene "richtig unterwegs" ist übertrieben. Ich bin halt ein Kind der 80er und habe ab dem Game Boy 1989 alles in Echtzeit als Konsument miterlebt und jede Ära genossen. Selbst den verhassten Konsolen GameCube oder N64 kann ich nachhaltig nur die Stärken nachsagen, die die Konsolen ihrer Zeit mitbrachten. In der Hinsicht muss ich Pi also wirklich widersprechen, auch wenn das bei Friedrich eher selten der Fall ist (lacht). Ich finde die Wertschätzung des Charmes von neuen und alten Konsolen gleichermaßen wichtig. Dafür bin ich in einem ganz anderen Punkt viel klassischer veranlagt als so mancher vielleicht Vermute lässt: Ich feier den Trend der Multiplayer-Games und Online-Erlebnisse nicht so, wie viele meiner Freunde, Fans und Bekannten. Ich hol mir ein Call of Duty Spiel tatsächlich noch wegen der geilen Einzelplayerkampagne, nicht wegen dem jahrelangen Stress, sich mit Headset anzufucken. Obwohl ich einer guten Runde CounterStrike nichts abspreche. Ich spiel auch ab und zu mal online. Manchmal mit mehr Erfolg manchmal mit weniger. Goldabo auf der XBox muss schon sein. Auf meiner PS3 bin ich aber zB. noch nicht mal online registriert. Aber ich bin abgewichen. Wo waren wir? Achso, Lieblingskonsole! Momentan natürlich die XBox360. Ich mag die Konsole einfach, weil sie mir so vertraut ist und weil ich das Handling sehr angenehm finde. Der Controller ist wunderbar. Das Gamerscore-System ist der Teufel, aber ebenfalls motivierend. Für unterwegs feier ich den 3DS momentan sehr, vorallem dieser Retroshop ist eine schöne Sache. Kann den alten schweren dummen Game Boy zwar nicht ersetzen, aber ey, da gibt es ALLEYWAY! Hallo?! Alleyway! Das hat meine Mama immer mit mir gespielt. Nein, sie hat mir den Game Boy sogar abgenommen und alleine gespielt! Böse Mutter. Aus Rache leb ich deswegen heute noch mit 27 zuhause. Pech.
Auf längere Sicht gesehen ist meine Lieblingskonsole glaub ich ja wirklich die Dreamcast. Das war so eine Konsole, die ich von allen Konsolen mit einer sehr schönen Zeit verbinde. Ich weiß auch nicht warum. Videospiele können wir Platten oder Filme sein, die man einem gewissen schönen Moment zuschreibt. Die DC verbinde ich mit einem guten Umbruch in meinem Leben. Daher ist diese Aussage sehr emotional belastet. Obwohl SNES, Game Boy und XBox360 sich nicht weit dahinter befinden.

Q: Alleyway als All Time-Fav bekommt man auch nicht oft zu hören. Welche Spiele haben Dich denn damals noch besonders geflasht? Wenn man einen Dreamcast hatte, fallen mir da zum Beispiel spontan Shenmue oder Sonic Adventure ein...

A: Wie gesagt, Videospiele sind Popkultur und ich glaube, für manche Leute sind bestimmt die beklopptesten Spiele auf Welt das tollste Game aller Zeiten, weil sie es mit irgendwas Guten verbinden in ihrem Leben. Irgendwo gab es bestimmt mal einen Menschen, der sagte "Ey, Eine Familie namens Beethoven auf dem SNES, DAS war mal ein Spiel!" - aber hey, dann ist das für ihn so, weil er an dem Tag das erste Mal Sex hatte oder Millionen erbte oder halt weil an dem Tag jemand starb, den er scheiße fand. Das ist doch dann korrekt für ihn! Daher ist "Alleyway" gar nicht so abweichend. Das Spiel war ja auch tatsächlich gut.
Zu "Shen Mue" kann mein Freund und DJ Sam EXzellent dir einen vorschwärmen. Obwohl ich Shen Mue auch wirklich sehr geliebt habe. Speziell auf der Dreamcast mochte ich das Arcadefeeling einfach enorm. Crazy Taxi, Power Stone, Soul Calibur, Samba de Amigo, House of the Dead 2, um mal aus der Ecke ein paar kurzlebige, aber auch wahnsinnig schöne Spiele zu nennen. Von den "langlebigen" Spielen hab ich auf der DC ja Resident Evil Code: Veronica des Todes gefeiert. Und Sonic natürlich. Und Toy Commander! Letzteres war total von der Presse unterschätzt. Diese dummen Magazine damals hätten mir mit ihren bescheuerten Kritiken fast diesen Klassiker unterschlagen. Aber Gottseidank nur fast!
Ansonsten hab ich eine Menge All-Time-Favorites, was klar ist bei 22 Jahren Videospielhistory. Ich seh zwar aus und benehm mich auch wie 12, aber ich bin ja schon ein alter Mann. Wenn ich mich mit jüngeren Zockern unterhalte, klinge wie ich so ein Gandalf, der den Kindern was von "Früher" erzählen kann. Irgendwie ist das seltsam. In meinem, leider toten, Blog "Shit! I did videogames" habe ich irgendwann mal meine 10 TopGames aufgelistet und auch begründet warum. Die Liste ist von 2009 aber irgendwie immer noch unterschreibbar. In der Liste waren die Spiele GoldenEye (N64), Manhunt (PS2), Fallout 3 (XBox360), Mega Man 2 (NES), Zelda OOT (N64), Super Mario Land (Game Boy), Bioshock (XBox 360), Resident Evil 2 (PS2), GTA Vice City (PS2) und MGS (PS1) - nachhaltig würde ich natürlich noch einiges ergänzen wie z.B. Conkers Bad Fur Day oder Shadows of the Collosus oder auch modernere Werke wie z.B. Red Dead Redemption und und und, aber irgendwann muss man sich auch mal bremsen. Grob kann man wohl sagen: Jede Ära hat ihr Schmuckstück für mich gehabt. Im besten Fall sogar 2 oder 3. Und dazwischen eine Menge toller Spiele, die vielleicht nicht für die Lebenscharts gedacht sind, aber einen gutgemeinten Platz in der "Ich erinner mich mit Freuden dran" Vitrine haben.

Rockstah-Nerdrevolution-Artwork-Cover-600x600Q: Man merkt auf jeden Fall an Deiner Leidenschaft: Der Kerl kennt sich aus im Bezug aufs Zocken. Lass uns doch noch einmal über den Typus Nerd sprechen. Einerseits sind das die armen Jungs, denen man das Pausenbrot geklaut hat und die von Lisa nie geküsst wurden. Typische Loser eben. Andererseits zählt ein James Rolfe heutzutage mit seiner Figur des Angry Video Game Nerds zum festen Bestandteil der Internetkultur und wird von Millionen gefeiert. Ist das Nerdtum salonfähig geworden? Oder ist es mittlerweile sogar so, dass die Bezeichnung Nerd sogar als Kompliment verstanden werden kann? Man hat in den letzten Jahren immer mehr das Gefühl bekommen, dass die Außenseiter von einst mittlerweile eine zusammengewachsene Kulturbewegung geworden sind.

A: Erstmal: Dieses Wort „Nerd“ als Trend geht mir tierisch auf den Sack. Seit 3 Jahren ist das so High-Life-Gequatsche, mit witzigen Partys, wo man sich eckige Brillen und karierte Hemden anzieht. Am Ende gehen aber doch alle fickend nach hause. Was ist das denn. Die „Coolen“ können nicht uncool sein. Ich geh ja auch nicht mit meiner Fettschürze zum Bodybuilding-Contest.
So wurde mir ja auch im Eifer der Trendwelle eine „Anpassung“ unterstellt, bzw. das sich meine Musik, bzw. meine Inhalte nur auf diesen einen Trend stützen würden. Blödsinn. Ich hab vor 6 Jahren schon bei meinem ersten Freestylebattle den Gegner mit Videospielvergleichen und Jabba-Sprüchen beschimpft, auf meiner ersten Demo 2006 ging es um das Gleiche wie 2010 und 2011 auch, ich habe es nur perfektioniert und besser bündeln können. Daher bin ich auch kein Teil einer schrillen Jugendbewegung, sondern ich bin auf der Platte genau das, was mich seit 27 auszeichnet: Ein Hänger. Ich bin lieber drinnen als draussen, ich finde alleine sein eigentlich ganz okay, ich war 10 jahrelang sehr dick, bin es heute ja immer noch leicht, ich habe endlos viele Körbe von Frauen bekommen und habe mich bis heute nie geboxt, weil ich einfach für Schlägereien zu schwach und zu dumm bin. Ich bin also textlich ein Ästhet. Ich hab die Sache einfach umgedreht: Ich bin halt ein Hänger, aber das ist doch total geil eigentlich. Alle sind am Ende doch Hänger, Nerds, Geeks. Egal ob die Couch-, Filmkenner-, GamesCom- oder Mathenerds, dieser Erde. Ob verrückte Sneakersammler, Maler, detailverliebte Fotografen oder ganz stumpf: Die Internet- und Forenkids. Alles Nerds. Jeder will ein iPhone. Ja, wirklich alle sind irgendwie einen kleinen Teil ein Nerd. Für das alles spreche ich. Das der Nerd schon immer der wichtigere Teil der Geschichte war, muss ich nicht erwähnen. Aber ich glaube ja nicht, das ein Solariumbesitzer die Glühbirne erfunden hat. Oh, das ist kein sinniges Beispiel, wenn ich genau drüber nachdenke. Egal. Ich glaube die Message ist klar (lacht)

Q: Zumal auch in Hollywood einige Independent-Filmer mittlerweile auf den Zug aufgesprungen sind. "Scott Pilgrim vs The World" und "Napoleon Dynamite" fallen mir da aus der jüngeren Zeit ein, "Joystick Heroes" von 1989 kann man ja eher als überlangen Werbespot für Super Mario Bros 3 sehen. In Deinem Fall ist es meiner Meinung nach ja eher so, dass alleine aufgrund Deiner Biographie der Vorwurf fehlender Credibility gar nicht aufkommen bräuchte. Nerdrevolution ist ein sehr persönliches Album geworden, alleine das Intro zeigt ja schon viel von dem Menschen Rockstah (welche Dame säuselt da eigentlich den Text so nett runter?). Kann man diese Offenheit beibehalten, ist das allgemein dein textlicher Stil oder war es für Dich eher ein Mittel, um eine Art Bindung zum Hörer hinzubekommen?

A: Ja, aber die Biografie kennen viele nicht und dann ist das Gemecker wieder groß. Die Leute suchen ja auch Gründe. Wenn du dich im Videointerview verhalten gibst, dann bist für den dir gegenüber positiv eingestellten Zuschauer nur schüchtern und damit sympathisch, der Hater legt sich das aber als Arroganz aus und betitelt es als unsympathisch. Aber das gehört ja alles zu dem großen Spiel der Karriere. Mario ohne Gegner wäre ja auch langweilig gewesen (lacht). Ich bin halt was ich bin.
Genau das macht es ja auch interessant. Diese „Verletzlichkeit“ nach außen zu tragen. Das bietet Identität für viele Leute. Ich will gar nicht urteilen, dass die Masche oder der Lifestyle eines „bösen Rappers“ weniger Identität bietet, aber ich kann nur von mir sprechen, das vermitteln, was ich, Max Nachtsheim, bin. Daher wird es auch genauso bleiben, vielleicht sogar noch krasser. Das Intro (was im Übrigen von einer Freundin eingesprochen wurde) kratzt ja nur an der Oberfläche und das Album geht nur stellenweise an die Kanten der steilen Abhänge, die mein Leben so bietet. Da ist also noch Platz nach oben bzw. unten. Schwäche zeigen kann in der heutigen Zeit die größte Stärke sein. Und da entsteht die Ebene, auf der der Hörer Fuß fassen kann.

Q: Das klingt erfreulicherweise ganz danach, als wenn die Nerdrevolution noch so einige Alben nach sich ziehen wird.
Wollen wir zum Schluss nochmal über Games reden: Deine drei Spiele für die einsame Insel?

A: 3 Spiele auf einer einsamen Insel? Als erstes wohl ein GTA. Vice City. Dauert ewig, hat endlos viel Nebenzeug, ist das atmosphärisch perfekteste GTA. Ausserdem versüßt mir der Soundtrack die langweilige Zeit auf der dummen Insel. Dann würde ich mir Fallout Vegas mitnehmen, weil ich das noch nicht gespielt habe, aber seit Releasetag hier rumliegt und bestimmt dem 3. Teil in nichts nachsteht. Dauert ja auch bestimmt ein bisschen. Und dann noch, einfach um was für immer zu haben, mein Lieblingflipperspiel Alligator Pinball für den Game Boy! Das geht immer.

Q: Die drei größten Graupen, die Du je gespielt hast?

A: Wow, die Frage ist kniffelig und lässt sich normalerweise nie und nimmer auf 3 runterbrechen. Aber ich versuch mal so ganz besondere Grundsteine der Whackness rauszufiltern.
Ein Spiel aus tiefster Kindheitserinnerung, dass mich erstmals den Verlust der eigenen Nerven leerte: The Adventures of Rocky & Bullwinkle für den Game Boy. Furchtbar.
Dann natürlich 'Kevin Allein Zuhaus' für den SNES, weil es mir damals die Weihnachtsfeiertage versaut hat. Ich hab ja wirklich geheult, weil es so grauenhaft war. Nein, nicht metaphorisch - ich habe wirklich wirklich geweint. Und keiner sieht kleine Kinder gerne weinen. An Weihnachten! Zum Glück ist Macaulay Culkin heute drogenabhängig. Das macht es mir persönlich ein bisschen leichter damit umzugehen.
Der letzte Titel ist recht aktuell und aus meiner Selbsttestphase aus dem Jahre 2009 für meinen Blog: 'Leisure Suit Larry Box Office Bust' - ich glaube wirklich, dass es fast kein schlimmeres Spiel auf der Welt geben wird. Also wirklich. Ich hasse es.

Q: Max, vielen Dank für Deine ausführlichen und interessanten Antworten. Auch Dir wollen wir natürlich unsere Webseite ans Herz legen. Bleibt nur noch, Dir für Dein weiteres musikalisches Schaffen viel Erfolg zu wünschen - wir hoffen alle auf weitere Kapitel der Nerdrevolution.
Und nicht vergessen: Man hört nicht auf zu spielen, weil man alt wird, man wird alt, weil man aufhört zu spielen!

A: Ich habe zu danken. War ein schönes interessantes Interview und ich werde es ein bisschen vermissen, jeden Tag ausführlich gute Fragen beantworten zu dürfen. Hatte mich nach der Woche fast dran gewöhnt. Danke auf jeden Fall! Weise vielleicht nochmal kurz auf http://www.rockstah.de hin, das ist ja meine Webseite und den Shop mach ich komplett alleine. Wer also selbstgemachte Musiker supporten will, kann sich da ja was kaufen. Die Bandkasse freut sich.

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